Chery sucht nach einem Weg in die Vereinigten Staaten und zeigt sich dabei auch für eine Partnerschaft mit US-amerikanischen Automobilherstellern offen. Das erklärte Vizepräsident Charlie Zhang im Gespräch mit Reuters am Firmensitz im ostchinesischen Wuhu. Seine Aussagen gehören zu den bislang deutlichsten Hinweisen auf die amerikanischen Ambitionen des Konzerns. Welche Art von Kooperation ihm konkret vorschwebt, ließ der Manager allerdings offen.
Hintergrund ist die schwierige Ausgangslage chinesischer Marken auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt. Dort sind sie derzeit faktisch ausgesperrt, denn Importe werden mit Zöllen von mehr als 100 Prozent belegt. Hinzu kommen Vorgaben zur Datensicherheit, die den Marktzugang zusätzlich erschweren. Für Hersteller aus der Volksrepublik bleibt der US-Markt damit vorerst verschlossen, unabhängig davon, wie erfolgreich sie in anderen Regionen unterwegs sind.
Zhang betonte im Interview vor allem die Flexibilität seines Unternehmens. “Was die USA angeht, suchen wir ganz offensichtlich nach verschiedenen Optionen”, sagte er. Und weiter: “Wir sind sehr offen für unterschiedliche Wege, sogar für eine mögliche Partnerschaft mit amerikanischen Automobilherstellern.” Konkrete Gespräche oder mögliche Partner nannte er nicht.
Die Bedenken rund um Hard- und Software will Chery offenbar auf technischem Weg ausräumen. Zhang zeigte sich zuversichtlich, dass der Konzern einen Zugang zum amerikanischen Markt finden werde. Seiner Einschätzung nach sei es möglich, ein Auto zu entwickeln, das weder auf chinesische Hardware noch auf chinesische Software angewiesen ist. “Aus technischer Sicht werden wir definitiv eine chinafreie Lösung bei Hardware und Software finden können”, so der Vizepräsident. Damit zielt die Aussage direkt auf jene Datensicherheitsregeln, die chinesischen Anbietern den Weg in die USA bislang versperren.
Kanada als nächster Schritt in Nordamerika
Deutlich greifbarer sind die Pläne für den nördlichen Nachbarn der USA. Nach Angaben von Zhang laufen bereits die Vorbereitungen für einen Markenstart in Kanada, der zu Beginn des kommenden Jahres erfolgen soll. Damit treibt der Hersteller seine Expansion in Nordamerika voran, nachdem er zuvor in Europa und weiteren Regionen ein rasches Wachstum verzeichnet hat. Details zu Modellen oder Vertriebsstrukturen für den kanadischen Markt nannte der Vizepräsident in dem Gespräch nicht.
Chery ist Chinas größter Autoexporteur und vertreibt unter anderem die Marken Omoda und Jaecoo. Das Unternehmen gehört zu einer Reihe chinesischer Automobilhersteller, die die globale Branche mit fortschrittlicher Technik und attraktiven Preisen unter Druck setzen. Etablierte Konzerne tun sich bislang schwer, bei diesen Preisen mitzuhalten. Mit diesem Profil konnte sich der Konzern zuletzt in Europa und anderen Weltregionen rasch ausbreiten.
Ein Blick auf die Firmengeschichte zeigt, wie stark sich das Selbstverständnis gewandelt hat. Gegründet am Ufer des Jangtse, lief das erste Auto des Unternehmens im Jahr 1999 vom Band. Ursprünglich trat der Hersteller unter dem Namen Cheery auf und präsentierte sich als fröhliche, preisgünstige Marke.
Heute verfolgt Chery einen deutlich anderen Anspruch. Der Konzern orientiert sich nach eigenem Verständnis an Toyota, dessen Name für Qualität steht, und an Tesla, das für seine Innovationskraft bekannt ist. Aus dem einstigen Billiganbieter vom Jangtse ist so ein Autobauer geworden, der Verlässlichkeit und technischen Fortschritt miteinander verbinden will, sei es mit einem eigenen Markenauftritt in Kanada oder womöglich an der Seite eines amerikanischen Partners in den Vereinigten Staaten.
Quelle: Reuters – China’s Chery open to partnering with US automakers, executive says








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