ADAC-Test zeigt: Wo Wallboxen sicher sind – und wo nicht

ADAC-Test zeigt: Wo Wallboxen sicher sind – und wo nicht
Copyright:

ADAC/Ralph Wagner | Test Wallboxen für Geschäftswagen /
ADAC Technik Zentrum Landsberg

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Eichrechtskonforme Wallboxen gewinnen an Bedeutung, weil sie eine präzise Erfassung der geladenen Strommengen ermöglichen. Das betrifft Situationen, in denen steuerliche Nachweise erforderlich sind oder ein Dienstwagen zu Hause geladen wird. Auch in Wohnanlagen, in denen mehrere Nutzer:innen eine Ladeeinrichtung verwenden, sorgt eine exakte Messung für Klarheit. Vor diesem Hintergrund wurden zwölf Modelle vom ADAC untersucht, die speziell für solche Anforderungen entwickelt wurden. Die Prüfungen konzentrierten sich auf Sicherheit, Bedienbarkeit, Funktionsumfang und den Umgang mit sensiblen Daten.

Zu Beginn der Auswertung stand die grundlegende Funktionalität im Mittelpunkt. Die getesteten Wallboxen absolvierten die elektrische Sicherheitsprüfung ohne Auffälligkeiten und arbeiteten im praktischen Einsatz zuverlässig. Mehr als 900 einzelne Ladevorgänge mit verschiedenen E-Autos führten zu keinem einzigen Abbruch. Damit bestätigte sich, dass die Basistechnik bei allen Modellen auf stabilem Niveau liegt. Unterschiede zeigten sich erst in der Detailbetrachtung, insbesondere bei der Ausstattung, der Nutzerfreundlichkeit und den digitalen Schnittstellen.

ADAC

Die Keba KeContact P40, die mit der Gesamtnote 1,6 bewertet wurde, setzte sich im Test an die Spitze. Sie kombiniert eine unkomplizierte Bedienung mit einer Ausstattung, die im Alltag wenige Fragen offenlässt, wie der ADAC urteilt. Die App erweise sich als leicht zugänglich, und das durchdachte Kabelmanagement mit eigener Steckergarage erleichtert den Umgang im täglichen Einsatz. Diese Gesamtkonstellation aus Preis, Funktion und Komfort führte dazu, dass die Wallbox im Ranking den vordersten Platz einnahm.

Unmittelbar danach folgen zwei Modelle, die auf unterschiedliche technische Konzepte setzen, aber mit derselben Bewertung abschlossen: die ABB Terra AC und die Charge Amps Dawn Professional DE. Die ABB setzt auf ein Display, das Nutzer:innen zentrale Ladeinformationen direkt an der Wallbox anzeigt. Die Dawn Professional DE verfolgt einen anderen Ansatz und stellt sämtliche Daten ausschließlich über eine App bereit. Beide Systeme überzeugten in der Praxis, unterschieden sich jedoch beim Energiebedarf im Standby-Modus. Während die Charge-Amps-Wallbox mit 3,6 Watt besonders sparsam arbeitet, liegt die ABB Terra AC mit 5,7 Watt höher. Der Vergleich verdeutlicht, wie unterschiedlich Hersteller den Energieverbrauch im Ruhezustand interpretieren und umsetzen.

Wenn gute Ladeleistung von Sicherheitslücken überschattet wird

Deutlich kritischer verlief der Test für die DaheimLader Business von New Inergy. Während die Wallbox beim Laden selbst keine Probleme zeigte, traten gravierende Sicherheitslücken auf. Die Prüfenden konnten an der Hardware Passwörter und WLAN-Zugangsdaten auslesen. Weitere Tests offenbarten zusätzliche Schwachstellen, die sogar den Zugriff auf das Backend des Herstellers ermöglichten. Diese Befunde führten zu einer deutlichen Abwertung und schließlich zur Gesamtnote 5,0, womit die Wallbox im Ranking auf den letzten Platz rutschte.

Der Hersteller reagierte eigenen Angaben zufolge schnell: Die Wallbox wurde vorübergehend aus dem Verkauf genommen, Software-Updates wurden bereitgestellt und betroffene Kunden informiert. Auch wenn dieser Umgang als professionell beschrieben wurde, änderte dies am Testergebnis nichts. Die Sicherheitsrisiken standen im Vordergrund, und der zusätzlich hohe Standby-Verbrauch von 7,8 Watt verschlechterte den Gesamteindruck weiter.

