Chipengpass: Europas Industrie in Alarmbereitschaft

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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In Europas Automobilindustrie wächst die Sorge vor einer neuen Chipkrise. Nur wenige Jahre nach den Lieferengpässen der Corona-Zeit droht erneut Stillstand in den Werken – diesmal ausgelöst durch politische Spannungen zwischen den Niederlanden und China. Im Mittelpunkt steht der Halbleiterhersteller Nexperia, dessen Eigentümerstruktur und Exportbeschränkungen die Produktion vieler Zulieferer und Autobauer gefährden könnten, wie die FAZ berichtet.

Das Unternehmen mit Sitz in Nijmegen war ursprünglich Teil des Philips-Konzerns, gehört inzwischen aber zum chinesischen Technologiekonzern Wingtech. Vor rund zwei Wochen übernahm die niederländische Regierung die Kontrolle über Nexperia, nachdem sie Unregelmäßigkeiten im Management vermutete und einen Abzug von Technologie nach China befürchtete. Nur wenige Tage später reagierte Peking mit Exportverboten für in China produzierte Nexperia-Chips. Seitdem laufen bei großen Konzernen wie BMW und Volkswagen Krisenstäbe an, um die Lage zu bewerten und mögliche Gegenmaßnahmen zu planen.

Die Chipvorräte in den Lagern reichen nach Schätzungen von Branchenkennern noch vier bis sechs Wochen. Sollte sich die Situation bis dahin nicht entspannen, droht erneut eine Priorisierung der Produktion, wie sie bereits 2020 und 2021 praktiziert wurde. „Die aktuelle Entwicklung ist ein ernstes Signal für die globale Industrie“, warnt Wolfgang Weber, Vorsitzender des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie. Es drohe Stillstand in weiten Teilen der weltweiten Automobilproduktion. Auch der europäische Herstellerverband ACEA zeigte sich „zutiefst besorgt über mögliche erhebliche Störungen“, sollte die Lieferkette von Nexperia unterbrochen bleiben.

Auslieferungsstopp von Nexperia stellt Automobilindustrie vor Probleme

Nexperia produziert Millionen sogenannter Standardchips, die in nahezu jedem Auto verbaut sind. Sie steuern Airbags, Lichtsysteme, Sensoren und Infotainmentmodule – Bauteile, die für den sicheren Betrieb unverzichtbar sind. Ein Austausch der Komponenten durch alternative Lieferanten ist zwar technisch möglich, erfordert aber Genehmigungsverfahren, die laut ACEA mehrere Monate dauern können. In der Folge droht ein Rückstau, der sich über ganze Produktionsketten ausbreitet.

In Deutschland ist der Standort Hamburg besonders bedeutend. Nach früheren Angaben des Unternehmens werden dort rund zehn Prozent der weltweiten Chips gefertigt. Auch dieses Werk ist eng mit chinesischen Einheiten verknüpft. Die Vereinigten Staaten hatten den Mutterkonzern Wingtech bereits Ende vergangenen Jahres wegen Sicherheitsbedenken auf eine schwarze Liste gesetzt, was die Situation zusätzlich verschärft.

Die Autoindustrie hat aus der letzten Chipkrise gelernt. Damals wurden verfügbare Halbleiter gezielt in Modelle mit hoher Marge eingebaut, während andere Ausstattungsoptionen gestrichen wurden. Eine ähnliche Vorgehensweise wird auch jetzt wieder erwogen. Aus BMW-Kreisen heißt es, der Krisenstab prüfe, dem neuen Elektroauto iX3 aus der sogenannten Neuen Klasse Vorrang zu geben, während bei älteren Modellen bestimmte Extras entfallen könnten. Offiziell bestätigt das Unternehmen lediglich, dass man „über die Entwicklungen bei Nexperia informiert“ sei und die Lage „fortlaufend bewertet“.

Auch bei Volkswagen, Mercedes und großen Zulieferern herrscht Zurückhaltung. Alle betonen, in engem Austausch mit Partnern zu stehen, um Versorgungsrisiken frühzeitig zu erkennen. Noch ist die Lage nicht so dramatisch wie während der ersten Halbleiter-Krise, da die von Nexperia hergestellten Chips technisch einfacher aufgebaut und prinzipiell leichter ersetzbar sind. Sollte die Branche jedoch gleichzeitig auf alternative Quellen ausweichen, könnten Engpässe und Preissteigerungen die Folge sein.

Die Bundesregierung verfolgt die Entwicklungen in Den Haag aufmerksam. Man stehe in „engem Austausch mit den niederländischen Partnern“, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Zugleich setze man sich gegenüber China für die Interessen deutscher Abnehmer ein. Seit Jahren bemüht sich Europa, die eigene Halbleiterproduktion zu stärken, um die Abhängigkeit von Asien zu verringern. Der geplante Intel-Standort in Magdeburg gilt dabei als zentrales Projekt, kommt aber trotz zugesagter milliardenschwerer Förderung nur schleppend voran.

Mit der kürzlich verabschiedeten Mikroelektronikstrategie will die Bundesregierung den Ausbau moderner Chipfertigung in Europa weiter fördern. Gleichzeitig sieht sie die Industrie in der Verantwortung, ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten.

Quelle: FAZ – Der Autobranche drohen Produktionsstopps

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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