Für viele E-Auto-Interessenten und -Käufer ist es die zentrale Frage: Wie lange hält die Antriebsbatterie in meinem Stromer? Langzeitdaten aus dem Realbetrieb moderner Elektroautos sind noch recht rar, dementsprechend groß ist oft die Verunsicherung. Das kanadische Unternehmen Geotab, ein Anbieter von Telematik- und Fuhrparklösungen, hat im Januar eine aktualisierte Analyse zum Gesundheitszustand von E-Auto-Batterien veröffentlicht, die einige interessante Erkenntnisse bereithält.
In der jüngsten Untersuchung analysierte das Unternehmen Daten zum Gesundheitszustand von Batterien aus mehr als 22.700 Elektroautos. Insgesamt flossen 21 Fahrzeugmodelle unterschiedlicher Hersteller in die Auswertung ein, die sich auf Telematikdaten stützt, die das Unternehmen über mehrere Jahre hinweg im Realbetrieb sammelte. Geotab errechnete in der Analyse eine durchschnittliche jährliche Degradationsrate von 2,3 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte eine Geotab-Analyse noch eine durchschnittliche Degradationsrate von 1,8 Prozent ergeben.
Dem Unternehmen zufolge ist der Anstieg auf die veränderte Nutzung von E-Autos zurückzuführen, insbesondere auf die zunehmende Zahl von Ladevorgängen an Gleichstrom-Schnellladesäulen. Die Analyse zeigt, dass die Ladeleistung unter allen analysierten Faktoren den stärksten Einfluss auf den Gesundheitszustand der Antriebsbatterie hat: Fahrzeuge, bei denen DC-Schnellladungen weniger als zwölf Prozent aller Ladevorgänge ausmachten, verzeichneten demnach eine durchschnittliche jährliche Degradation von 1,5 Prozent. Fahrzeuge, die mehr als zwölf Prozent aller Ladevorgänge an einer Schnellladesäule absolvierten, verzeichneten hingegen eine durchschnittliche Degradation von 2,5 Prozent.
Geotab verweist jedoch darauf, dass die E-Auto-Lebensdauer auch bei häufigem Schnellladen noch gut bleibt: Eine jährliche Degradation von 2,3 Prozent würde bedeuten, dass die Antriebsbatterie nach acht Jahren Nutzung noch 81,6 Prozent ihrer Ursprungskapazität bietet. Fahrzeuge mit geringerer Nutzung erreichten in der Analyse nach acht Jahren im Schnitt noch 88 Prozent ihrer Ursprungskapazität.
E-Auto-Batterien altern in wärmeren Regionen schneller
Auch das lokale Klima hat einen Einfluss auf die Degradationsrate, wenngleich dieser deutlich geringer ausfällt. Fahrzeuge, die vorrangig in heißeren Regionen unterwegs sind (über 25 Grad Celsius an mehr als 35 Prozent der Tage), zeigten eine um etwa 0,4 Prozent höhere jährliche Degradation als Fahrzeuge in gemäßigteren Klimazonen.
Somit bleibe der geografische Standort jedoch eine wichtige Variable für die Vorhersage der Batterielebensdauer, gibt Geotab zu bedenken. Das Unternehmen hatte allerdings keine ausreichende Datenbasis, um die Degradation von Fahrzeugbatterien in durchgehend kalten Klimazonen zu untersuchen. Ein Elektroauto im US-Bundesstaat Arizona habe jedoch wahrscheinlich eine kürzere Batterielebensdauer als das gleiche Modell in einem Land wie Norwegen hätte, heißt es in einem Beitrag des Unternehmens.
Durchschnittlicher Ladestand spielt keine große Rolle – es gibt jedoch eine kritische Schwelle
Geotab argumentiert zudem, dass die Daten die gängigen Weisheiten zum optimalen Ladestand der Batterie in Frage stellen: Elektroautofahrer werden häufig dazu angehalten, ihre Batterien möglichst nur im Bereich zwischen 20 und 80 Prozent Ladestand zu nutzen, um die chemische Zusatzbelastung zu vermeiden, die mit sehr hohen oder sehr niedrigen Ladeständen in Verbindung gebracht wird. Die Analyse des Unternehmens zeigt jedoch, dass diese Vorsichtsmaßnahme nur dann von Bedeutung ist, wenn die Fahrzeug über einen längeren Zeitraum mit diesen extremen Ladeständen geparkt wird. Für den typischen täglichen Gebrauch sei die strikte Einhaltung der Ladestandsempfehlungen möglicherweise nicht erforderlich.
So zeigten Fahrzeuge, die regelmäßig einen größeren Ladestandsbereich nutzten, keine signifikant höhere Degradation. Die jährliche Batteriedegradation lag bei Fahrzeugen, die weniger als 50 Prozent der Zeit mit einem extrem hohen oder niedrigen Ladestand verbrachten, im Schnitt bei 1,4 Prozent. Fahrzeuge, die 50 bis 80 Prozent der Zeit mit einem extremen Ladestand verbrachten, verzeichneten hier einen fast identischen Wert von durchschnittlich 1,5 Prozent.
Es gebe jedoch durchaus eine kritische Schwelle: Fahrzeuge, die gewöhnlich mehr als 80 Prozent der Gesamtzeit bei Ladeständen unter 20 Prozent oder über 80 Prozent verbrachten, lag die jährliche Degradation bei durchschnittlich 2,0 Prozent. Auch häufiger genutzte Fahrzeuge zeigten eine etwas schnellere Degradation verglichen mit der Gruppe mit der geringsten Nutzung: Ihre Batterien alterten etwa 0,8 Prozentpunkte schneller.
Möglichst niedrige Ladeleistung könnte die Lebensdauer von Batterien verlängern
Charlotte Argue, Seniormanagerin für nachhaltige Mobilität bei Geotab, empfiehlt Flottenbetreibern, auf möglichst ausgewogenes Lade- und Fahrverhalten zu setzen: „Die Verwendung der niedrigsten Ladeleistung, die noch den betrieblichen Anforderungen entspricht, kann einen messbaren Unterschied für die langfristige Batteriesundheit machen, ohne die Verfügbarkeit der Fahrzeuge einzuschränken.“
Das Unternehmen verweist darauf, dass die durchschnittlichen Degradationsraten sich zwischen den unterschiedlichen Fahrzeugmodellen deutlich unterscheiden können. Das dürfte unter anderem auf unterschiedliche Zellchemien und die Arbeitsweisen der unterschiedlichen Batteriemanagementsysteme zurückzuführen sein. Aus dem Beitrag geht nicht hervor, welche E-Modelle konkret analysiert wurden – allerdings verzeichneten elektrische Nutzfahrzeuge einschließlich leichten elektrischen Vans mit 2,7 Prozent im Schnitt höhere Degradationsraten als leichte Fahrzeuge, bei denen die Degradation im Schnitt bei 2 Prozent lag. Viele Elektroautos verlieren in ihren ersten beiden Lebensjahren zudem schneller Kapazität als in den späteren Lebensjahren – die Analyse umfasste einen größeren Anteil an neuen Fahrzeugen. So haben die Fahrzeuge aus der Geotab-Analyse von 2023 sich mittlerweile auf eine beeindruckende jährliche Degradationsrate von durchschnittlich nur 1,4 Prozent eingependelt, rechnet das Unternehmen vor.
Quellen: Geotab – How long do electric car batteries last? The updated guide to real-world EV battery health / Geotab – Pressemitteilung vom 13.01.2026







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