ADAC/Ralph Wagner | Test Wallboxen für Geschäftswagen / ADAC Technik Zentrum Landsberg

Parallel zu den Bewertungen gibt die Untersuchung Hinweise, welche Funktionen beim Kauf einer eichrechtskonformen Wallbox besonders hilfreich sein können. Eine Exportfunktion für Ladedaten erleichtert Abrechnungen erheblich, insbesondere bei Dienstwagen oder gemeinschaftlich genutzten Installationen. Ebenso kann eine stabile Netzwerkanbindung über LAN, WLAN oder Mobilfunk den Komfort steigern, da sich Einstellungen und Informationen bequem aus der Ferne abrufen lassen. Ein gut gelöstes Kabelmanagement bleibt zudem ein praktischer Vorteil im Alltag, da es die Handhabung übersichtlicher macht und Unordnung vorbeugt.

Der vollständige Vergleich der Modelle zeigt insgesamt, dass die grundlegende technische Zuverlässigkeit bei allen geprüften Wallboxen gegeben ist. Die relevanten Unterschiede entstehen heute eher im digitalen Umfeld, bei der Bedienbarkeit und im Niveau der Datensicherheit.

Quelle: ADAC – Pressemitteilung per Mail


Update vom 11.12.2025 – 13:15 Uhr / Stellungnahme von DaheimLaden.de

DaheimLaden.de hat in einer Stellungnahme die im ADAC-Test aufgezeigten IT-Sicherheitshinweise bestätigt und beschreibt, dass die betroffene Firmware unmittelbar nach der Meldung überarbeitet wurde. Laut Unternehmen handelte es sich um insgesamt 25 Geräte einer einzelnen Produktionscharge, deren Software innerhalb von 24 Stunden aktualisiert wurde. Die identifizierten Schwachstellen betrafen eine auslesbare Auslieferungs-PIN über Bluetooth sowie einen Zugriff auf den Update-Server, jedoch nicht das zentrale Backend-System der Wallbox. Personenbezogene Daten seien zu keiner Zeit gefährdet gewesen.

Den Standby-Verbrauch ordnet DaheimLaden mit dem Hinweis ein, dass sich dieser durch den automatischen Wechsel in den Standby-Modus von 7,8 auf 5,3 Watt reduziere und damit im Bereich anderer getesteter Modelle liege. Parallel hat DaheimLaden.de zusätzliche Maßnahmen zur dauerhaften Stärkung der IT-Sicherheitsarchitektur angekündigt. Dazu gehören erweiterte Verschlüsselungen, Systemhärtungen, intensiveres Monitoring und die regelmäßige Einbindung externer Sicherheitsexperten.

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Ladepark-Betreiber: Schnellladen allein reicht nicht mehr

Ladepark-Betreiber: Schnellladen allein reicht nicht mehr

Daniel Krenzer  —  

Electra und HomE of Mobility erklären am Ladepark Wertheim nahe Würzburg, warum neben Ladeleistung und Preis auch Aufenthaltsqualität immer wichtiger wird.

Schnelllader treiben den Ladeinfrastruktur-Ausbau voran

Schnelllader treiben den Ladeinfrastruktur-Ausbau voran

Arun Niemann  —  

Cirrantic-Zahlen zeigen, dass der Ausbau sich stärker zu Schnellladern verlagert. AC-Ladepunkte bleiben zahlenmäßig vorn, werden aber deutlich seltener genutzt.

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Wirelane-Chef Schwaab: Wie Monopole den Ladehochlauf bremsen

Sebastian Henßler  —  

Warum echter Wettbewerb zwischen Anbietern die Ladepreise senken kann und welche drei Wachstumshebel Wirelane für die kommenden Jahre fest einplant.

Dynamische Tarife: Wer viel Last verschiebt, profitiert

Dynamische Tarife: Wer viel Last verschiebt, profitiert

Sebastian Henßler  —  

Wer viel Last verschieben kann, spart deutlich mehr Geld, erklärt Octopus Energy. Wie Wärmepumpe, E-Auto und Speicher dynamische Tarife lohnenswert machen.

Chargepoint-CEO Wilmer: Europa soll zum Kernmarkt werden

Chargepoint-CEO Wilmer: Europa soll zum Kernmarkt werden

Sebastian Henßler  —  

Chargepoint startet die Auslieferung seiner neuen Ladeplattform Anfang 2027, zunächst in Deutschland, Großbritannien, Frankreich sowie in den Niederlanden.

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

BYD-Megawattladen: Debatte um Bedarf in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Reicht ein Netz aus 300 bis 400 Kilowatt starken Ladepunkten, oder braucht der Massenmarkt künftig Megawatt-Laden für Elektroautos in Deutschland?

Dieses E-Auto erzeugt mehr Strom, als es zum Fahren braucht

Dieses E-Auto erzeugt mehr Strom, als es zum Fahren braucht

Michael Neißendorfer  —  

Kann ein Elektroauto mehr Energie erzeugen, als es während des alltäglichen Fahrens verbraucht? Das „Ja“ bei diesem mit BMW entwickelten Prototyp ist eindeutig.