VDA bekennt sich zu klimaneutraler Mobilität bis 2050, die „alle Technologien“ einschließen sollte

VDA bekennt sich zu klimaneutraler Mobilität bis 2050, die „alle Technologien“ einschließen sollte
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1841911729

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Die deutsche Automobilindustrie will klimaneutrale Mobilität im Einklang mit den Pariser Klimaschutzabkommen spätestens 2050 erreicht haben. Dazu werden „alle Technologien“ gebraucht, wie Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) mitteilt. „Die deutsche Automobilindustrie nimmt die Herausforderung des Klimaschutzes an“, so Müller. Die deutsche Automobilindustrie könne mit Innovationen und neuen Technologien einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In diesem Sinne will der Verband wir einen konkreten Umsetzungsplan, die VDA-Klimastrategie 2050, erarbeiten, um die Ziele noch schneller auf die Straße zu bringen.

Der schnelle Hochlauf der Elektromobilität habe für den VDA „bis 2030 klare Priorität, vor allem bei PKWs und leichten Nutzfahrzeugen“, so die VDA-Präsidentin. Um das Ziel eines komplett klimaneutralen Verkehrs 2050 zu erreichen, müssen aber „auch alternative Antriebe und Kraftstoffe wie Wasserstoff und E-Fuels Teil der Lösung sein“, erklärt Müller: „Diese Technologien können einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz im Verkehr leisten, weil sie die CO2-Emissionen im Fahrzeugbestand verringern und beim Ausstieg aus den fossilen Energien eine gute Ergänzung der Elektromobilität sind.“

Eine Entscheidung über die Verschärfung von Klimazielen und Flottengrenzwerten sollte nur nach einer sorgfältigen Folgenabschätzung getroffen werden, fordert die VDA-Präsidentin. Dabei seien „alle relevanten Technologien und alle sozialen und ökonomischen Auswirkungen“ so zu berücksichtigen, dass die Automobilindustrie „auch in Zukunft Wohlstand und Beschäftigung für viele Menschen“ in Deutschland schaffen könne.

„Klimaneutrale Mobilität kann nur durch gemeinsame Anstrengungen von Industrie, Staat und Gesellschaft erreicht werden. Wir alle müssen dazu beitragen, jetzt schnell und europaweit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Klimaziele erreicht werden können.“ – Hildegard Müller, VDA-Präsidentin

Zentral sei es, nun „attraktive Rahmenbedingungen“ zu schaffen, wie vor allem der „beschleunigte Aufbau einer europaweit flächendeckenden Ladeinfrastruktur“. Aber auch „alternative Kraftstoffe aus nachhaltigen Ressourcen“ sollten unterstützt werden, damit sie ihren Beitrag zum klimaneutralen Verkehr 2050 leisten können. „In Deutschland und Europa müssen dafür jetzt die Weichen gestellt und Förderungen auf den Weg gebracht werden“, so Müller weiter. Denn es würden alle Technologien gebraucht, um das Ziel klimaneutrale Mobilität 2050 zu erreichen, so die VDA-Präsidentin.

Die Unternehmen der Branche haben dabei unterschiedliche Strategien und setzen jeweils eigene Schwerpunkte. Das sei „gut für den Standort Deutschland, denn Wettbewerb und das Ringen um die bessere Idee und den größten Erfolg haben die deutsche Industrie stark gemacht“, so Müller, „allen voran die Automobilindustrie. In diesem Sinne verfolgen wir technologieoffen alle Optionen, die zum Ziel führen.“

Die deutsche Automobilindustrie erwarte jetzt „einen schnellen Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur für E-Mobilität – und zwar in ganz Europa“, erklärt die VDA-Präsidentin. Zahl und Leistung der Ladesäulen, die bisher bereitstehen, „reichen bei weitem nicht aus“ für das, was sich der VDA als Ziel gesetzt habe. Das gelte für PKW, aber auch für LKWs. Die Infrastruktur müsse „das Ziel erreichbar machen“.

VDA beharrt auf Alternativen zu batterie-elektrischer Mobilität

Der moderne Verbrennungsmotor werde „weiterhin eine große Bedeutung für die Erreichung der Klimaziele haben“, führt Müller weiter aus. Die Automobilindustrie wolle „auch mit dieser Antriebsart Mobilität anbieten, weil es dafür auch in Zukunft einen großen Bedarf gibt“. Deshalb seien klimaneutrale Kraftstoffe „von immenser Bedeutung und brauchen mehr Investitionen“.

Die Dekarbonisierung des Verkehrs werde nur gelingen, wenn beide Wege parallel beschritten werden: „Moderne E-Mobilität mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen und klimafreundliche Verbrennungsantriebe mit sparsamen Motoren, mit synthetischen Kraftstoffen und Wasserstoff, die aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden“, so Müller. „Beide Antriebsarten haben Zukunft“. Wenn Deutschland seine die Klimaziele bis 2050 erreichen wolle, gebe es zu dieser Doppelstrategie „keine Alternative“.

Der Erfolg der Einhaltung der Klimaziele hänge aber auch an Voraussetzungen, die die Autoindustrie alleine nicht schaffen könne. Dazu gehöre etwa „der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien und die Verfügbarkeit in allen Regionen Deutschlands“. Die Verantwortung hierfür liege beim Bund, bei den Ländern und Kommunen und bei der Energiewirtschaft. Diese sollten nun „schnell eine flächendeckende Ladeinfrastruktur in Deutschland“ und den richtigen Energiemix bereitstellen, in Deutschland und in ganz Europa. „Autos und LKW müssen überall in Europa Strom und Kraftstoffe aus nachhaltigen Quellen tanken können. Sonst nützen auch die besten Fahrzeuge nichts“, so die VDA-Präsidentin.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 28.10.2020

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Bosch-Betriebsrat fordert Taskforce für Autoindustrie

Sebastian Henßler  —  

Nach den Protesten bei Mercedes-Benz fordert Bosch eine Taskforce. Auch beim Volkswagen-Konzern sollen laut IG Metall Beschäftigtenaktionen folgen.

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Krankenstand bei Automobilzulieferern auf Rekordniveau

Daniel Krenzer  —  

Bei Automobilzulieferern steigt der Krankenstand laut AOK auf 8,94 Prozent. Besonders psychische Fehlzeiten nehmen demnach zu.