Mercedes EQXX: Vision von vierstelliger Reichweite

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Wolfgang Plank
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  —  Lesedauer 3 min

Gemessen an durchschnittlichen Fahrleistungen pro Tag reichen selbst kleine E-Autos völlig aus. Doch selbst mehrere hundert Kilometer Radius können eine Sorge gerade deutscher Kunden nicht vertreiben: die Reichweitenangst. Kaum einer tut sich den Trip tatsächlich an – doch die meisten hätten nur zu gerne das Gefühl von jetzt auf gleich von Berlin an den Gardasee fahren zu können. Am liebsten nonstop.

Und so basteln die Hersteller ständig an noch mehr Kapazität, was zur Folge hat, dass die Akkus – und mit ihnen die Autos – immer noch schwerer werden. Aktuell führend: der Mercedes EQS. Der spannungsgeladene Bruder der S-Klasse schafft offiziell schon 784 Kilometer – die Studie EQXX soll nun sogar den vierstelligen Bereich erobern.

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Der Prototyp zeige, wie man sich in Stuttgart die Zukunft des Elektroautos vorstellt, verkündet Daimler-Chef Ola Källenius in einer Mitteilung. Und zwar nicht so sehr mit Masse, sondern mit dem „effizientesten Mercedes aller Zeiten“. Nicht ein Mega-Akku soll die Lösung sein, sondern Material und Aerodynamik. Während Konkurrenz-Modelle wie der Nio ET5 einen Stromspeicher mit 150 kWh ankündigt, bescheiden sie sich bei Mercedes mit 100 kWh. Innen jedoch soll der große Unterschied warten: Mit den Erkenntnissen aus Formel 1 und Formel E setzen die Schwaben auf eine neue Zellstruktur, bessere Chemie und eine Verpackung aus Karbon statt Aluminium.

Am Ende steht ein Akku, der laut Daimler mit der Hälfte an Bauraum auskommt – und einem Drittel weniger Gewicht. Geeignet auch für die nächste Generation des Kleinwagens EQA. Die Batterie soll den 150 kW starken Motor auf maximal Tempo 140 bringen. Und das mit „Effizienz auf einem völlig neuen Niveau“, heißt es. Den Durchschnittsverbrauch je 100 Kilometer gibt Daimler mit 10 kWh an. Das ist weniger als bei aktuellen Kleinstwagen – und nur etwa halb so viel wie beim EQS.

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Einen Teil dieser Effizienz sieht man dem Auto an. Der silberne Prototyp gilt mit einem cw-Wert von 0,17 als strömungsgünstigstes Serienauto der Welt. Besonders fällt das lange Heck mit der betont späten Abrisskante auf – ergänzt um einen ausfahrbaren Bodenspoiler. Vieles aber versteckt sich unter der windschlüpfigen Hülle. So verspricht Mercedes geringes Gewicht durch Teile aus dem 3D-Drucker, ein rein elektrisches Fahrwerk sowie Solar-Paneele im Dach für 25 Kilometer Extra-Reichweite – vor allem aber einen Rekord-Wirkungsgrad. An den Rädern sollen 95 Prozent der Energie aus der Batterie ankommen.

Quelle: Mercedes-Benz – Pressemitteilung vom 3. Januar 2022

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Jürgen Baumann:

Das Thema Akku ist noch lange nicht ausgereizt. Bisher wurden erst ca. 5% aller denkbaren Materialpaarungen systematisch untersucht (Quelle ETH Zürich). Ausserdem kann man die Entwicklung der letzten 5 Jahre sinngemäss für einen „elevator pitch“ so zusammenfassen:
1% weniger Kosten, 1% weniger Gewicht, 1% mehr Kapazität, 1% mehr Zyklusstabilität – pro Monat (Quelle: Lars Thomson – Future matters).
Das können sich dann auch einfache Geister wie CEO’s leichter merken.

