Volker Fröse über die Zukunft der E-Mobilität in der Schweiz

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Volker Fröse

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volker Fröse war mein Gast im aktuellen Podcast, wir haben uns über die E-Mobilität in der Schweiz unterhalten. Volker ist seit über 20 Jahren in diesem Bereich tätig und hat maßgeblich an der Entwicklung der Roadmap Elektromobilität in der Schweiz mitgewirkt. Nach seiner langjährigen Tätigkeit beim Bundesamt für Straßen in Bern arbeitet er inzwischen selbstständig im Umfeld der Elektromobilität. Er erzählte mir, dass die Roadmap Elektromobilität ursprünglich aus einer Initiative hervorging, die auf einem Treffen von Branchenvertreter:innen mit der damaligen Bundesrätin Doris Leuthardt entstand.

Die Idee war, innerhalb eines Jahres Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität in der Schweiz zu entwickeln – und das ohne staatliche Förderung. „Wir hatten ursprünglich das Ziel, zehn Unternehmen zu finden, die sich verpflichten, Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität zu ergreifen“, so Volker. „Am Ende waren es über 50 Unternehmen mit mehr als 60 Maßnahmen.“ Inzwischen befindet sich die Roadmap in der zweiten Phase, die bis 2025 einen Anteil von 50 Prozent an Neuzulassungen für E-Autos anstrebt – ein ambitioniertes Ziel, das derzeit bei 30 Prozent liegt. Eine dritte Phase ist bereits in Planung, die ab 2026 auch den Schwer- und öffentlichen Verkehr einbeziehen wird.

Natürlich haben wir auch die Herausforderungen diskutiert, die es auf dem Weg zu diesem Ziel zu bewältigen gibt. Ein großes Thema ist das E-Autoangebot. Gerade im mittleren und unteren Preissegment fehlen noch Modelle, die für die breite Masse erschwinglich sind. In der Schweiz, einem Land mit tendenziell höherem Wohlstand, ist dies weniger ein Problem als in Deutschland, aber dennoch ein Faktor. Die Ladeinfrastruktur hingegen scheint sehr gut ausgebaut zu sein. Volker betonte: „Wenn du durch die Schweiz fährst, hast du ein Nullproblem mit der Ladeinfrastruktur.“ Das Land hat stark in Schnellladestationen investiert und damit eine Dichte erreicht, die deutlich über den Anforderungen der EU liegt.

Ein weiteres spannendes Thema war die Akzeptanz von E-Mobilität in der Schweiz. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es hier kaum Diskussionen über Alternativen wie E-Fuels oder Wasserstoff. „Wasserstoff wird hier maximal als Übergangstechnologie angesehen“, meinte Volker dazu. Auch die emotionale Debatte, die in Deutschland häufig geführt wird, scheint in der Schweiz weniger stark ausgeprägt zu sein. Hier geht es mehr um Zahlen, Daten und Fakten. Dennoch gibt es, ähnlich wie in anderen Ländern, immer noch Vorbehalte in der Bevölkerung, besonders hinsichtlich der Reichweite der Fahrzeuge.

Zum Schluss des Gesprächs hat Volker noch seinen eigenen Podcast erwähnt, DieEMobilisten, in dem er gemeinsam mit seinem Kollegen Julian auf humorvolle Weise über Erlebnisse mit Elektroautos berichtet und Anekdoten erzählt. Wer sich für das Thema interessiert, sollte dort auf jeden Fall einmal hineinhören. Nun aber genug der Vorworte lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Läubli:

Sehr gerne… es war ja nur meine Ansicht als BEV-Fahrer in der Schweiz. Das kann sein, dass die Gruppe 3 kommen wird, aber das dauert noch, da bin ich mir sicher. Das kann ich life erleben: mein Bruder ist so einer der Gruppe 3 (ich pflege ein sehr gutes Verhältnis mit ihm) und fährt Audi RS4 und RS3… er findet es zwar toll, ab und zu mit meinem Tesla M3P zu fahren, aber nur wegen der Beschleunigung. Er würde sich aber „niemals“ ein Auto ohne Motorensound kaufen, er liebt die Powergeräusche seiner „Performancekombis“ über alles – er ist kein Poser, sondern ein Geschäftsführer einer grösseren Firma und ein rücksichtsvoller, sozialer Typ – aber geniesst den Sound nach Art eines Walter Röhrl, auch dieser Mann wird man in seinem Leben nicht mehr umstimmen können, er hält von einem BEV relativ wenig.
Nun, ich denke so ab 2040, wenn es denn kaum mehr starke Verbrenner gibt, kommt diese Gruppe dann auch „zu uns“… aber zuvor werden die sich weigern und ja nicht auf ein BEV einlassen wollen.

