Batterie-Zielkonflikt: Reichweite vs. Kosten

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 2 min

Die Elektromobilität hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, insbesondere im Bereich der Fahrzeugbatterien. Diese Batterien sind das Herzstück jedes Elektrofahrzeugs und repräsentieren eine der größten technologischen Herausforderungen in der Branche.

Obwohl das erste batteriebetriebene Automobil bereits im vorletzten Jahrhundert entwickelt wurde, steht die Elektromobilität als Massenmarkt noch am Anfang. Doch die Fortschritte sind beeindruckend. Wie Prof. Dr. rer. nat. Dirk Uwe Sauer gegenüber Michael Graef, Chefredakteur HDT-Journal, betonte: „Kommerzielle Lithium-Ionen-Zellen sind heute mit Energiedichten bis zu 300 Wh/kg verfügbar.“ Doch die Reichweite von Elektroautos wird nicht nur durch die technische Kapazität, sondern auch durch die Kosten der Batterie begrenzt. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist ein Konzeptfahrzeug von Mercedes, das, wie Sauer erwähnte, „eine Reichweite von 1.200 km durch einen sensationell geringen Stromverbrauch von nur etwa 8,6 kWh/100 km erreicht hat.“ Das E-Fahrzeug aber eben mit entsprechenden Kosten aufwartet, um dies zu ermöglichen.

Ein weiteres zentrales Thema sei der Zielkonflikt zwischen der Erhöhung der Reichweite und der Kostenreduktion. Sauer gibt zu bedenken: „Gerade für den Pkw-Markt steht die Entwicklung zu höheren Energiedichten gar nicht im Fokus der Fahrzeughersteller. Zentrale Entwicklungsaufgabe ist die Kostenreduktion.“ Ein Trend, der sich hier abzeichnet, ist der steigende Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien, insbesondere auf dem chinesischen Markt.

Die Schnellladefähigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Das ultimative Ziel, so Sauer, ist, dass „alle Fahrzeuge in der Lage sein sollten, mit 350 kW aufgeladen zu werden.“ Dies würde bedeuten, dass Energie für eine Reichweite von 100 Kilometern in nur zwei bis drei Minuten nachgeladen werden könnte. Reichweitenangst werde es spätestens dann nicht mehr geben.

Die steigende Nachfrage nach Elektroautos hat natürlich auch Auswirkungen auf die Preise und die Verfügbarkeit von Batterien. Sauer weist darauf hin, dass „Lithium liegt an den Rohstoffbörsen heute wieder bei etwa der Hälfte der Höchststände vom letzten Jahr, bleibt aber volatil im Preis.“ Sicherheit sei ein weiteres zentrales Anliegen. Sauer betont, dass „die Zahl der Fahrzeugbrände pro Millionen zurückgelegter Kilometer bei Elektrofahrzeugen mindestens um einen Faktor 10 geringer liegt, als dies bei konventionellen Fahrzeugen der Fall ist.“ Es gelte hier auf die Fakten zu achten und sich nicht durch Mythen verunsichern zu lassen. 

Insgesamt zeigt das Interview mit Prof. Sauer, dass die Elektromobilität und insbesondere die Batterietechnologie ein spannendes und sich schnell entwickelndes Feld ist. Es gibt noch viele Herausforderungen zu bewältigen, aber die Fortschritte sind durchaus überzeugend.

Quelle: hdt.de – Lithium-Ionen-Batterien heute und morgen: Experteninterview mit Dirk Uwe Sauer

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Skodafahrer:

Die Energiedichte steht nicht im Mittelpunkt, weil noch Verbrenner verkauft werden dürfen.

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