Batteriefertigung wird in den kommenden Jahren der Flaschenhals der Lieferkette

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Volvo

Iris Martinz
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  —  Lesedauer 2 min

Batteriezellwerke schießen weltweit wie Pilze aus dem Boden, und dennoch warnen die CEOs der Top-Elektroautobauer vor einem Batteriemangel, wenn die Nachfrage weiter so anziehen sollte. Die Batterien könnten zum Flaschenhals werden – und die Preise weiter steigen.

Keine Woche vergeht ohne Ankündigung, dass irgendwo weltweit ein neues Batteriezellwerk entsteht. An vielen sind die Autohersteller bereits direkt beteiligt, um sich die Versorgung zu sichern. Volvo baut gemeinsam mit Northvolt in Göteborg, Schweden, VW im deutschen Salzgitter, Stellantis gemeinsam mit LG in Windsor, Kanada.

Volvo-CEO Jim Rowan hat nun im Rahmen eines Interviews mit CNBC bestätigt, dass der drohende Batteriemangel Druck auf den Automobilsektor ausübt. Das wäre auch der Grund des eigenen Investments in die Batteriezellenfertigung. „Gerade haben wir eine substantielle Investition mit Northvolt getätigt, sodass wir unsere Batterielieferungen selbst unter Kontrolle haben„, erklärt der erst kürzlich ins Amt getretene Rowan. Das Werk in Göteborg soll 2023 in Betrieb gehen und jährlich bis zu 50 Gigawattstunden produzieren. Das würde ausreichen, um jährlich etwa 500.000 E-Autos zu bestücken. Volvo will ab 2030 nur mehr vollelektrische Modelle anbieten, da ist eine verlässliche Versorgung mit Batterien essentiell. Rowan geht davon aus, dass der Batteriemangel sich bereits in den nächsten Jahren bemerkbar machen wird.

Auch Volkswagen-CEO Herbert Diess hatte bereits letztes Jahr gemutmaßt, dass die Batterieproduktion die Entwicklung des E-Marktes in den nächsten zehn Jahren abbremsen könnte. Eine verlässliche, weltweite Lieferkette für Batterien müsse eben erst aufgebaut werden, was zu Problemen führen könnte. Teslas Elon Musk stößt ins selbe Horn, und sichert sich weltweit Lithiumvorkommen für seine Gigafactories.

Gleichzeitig sei das Problem mit den Lieferengpässen von Chips noch nicht gelöst, wie Volvo-CEO Rowan in Erinnerung ruft. Volvo musste deshalb am Ende des ersten Quartals 2022 die Produktion drosseln und einen Verkaufsrückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Rowan geht davon aus, dass auch im zweiten Quartal nicht auf vollen Touren produziert werden kann. Erst im zweiten Halbjahr sollte sich die Lage entspannen.

Quelle: cnbc.com – Top autos CEO warns of battery scarcity as EV competition heats up

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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Juergen:

„…um große Margen, Gewinne und Dividenden zu erzielen“. Wir reden hier von börsennotierten Unternehmen, die ihren hohen Kapitalbedarf über die Finanzmärkte decken. Diese zeigen schnell mit dem Daumen nach unten, wenn zweimal ein negatives Quartalsergebnis ausgewiesen wird. Meines Erachtens besteht hier längst eine Abhängigkeit von den Kapitalmärkten.

Juergen:

In den nächsten 12 Monaten ist die Wiederaufnahme von Nickellieferungen aus Russland unwahrscheinlich und die Erschließung neuer Lithiumvorkommen nahezu ausgeschlossen. Die dominierenden NMC-Zellen werden also auch weiterhin im Preis steigen und die Verbreitung der E-Mobilität leider bremsen.

Wolfbrecht Gösebert:

Die Resourcen des Planeten sind nicht unendlich, aber das will kaum einer wahrhaben, …“

+1,
sieht man auch hier im Forum bei expliziten Forderungen nach immer größeren Akkus und z.B. aktuell auch bei der Forderung nach dem Einbau von 43-kW-AC-Ladern …

Daniel W.:

Das wäre eigentlich die Zeit der kleinen E-Autos mit kleinen Akkus und wenigen Chips, aber die meisten Startups können noch nicht soweit und die großen Hersteller bauen lieber immer größere Akkus und massig Chips in die E-Autos der Oberklasse, um große Margen, Gewinne und Dividenden zu erzielen.

Die Resourcen des Planeten sind nicht unendlich, aber das will kaum einer wahr haben, weder Hersteller noch die vielen zukünftigen E-Autokäufer, da braucht es wohl noch etliche weitere Krisen.

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