Volker Fröse:

Herzlichen Dank für das tolle Feedback. Ich glaube, die Gruppe 3 müssen wir gar nicht so intensiv bearbeiten – die kommen dann schon. Viel wichtiger finde ich die Gruppe 2 möglichst bald zu gewinnen, um die kritische Masse von 50% Neuzulassungen zu überschreiten. Ich bin mir immer noch sicher, dass wir dieses Ziel per Ende 2025 erreichen können.

Volker Fröse:

Die Ladestationen zu Hause sind tatsächlich ein enorm wichtiges Thema und leider gibt es immer noch viele Liegenschaften, in denen eine Ladestation nicht möglich ist (technisch) oder der Vermieter nicht will. Aber es werden immer mehr Liegenschaften ausgerüstet. Ich selbst habe einige Monate keine Ladestation zu hause gehabt und via Supermarkt, Supercharger oder andere öffentliche Ladestationen geladen. War lange nicht so günstig wie zu Hause, aber immer noch günstiger als ein Verbrenner.

Stefan:

Ich glaube, Herr Fröse hat ein wichtiges Thema vergessen. Ladestationen zuhause in der Tiefgarage oder am Parkplatz auf der Strasse, denn nicht alle Mieter haben einen Parkplatz. Überhaupt ist es für Mieter ein grosses Problem, denn die Eigentümer wollen nicht in ein teures System zur Steuerung der Ladestationen investieren. Ohne Lademöglichkeit zuhause schrecken viele davor zurück, ein E Auto anzuschaffen. Hier in Dübendorf gibt es zudem kaum günstige Ladestationen… Wer will schon 60+ Rappen pro kWh zahlen…

Läubli:

Volker hat da nicht unrecht… es gibt in der Schweiz eigentlich drei Gruppen, die man in Verbindung mit der E-Mobilität erwähnen kann:

1. Die oft gut gebildeten Menschen wie Lehrer, Mediziner, aber auch Künstler, Philosophen, IT-Spezialisten, Firmenchefs/Inhaber legen Wert auf Oekologie und deren Schutz im Alltag. Da fahren viele schon jahrelang elektrisch. In der Schweiz war das Tesla Model S schon lange stark verbreitet und geschätzt. Jetzt sieht man ab und zu auch VW’s oder selten e-trons. BMW ist ebenfalls stark am Kommen bei dieser Kundengruppe.

2. Die „Wilden“ Bergbauern, Menschen auf dem Land oder in den Bergen. Die sehen oft die Vorteile eines BEV nicht und haben Angst, sowas neues mit anscheinend schlechter Reichweite und eingeschränkter Transport und Geländegängigkeit auszuprobieren. Für diese Gruppe sind die BEV-Preise auch absurd hoch, sie vergleichen es mit Pick-Ups von Toyota, Off-Roader von Suzuki, Nissan, Toyota, Subaru und Dacia. Da gibt es noch kaum ein BEV, der da den Verbrennern Paroli bieten könnte – auch vom Preis her.

3. Da sind noch die Poser, die Autofahrer, die nicht auf Emotionen durch Motorengeräusche verzichten WOLLEN, das sind die Hauptgegner und lautesten Verachter der E-Antriebe. Jene verleugnen heute noch die viel besseren Beschleunigungs und Elastizitätswerte der Elektromotoren und können es nicht wahrhaben, dass der Verbrenner veraltet und im Aufbau viel zu aufwändig sowie in der Wartung viel zu anfällig für Schäden und Probleme ist. Sie verteufeln die E-Mobilität auf grösste. Sie weigern sich auch oft, Probefahrten mit Elektroautos zu machen und wollen sich nicht versuchen damit. Sie geben der E-Mobilität keine Chance.

Nun, hauptsächlich diese Puristen der Gruppe 3 werden wir in der Schweiz noch «nachbearbeiten» müssen, was aber nicht einfach sein wird, denn sie finden z.Bs. auch ein Hyundai Ioniq 5N nur ein überflüssiges Spielzeig für «Lehrer». Die Gruppe 2 werden wir gewinnen können, sobald es genügend solche Fahrzeuge gibt.

Bei der Ladesäulendichte der Schweiz können sich wahrlich noch viele Länder ein Beispiel nehmem… in der Schweiz mit einem BEV unterwegs zu sein, ist sehr leicht, man hat überall quasi um die Ecke einen Schnelllader.

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