Bodo Panitzki:

Was siehst Du da denn? Wenn das Auto Elemente von einem Taycan hat, sieht eine Boeing 747 aus wie ein A 380. Und die beiden haben nichts gemeinsam, außer dass sie beide fliegen können.
Und: Kann man ein hässlicheres Heck bauen? Grauenvoll.

Daniel W.:

Man muss ja nicht gleich vom Extremfall ausgehen.

Selbst bei 25 km Radius, vermutlich 50 bis 75 km pro Fahrt und 2 Fahrten pro Tag könnte man eine Batterie mit 150 km Reichweite nehmen und einmal am Tag laden, dann wären es bei 5.000 Ladezyklen alle ca. 125 km etwa 625.000 km und 5.000 Tage (ca. 13,7 Jahre).

Batteriegröße ca. 27,4 kWh brutto (24 kWh netto). Bei einem Verbrauch von 16 (11,5) kWh auf 100 km etwa 150 km (innerorts ca. 200 km) Reichweite.

Peter:

Das sehe ich wie gesagt anders. Wenn man sich am 25km-Radius orientiert und im Extremfall (!!!) auch eine 25km-Akkukapazität kauft, dann folgt auf jede 25km-Fahrt ein Akku-Lade-Zyklus. Gehen wir für den Akku mal von 5000 Lade-Zyklen aus, dann ist nach 5000 Fahrten quasi Ende (natürlich nicht ganz, weil Degradation ja nicht 0/1 verläuft, aber es wird hoffentlich klar, woraus ich hinaus will).

Philipp:

150kWh im Kleinwagen sehe ich wirklich nicht. Kleinwagen haben einen Tagesradius von <200km und sind wirklich so gut wie nie Langstrecke. Und da jeder Euro 2 mal umgedreht wird und jedes Kubikzentimeterchen extra genutzt wird, sehe ich auch keinen Grund hier irgendetwas zu viel zu haben. Vielleicht als Extra, aber ich bezweifle dass dies viele wollen.

Echt jetzt, mit einem Panda >500km fahren ist eine Qual. Meiner kam damals mit einer Tankfüllung auch nur 300km weit und das war voll ok.

brainDotExe:

Dann hat dem aber noch niemand german overengineering beigebracht ;)

Ich empfehle den YouTube Kanal „Alte Schule – die goldene Ära des Automobils“.

David:

Das sieht auch Mercedes so. Sie zeigen ja Autos für das Premiumsegment und hier eine Vision für Fahrzeuge der nächsten Jahre, also geht es zweifach nicht um aktuelle Brot- und Butterfahrzeuge.

Wolfbrecht Gösebert:

„Eine Batteriekapazität am durchschnittlichen Alltag auszurichten, […]“

… würde für Millionen von Pendlern also weniger als 40 km bedeuten …
Wenn wir dann mal großzügig das 10-Fache davon zugrundelegen, wären wir unter 400 km – ein effizientes Fahrzeug fährt das ökonomisch mit weniger als 50 kWh! Und schnelles Nachladen bringt gleich nochmal an die 300 km! So what?

Das würde ich mal Rightsizing nennen … :P

Olli:

„Rightsizing“ – jeder sollte sich schon vor dem Kauf überlegen, wieviel Auto für die eigenen Ansprüche ausreichen. Wenn ich 99% der Fahrten im 25km-Radius absolviere sollte die Frage erlaubt sein, warum es unbedingt für die besagte eine Urlaubsfahrt im Jahr zum Gardasee ein großer Wagen mit 100KW Batterie sein muss: das ist ein Luxus, den wir uns – als Gesellschaft, nicht persönlich finanziell – heutzutage nicht mehr leisten können.

Peter:

Bei „weg vom Vebrenner“ und bei Pedelecs sind wir uns einig. Bei „Stadtwagen“ mit wenig kWh nicht. Wenn es für jede Teilfunktion ein separates Produkt gibt, werden es in Summe nur mehr Produkte. Auch Lieferdienste & Co. profitieren von größeren Akkus.

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