VW plant Leasingmodell für gebrauchte Elektroautos

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Immer mehr Elektroautos landen nach dem ersten Leasing-Zeitraum wieder beim Hersteller. Doch was dann passiert, ist bisher unklar. Die Idee, gebrauchte Stromer erneut zu verleasen, hat sich bisher kaum durchgesetzt. Zwar steigt die Zahl der verfügbaren Autos, doch das Interesse an entsprechenden Leasingmodellen bleibt gering, wie die Automobilwoche berichtet. Volkswagen verfolgt einen neuen Ansatz. Der Konzern will nicht mehr nur Autos verkaufen, sondern sie mehrfach vermarkten. So sollen Elektroautos erst neu verleast, später als Gebrauchtwagen erneut angeboten und auch im dritten Schritt noch einmal genutzt werden. Die Hoffnung: Zusätzliche Einnahmen über den gesamten Lebenszyklus eines Autos hinweg.

Im Idealfall bleiben diese Autos durchgehend in den Händen der VW-eigenen Leasinggesellschaft. Das Ziel ist klar definiert: 80 Prozent aller neu zugelassenen E-Modelle der Konzernmarken sollen direkt über die eigene Finanzierung laufen. Das erklärte kürzlich Verena Roth, die für den Vertrieb von VW Leasing in Deutschland zuständig ist. Bei gebrauchten E-Autos sollen es später immerhin 60 Prozent werden – unabhängig vom Antrieb. Der Markt zeigt sich davon bisher unbeeindruckt. Der Anteil von Leasing bei gebrauchten Autos liegt insgesamt laut DAT gerade einmal bei zwei Prozent. Zwar ist das eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr, doch das Niveau bleibt niedrig. Auch Elektroautos sind davon nicht ausgenommen.

Häufig scheitert es nicht an der Technik. Käufer:innen gebrauchter Autos äußern in Umfragen andere Gründe für ihre Zurückhaltung. Über zwei Drittel lehnen Leasing grundsätzlich ab. Rund 35 Prozent geben an, ein Auto lieber zu besitzen. Weitere 34 Prozent haben generell kein Interesse am Leasingmodell – unabhängig von der Antriebsart. Trotzdem wächst das Angebot. Immer mehr Leasingverträge für neue E-Autos laufen aus. Die Rückläufer werden für einen zweiten Einsatz vorbereitet. VW nennt dabei konkret den ID.3, der Ende 2020 auf den Markt kam. Mittlerweile kommen die ersten Fahrzeuge zurück. Für den Konzern ergibt sich damit die Möglichkeit, das Modell erneut anzubieten – diesmal als Gebrauchter im Leasing.

Die technischen Voraussetzungen haben sich verbessert. Lange Zeit war die Dauer von Leasingverträgen auf maximal 64 Monate beschränkt. Inzwischen erlaubt VW auch längere Laufzeiten von bis zu 102 Monaten. Das bietet neue Spielräume für Anbieter und Kund:innen. Wer sich heute für ein gebrauchtes Elektroauto interessiert, könnte es künftig flexibler und günstiger nutzen als bisher. In internen Auswertungen registriert VW bereits ein deutliches Wachstum. Im Privatkundensegment sei die Zahl neu abgeschlossener Leasingverträge für gebrauchte Autos im vergangenen Jahr um fast 90 Prozent gestiegen, so Roth. Dennoch bleibt die Gesamtlage schwierig. Die Marktstruktur ist neu, die Modelle jung, die Erfahrungen begrenzt.

Händler könnten vom Wandel profitieren. Wenn Kunden ihre Leasingautos beim Vertragspartner zurückgeben und anschließend ein neues Angebot erhalten, entstehen neue Kontaktpunkte. Laut Roth stärkt das die Bindung – nicht nur an das Autohaus, sondern auch an die Marke. Kunden, die früher nach Ablauf eines Leasingvertrags zur freien Werkstatt wechselten, bleiben dem System nun eher treu. Für VW ist das mehr als nur ein Nebeneffekt. Die Umstellung des Geschäftsmodells basiert auf der Idee, mit einem Auto mehrmals Erlöse zu generieren. Entscheidend wird sein, ob sich das Leasingkonzept in der Breite durchsetzen lässt – nicht nur bei Neuwagen, sondern auch in den nächsten Lebensphasen eines Autos.

Quelle: Automobilwoche – Gebrauchte E-Autos: Warum VW unbedingt mehr Leasing durchsetzen will

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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