Nachhaltigkeit spielt angesichts des beschleunigten Klimawandels eine immer größere Rolle im Alltag und der Entscheidungsfindung von Unternehmen, nicht zuletzt aufgrund politischer Vorgaben. Die Europäische Union ist eine der Instanzen, die Grenzen setzt und Richtlinien schafft, wobei das Thema Recycling für das Erreichen von Klimazielen zentral ist. Doch längst nicht alles kann heutzutage recycelt werden. Genau da setzt Circular Design an, wobei Produkte so entworfen werden, dass ihre Materialien im Kreislauf wiederverwendet werden können, auch über die Lebensdauer des Produktes hinaus.
Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) hat ein Gespräch veröffentlicht zwischen Sabrina Schreiner und Anna Krüger. Gemeinsam leiten sie das Research Department „Application and Demonstration“ des Fraunhofer Cluster of Excellence Circular Plastics Economy. Sabrina Schreiner ist außerdem Gruppenleiterin für User-Centered Technology am Fraunhofer-Institut UMSICHT, während Anna Krüger als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Polymer Engineering am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie arbeitet.
In ihrem Gespräch erklären sie, wie Produktentwicklung und -design nach Maßstäben des Circular Design aussehen sollten und wie Polymertechnik zu nachhaltiger Materialauswahl beitragen kann.
Handlungsdruck durch politische Vorgaben
Die EU verschärft seit Jahren kontinuierlich, welche Anforderungen Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit erfüllen müssen. Der Handlungsdruck, sagt Schreiner, sei definitiv gestiegen. „Wer Kreislauffähigkeit erst am Ende der Produktentwicklung betrachtet, wird künftig Schwierigkeiten bekommen. Sie sollte von Beginn an integrativer Bestandteil des Design-, Entwicklungs- und Entscheidungsprozesses sein, nicht nur ein Add-on, damit Mehrwert und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen können“, erklärt sie weiter.
Das Fraunhofer-Institut betrachte Produkte ganzheitlich, ergänzt Krüger: „Von der Auswahl und Entwicklung der Materialien und Verarbeitungsprozesse bis hin zur Nutzung und dem Recycling. So entstehen Lösungen, die sowohl regulatorischen Anforderungen als auch den Erwartungen des Marktes gerecht werden.“
Beim Circular Design gehe es darum, so Schreiner, Produkte so zu gestalten, dass sie repariert, demontiert und hochwertig recycelt werden können. „Die entscheidenden Weichen werden gestellt, lange bevor ein Produkt überhaupt auf den Markt kommt.“ Dabei muss von Anfang an mitgedacht und auf Materialauswahl, Konstruktion und Recyclingfähigkeit geachtet werden. Das sei noch kein selbstverständlicher Teil des Produktentwicklungsalltags, so Schreiner. Daher wünsche sie sich, dass Circular Design genauso selbstverständlich betrachtet wird, wie Qualität, Sicherheit und Kosten.
Mono- vs. Multimaterial: Chancen und Grenzen
Das Recycling sei in der Kreislaufwirtschaft unverzichtbar, so Krüger, jedoch können Produkte, die nicht für die Wiederverwendung entwickelt wurden, auch nur bedingt recycelt werden. Eine Lösung dafür kann die Transformation von Multimaterial zu Monomaterial bieten. Dabei werden beispielsweise Verpackungen nicht aus verschiedenen Plastiksorten hergestellt, sondern aus einer Sorte, sodass sie später leichter aussortiert und recycelt werden kann.
Die Nutzung von Monomaterial bietet eine Lösung, muss aber trotzdem differenziert betrachtet werden: „Ein Kernpunkt unseres Monomaterial-Ansatzes liegt in der Betrachtung der technischen Anforderungen, um darauf aufbauend das passende Basis-Polymer und die daraus entwickelten Baukastensteine der Morphologien auszuwählen“, erklärt Krüger.
Das klingt kompliziert. Um sich etwas darunter vorstellen zu können, entwickelt das Fraunhofer Institut daher Beispielprodukte, „wie zum Beispiel unseren Kindersitz oder die zirkuläre Mehrweg-Transportbox“, erzählt Krüger. „Sie machen Forschung greifbar und zeigen Unternehmen, wie neue Materialien, Designs und Fertigungsansätze in der Praxis funktionieren können.“ Diese Beispielprodukte zeigten zudem, wo Potenziale und Grenzen neuer Konzepte liegen, so Schreiner.
Ein bekanntes Beispiel für ein Produkt, das nach Maßstäben der Kreislaufwirtschaft entworfen wurde, ist das Fairphone. Auch in der Automobilindustrie wird Recycling immer wichtiger. Während wiederverwertete Materialien beispielsweise in der Innenausstattung bereits länger zum Einsatz kommen, ist eine andere Komponente mit deutlich mehr Schwierigkeiten verbunden: der Akku. Batterierecycling wird daher viel erforscht.
Quelle: Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik – Pressemitteilung vom 25. August 2026









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