BMW feiert Produktionsstart des Mini Countryman Electric in Leipzig

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Michael Neißendorfer
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Das BMW Group Werk Leipzig bleibt unter Strom: Vier Monate nach dem Produktionsstart des Mini Countryman mit Verbrennungsmotoren rollen nun auch die vollelektrischen Modelle in Leipzig vom Band. Nach dem Auslauf des BMW i3 hat die Geburtsstätte der E-Mobilität bei der BMW Group damit wieder ein vollelektrisches Fahrzeug im Programm. Auf einer Produktionslinie entstehen nun vier Modelle mit drei Antrieben von zwei Marken: der BMW 1er, der BMW 2er Active Tourer (auch als Plug-in-Hybrid), das BMW 2er Gran Coupé sowie der Mini Countryman mit vollelektrischem und konventionellem Antrieb.

Der Mini Countryman Electric ist für Mini ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur rein elektrischen Marke bis 2030. Mit rein elektrischem Antrieb ist das Fahrzeug in den Varianten Countryman E (150 kW, 204 PS) sowie mit gesteigerter Leistung und allradgetrieben als Countryman SE ALL4 (230 kW, 313 PS) erhältlich. Mini stellt für den Allrad eine elektrische Reichweite von bis zu 433 Kilometern laut WLTP-Testzyklus in Aussicht. Der Countryman SE ALL4 ist ab 49.500 Euro erhältlich.

Um bis zu 350.000 Einheiten pro Jahr fertigen zu können – 100.000 Einheiten mehr als bisher – wurde das Leipziger Werk seit 2018 kontinuierlich ausgebaut. Karosseriebau, Lackiererei, Montage und Logistik wurden umfangreich erweitert und modernisiert. „Unsere Fahrzeuge und Komponenten sind gefragt. Die BMW Group hat in den vergangenen Jahren rund 1,6 Milliarden Euro in den Leipziger Standort investiert, um zusätzliche Fahrzeuge und E-Komponenten hier zu produzieren. Jetzt kommt das höhere Fahrzeugvolumen. Das sind sehr positive Nachrichten für unser Werk“, freut sich Werkleiterin Petra Peterhänsel.

Verantwortlich für den Volumenausbau sei in erster Linie der Countryman. Im Verlauf des Jahres 2024 soll seine Produktion auf knapp 500 Einheiten am Tag steigen, zusätzlich zu den rund 800 Pkw von BMW. Dank des flexiblen Produktionssystems sei das Leipziger Werk in der Lage, kurzfristig auf Kundenwünsche zu reagieren und zum Beispiel den Anteil vollelektrischer Fahrzeuge zu erhöhen.

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Die flexible Montagestruktur ermögliche die nahtlose Integration des Mini Countryman Electric in den Produktionsprozess. In der Aggregatemontage des Leipziger Werks werden die Antriebseinheiten ebenfalls auf nur einer Linie zusammengebaut und für die sogenannte „Hochzeit“ mit der Karosserie vorbereitet. Für die beiden vollelektrischen Modelle werden E-Motor, Getriebe und Steuerungselektronik direkt im Werk zusammengefügt. Lediglich für die Steuerungselektronik musste ein neues Band aufgebaut werden.

Höheres Produktionsvolumen erfordert Personalaufbau und Nachtschicht

Mit dem höheren Produktionsvolumen ist die Sicherung von Arbeitsplätzen und ein Zuwachs von bis zu 900 Mitarbeitenden allein in der Fahrzeugproduktion verbunden, wie BMW mitteilt. Bis Ende 2024 sollen rund 7000 BMW Mitarbeitende im Leipziger Werk beschäftigt sein. In allen Technologien sei eine Anpassung der Arbeitszeiten erforderlich. Ab September soll erstmals eine Nachtschicht in der Montage eingeführt werden, so dass in drei Schichten rund um die Uhr Autos gebaut werden.

2005 sind wir hier am Standort mit rund 2600 Beschäftigten in die Produktion gestartet – 19 Jahre später sind es über 7000. Das Werk ist über die Jahre erheblich und kontinuierlich gewachsen. Der Start der Nachtschicht in der Montage ist ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Erfolgsgeschichte unseres Werks und ein klares Vertrauensbekenntnis des Unternehmens in den Standort Leipzig“, betont Betriebsratsvorsitzender Jens Köhler.

