Die Aufgeschlossenheit für elektrische Mobilität wächst – allerdings nicht überall gleich: Vor allem Personen mit höherem sozioökonomischen Status könnten sich vorstellen, beim nächsten Autokauf auf einen Stromer zu setzen, während Personen mit geringerem Einkommen im Schnitt weniger offen dafür sind. Das zeigt der aktuelle Mobilitätsmonitor, eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech).
26 Prozent der insgesamt 1052 Befragten geben an, beim nächsten Autokauf auch ein Elektroauto in Betracht zu ziehen. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. In den Antworten auf diese Frage offenbart sich jedoch ein deutliches Sozialgefälle: Unter den Befragten mit hohem sozioökonomischem Status zeigen sich 46 Prozent offen für den Kauf eines E-Autos, unter denen mit niedrigem sozioökonomischem Status nur 11 Prozent. Die gestiegene Aufgeschlossenheit für Elektroautos geht laut Mobilitätsmonitor zudem ausschließlich auf Westdeutschland zurück, während das Interesse in Ostdeutschland stagniert.
Dabei ist das Auto jedoch unverändert zu den Vorjahren weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel für die Befragten: 75 Prozent nutzen es mehrmals wöchentlich, 53 Prozent sogar täglich. Erst mit einigem Abstand folgt das Fahrrad, das 35 Prozent der Befragten mehrmals wöchentlich nutzen, gefolgt vom ÖPNV (25 Prozent). 77 Prozent der Nutzenden bewerten das Auto als unverzichtbar, 49 Prozent das Fahrrad.
Wer kein E-Auto will, sieht weniger Ladesäulen – und umgekehrt
Auffällig ist auch der Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Zustand der Ladeinfrastruktur und der Bereitschaft, ein E-Auto zu kaufen: Von denjenigen, die ein Elektroauto grundsätzlich in Betracht ziehen, geben 62 Prozent an, gut erreichbare Lademöglichkeiten zu haben. Unter denjenigen, die den Kauf eines E-Autos für sich ausschließen, liegt der Wert nur bei 25 Prozent. In der letztgenannten Gruppe trauen sich 36 Prozent gar kein Urteil über die Ladeinfrastruktur zu.
Laut Acatech wirken hier zwei Effekte zusammen: Diejenigen, die die Anschaffung eines E-Autos ausschließen, sind teilweise mit einer schlechteren Ladeinfrastruktur konfrontiert. Andererseits nehme dieser Kreis vorhandene Lademöglichkeiten teilweise weniger zur Kenntnis, heißt es in den Ergebnissen der Befragung. Insgesamt gehen aktuell 37 Prozent der Befragten davon aus, eine gut erreichbare Lademöglichkeit zu haben – vor fünf Jahren lag dieser Wert noch bei 28 Prozent.
Dennoch wünscht sich ein immer größerer Teil der Befragten eine bessere Ladeinfrastruktur: 46 Prozent der Befragten nennen den Bau von mehr Ladestationen als Priorität – im Vorjahr war das noch für 32 Prozent der Befragten wichtig. Insgesamt gibt es breite Zustimmung für die Modernisierung der Infrastruktur: 83 Prozent halten die Sanierung des bestehenden Straßennetzes für besonders wichtig. 80 Prozent wünschen sich eine Sanierung des Schienennetzes. Für 77 Prozent ist die Sanierung von Brücken eine Priorität, 71 Prozent pochen auf den Aufbau des öffentlichen Nahverkehrs.
Deutsche trauen chinesischen Herstellern bessere E-Autos zu
60 Prozent der Befragten gaben an, dass niedrigere Kaufpreise den Kauf von Elektroautos attraktiver machen würden. Auch eine höhere Reichweite (51 Prozent), kürzere Ladezeiten (49 Prozent) und mehr Lademöglichkeiten (44 Prozent) würden E-Autos demnach attraktiver machen. Die Befragung zeigt jedoch auch, dass die Reichweitenangst oft auf falschen Annahmen fußt: Rund jeder Vierte schätzt die Reichweite moderner E-Autos auf unter 400 Kilometer – während die meisten heutigen Modelle heutzutage eine höhere Reichweite bieten. Knapp ein Drittel der Befragten wagt überhaupt keine Schätzung über die maximale Reichweite moderner Stromer. Überdurchschnittlich häufig sind das diejenigen, die ein E-Auto für sich kategorisch ausschließen.
Die Umfrage sendet auch ein Signal in Richtung deutscher Autobauer: 49 Prozent der Befragten glauben, dass in China besonders gute Elektroautos gebaut werden. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert noch bei 34 Prozent. Deutschland folgt mit 27 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von Japan (17 Prozent) und Südkorea (14 Prozent). Seit vergangenem Jahr konnten die deutschen Autobauer ihr Image in dieser Hinsicht zwar verbessern – chinesische Hersteller konnten ihren Imagevorsprung im gleichen Zeitraum aber erheblich ausbauen.
Treibt der Irankrieg die E-Mobilität voran?
Die Befragung fand im Februar statt, also noch vor der Blockade der Straße von Hormus und den damit verbundenen, starken Anstiegen der Kraftstoffpreise. Acatech verweist darauf, dass sich das bereits in den Zulassungen bemerkbar mache: Die Zulassungszahlen für Elektroautos seien in Europa im März um 78 Prozent gegenüber Februar gestiegen, auf insgesamt knapp 360.000 Fahrzeuge. Allerdings ist der März in Europa traditionell ein vergleichsweise starker Zulassungsmonat, während der Februar traditionell schwach ist. Der Anstieg der Zulassungszahlen steht also nicht zwingend in Zusammenhang mit den steigenden Benzinpreisen.
Der Mobilitätsmonitor basiert auf einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag von Acatech und stützt sich auf 1.052 persönliche Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahren.
Quellen: acatech – Mobilitätsmonitor 2026 / acatech – Pressemitteilung vom 06.05.2026








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