Batterie-Zielkonflikt: Reichweite vs. Kosten

Batterie-Zielkonflikt: Reichweite vs. Kosten
Copyright:

shutterstock / 1237870426

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Die Elektromobilität hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht, insbesondere im Bereich der Fahrzeugbatterien. Diese Batterien sind das Herzstück jedes Elektrofahrzeugs und repräsentieren eine der größten technologischen Herausforderungen in der Branche.

Obwohl das erste batteriebetriebene Automobil bereits im vorletzten Jahrhundert entwickelt wurde, steht die Elektromobilität als Massenmarkt noch am Anfang. Doch die Fortschritte sind beeindruckend. Wie Prof. Dr. rer. nat. Dirk Uwe Sauer gegenüber Michael Graef, Chefredakteur HDT-Journal, betonte: „Kommerzielle Lithium-Ionen-Zellen sind heute mit Energiedichten bis zu 300 Wh/kg verfügbar.“ Doch die Reichweite von Elektroautos wird nicht nur durch die technische Kapazität, sondern auch durch die Kosten der Batterie begrenzt. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist ein Konzeptfahrzeug von Mercedes, das, wie Sauer erwähnte, „eine Reichweite von 1.200 km durch einen sensationell geringen Stromverbrauch von nur etwa 8,6 kWh/100 km erreicht hat.“ Das E-Fahrzeug aber eben mit entsprechenden Kosten aufwartet, um dies zu ermöglichen.

Ein weiteres zentrales Thema sei der Zielkonflikt zwischen der Erhöhung der Reichweite und der Kostenreduktion. Sauer gibt zu bedenken: „Gerade für den Pkw-Markt steht die Entwicklung zu höheren Energiedichten gar nicht im Fokus der Fahrzeughersteller. Zentrale Entwicklungsaufgabe ist die Kostenreduktion.“ Ein Trend, der sich hier abzeichnet, ist der steigende Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien, insbesondere auf dem chinesischen Markt.

Die Schnellladefähigkeit ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Das ultimative Ziel, so Sauer, ist, dass „alle Fahrzeuge in der Lage sein sollten, mit 350 kW aufgeladen zu werden.“ Dies würde bedeuten, dass Energie für eine Reichweite von 100 Kilometern in nur zwei bis drei Minuten nachgeladen werden könnte. Reichweitenangst werde es spätestens dann nicht mehr geben.

Die steigende Nachfrage nach Elektroautos hat natürlich auch Auswirkungen auf die Preise und die Verfügbarkeit von Batterien. Sauer weist darauf hin, dass „Lithium liegt an den Rohstoffbörsen heute wieder bei etwa der Hälfte der Höchststände vom letzten Jahr, bleibt aber volatil im Preis.“ Sicherheit sei ein weiteres zentrales Anliegen. Sauer betont, dass „die Zahl der Fahrzeugbrände pro Millionen zurückgelegter Kilometer bei Elektrofahrzeugen mindestens um einen Faktor 10 geringer liegt, als dies bei konventionellen Fahrzeugen der Fall ist.“ Es gelte hier auf die Fakten zu achten und sich nicht durch Mythen verunsichern zu lassen. 

Insgesamt zeigt das Interview mit Prof. Sauer, dass die Elektromobilität und insbesondere die Batterietechnologie ein spannendes und sich schnell entwickelndes Feld ist. Es gibt noch viele Herausforderungen zu bewältigen, aber die Fortschritte sind durchaus überzeugend.

Quelle: hdt.de – Lithium-Ionen-Batterien heute und morgen: Experteninterview mit Dirk Uwe Sauer

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Europas E-Auto-Markt boomt, Verbrenner fallen auf globales historisches Tief

Europas E-Auto-Markt boomt, Verbrenner fallen auf globales historisches Tief

Michael Neißendorfer  —  

Die fünf größten Automärkte Europas erleben ein Rekordquartal für Elektroautos. Verbrenner hingegen erreichen einen historischen Tiefstand.

Mehrheit in der Autoindustrie befürwortet Ende des Verbrenners

Mehrheit in der Autoindustrie befürwortet Ende des Verbrenners

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobilbranche ist in Vorreiter und Nachzügler gespalten. Die Mehrheit spricht sich für die E-Mobilität und strenge CO2-Grenzen aus.

Trumps Autozölle: Neue Eskalation trifft europäische Hersteller hart

Trumps Autozölle: Neue Eskalation trifft europäische Hersteller hart

Daniel Krenzer  —  

Abermals erhöhte US-Zölle auf Autoimporte setzen europäische Hersteller unter Druck und könnten günstige Modelle aus dem Markt drängen.

Deutschland Spitze beim Batterie-Recycling – auf dem Papier

Deutschland Spitze beim Batterie-Recycling – auf dem Papier

Sebastian Henßler  —  

Patente rund um das Batterie-Recycling wachsen jährlich um stolze 42 Prozent. Asien dominiert mit 63 Prozent, BASF und Duesenfeld führen Europas Spitze an.

Strategiewechsel: Stellantis will Investitionen künftig auf Kernmarken konzentrieren

Strategiewechsel: Stellantis will Investitionen künftig auf Kernmarken konzentrieren

Tobias Stahl  —  

Stellantis will künftig wohl stärker in seine Kernmarken investieren – zulasten anderer Konzernmarken wie Opel oder Citroën, berichten Konzerninsider.

Schneider: Elektroautos machen uns unabhängig von fossilen Krisen

Schneider: Elektroautos machen uns unabhängig von fossilen Krisen

Michael Neißendorfer  —  

„Elektromobilität und erneuerbare Energien machen uns unabhängiger von dem, was an der Straße von Hormus passiert“, so Umweltminister Carsten Schneider.

T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

Michael Neißendorfer  —  

Der ACEA und die deutsche Regierung setzen sich für weitere Lockerungen zugunsten von Verbrennern ein. Das könnte die EU-Bürger teuer zu stehen kommen.