Im Werk produziert: Hochvoltbatterien für den Mini Countryman Electric

Mit dem Produktionsstart des Mini Countryman Electric wird im Leipziger BMW Werk der gesamte Prozess der Hochvoltbatteriefertigung der aktuellen 5. Generation abgebildet. Dieser gliedert sich in drei Prozessschritte: Zelllackierung, Modulfertigung und Hochvoltbatteriemontage. Für die E-Komponentenfertigung wurden im Werk fünf Zelllackierungs-, drei Modulfertigungslinien und zwei Linien für die Hochvoltbatteriefertigung aufgebaut, die sich in der Hochlaufphase befinden.

Wir befinden uns mitten in der Transformation zur E-Mobilität“, sagt Markus Fallböhmer, Leiter Batterieproduktion bei der BMW Group. „Dass wir am Standort Leipzig ab diesem Jahr alle Prozessschritte der hausinternen Hochvoltbatteriefertigung abbilden, markiert dabei den nächsten großen Schritt.

Seit 2021 werden die Kapazitäten für die E-Komponentenfertigung in Leipzig hochgefahren. Neben den Hochvoltbatterien für den Mini Countryman Electric wird das Werk E-Komponenten für die BMW-Modelle iX1, iX2, i4, i5 und iX für weitere Standorte produzieren, diese laufen in München, Dingolfing und Regensburg vom Band. Aktuell sind rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Leipziger E-Komponentenfertigung tätig.

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Für die Hochvoltbatteriefertigung wurden die ehemaligen Flächen der i3 und i8 Produktion umgebaut und um neue Gebäude ergänzt. Unter anderem wurde eine neue Halle mit rund 61.000 m² Grundfläche gebaut. Bis zu 300.000 Hochvoltbatterien können dort pro Jahr mit zwei Anlagen produziert werden. Die BMW Group hat bisher mehr als 900 Millionen Euro in die E-Komponentenfertigung im Werk Leipzig investiert.

Ressourcenschonende Lackierprozesse

Zum Start des vollelektrischen Modells wird der Mini Countryman in drei weiteren Karosseriefarben angeboten: British Racing Green, Chili Red und Blazing Blue. Auf Wunsch auch mit dem Mini typischen Kontrastdach. Zur Lackierung des Kontrastdachs ist im Leipziger Werk ein neues, ressourcenschonendes Verfahren, das sogenannte „Overspray freie Lackieren“, im Qualifizierungsprozess. Overspray bezeichnet den überschüssigen Lacknebel, der normalerweise beim Lackieren entsteht. Bei dem neuen Verfahren gebe es diesen Lacknebel nicht mehr. Das erleichtere das mehrfarbige Lackieren von Oberflächen, da ein aufwendiges Abkleben der Flächen nicht mehr notwendig sei.

Das Overspray freie Lackieren leiste zudem einen Beitrag zur Verringerung der CO2-Emissionen, da die Abluft in den Lackierkabinen weniger gereinigt werden muss. Auch werde deutlich weniger konditionierte Luft – das heißt Luft, bei der die Temperatur und Feuchtigkeit entsprechend geregelt ist – in der Lackierkabine benötigt. Das spare Energie zur Temperierung und Nachbehandlung der Abluft.

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BMW / Mini

Auch die Brennertechnologie, die für die Lacktrocknung bei der Kontrastdachlackierung eingesetzt wird, wurde zum Start der Mini Countryman Produktion auf ein bivalentes System umgestellt. Die brennstoff-flexiblen Brenner sind in der Lage, Wasserstoff (H2) und das Erdgas Methan (CH4) zu verbrennen. Die Umstellung der Brennstoffe könne sogar im laufenden Betrieb erfolgen. Fünf bivalente, wasserstofffähige Brenner kommen demnach bei der Kontrastdachlackierung des Mini Countryman zum Einsatz.

Weitere Brenner der Lackiererei sollen sukzessive auf einen bivalenten Betrieb umgerüstet werden. Aktuell seien die nächsten sechs wasserstofffähigen Brenner installiert worden. Damit geht BMW weitere Schritte in Richtung Reduzierung der CO2 Emissionen. „Unsere Leipziger Vision ist die weitgehende Dekarbonisierung der Produktion, also das Ersetzen von fossilen Brennstoffen durch grünen Wasserstoff“, beschreibt Werkleiterin Petra Peterhänsel die langfristige Ausrichtung des Werks. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende leitungsgebundene Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff. Für das Werk Leipzig bietet sich die Chance, ein in der Region entstehendes Wasserstoffnetz dafür zu nutzen.

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 01.03.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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