Stellantis will in Indien erschwingliche E-Autos für Europa fertigen

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Sebastian Henßler
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Stellantis ist zu dem Schluss gekommen, dass derzeit keine erschwinglichen Elektrofahrzeuge in Europa hergestellt werden können. Aus diesem Grund prüfe man eine kostengünstigere Produktion in Märkten wie Indien, so der Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares gegenüber Reuters.

Wenn Indien mit seiner kostengünstigen Zuliefererbasis in der Lage ist, die Qualitäts- und Kostenziele des Unternehmens bis Ende 2023 zu erreichen, könnte dies die Tür für den Export von Elektrofahrzeugen in andere Märkte öffnen, so Tavares weiter. Er führt aus: „Bislang ist Europa nicht in der Lage, erschwingliche Elektroautos herzustellen. Die große Chance für Indien bestünde darin, Elektro-Kleinwagen zu einem erschwinglichen Preis zu verkaufen und so die Rentabilität zu sichern.“ Für Stellantis ein sicherlich interessantes Gedankenspiel, sei man eigener Aussage nach von erschwinglichen Batterie-Elektroautos noch fünf bis sechs Jahre entfernt.

Tavares‘ mögliche Wette auf Indien kommt, nachdem sich die amerikanischen Autohersteller Ford und General Motors aus dem viertgrößten Automarkt der Welt zurückgezogen haben, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, Geld zu verdienen und die Dominanz der japanischen Suzuki Motor Corp und der südkoreanischen Hyundai Motor zu brechen, wie Reuters zu berichten weiß. Wobei der Ansatz von Stellantis wohl von dem der amerikanischen Wettbewerber abweicht. Man wolle E-Autos dort fertigen und exportieren, nicht gezwungenermaßen auf dem dortigen Markt verkaufen.

Für Stellantis wäre Indien aber auch ein wichtiger Verbündeter, um die Geschäfte in China neu auszurichten. „Es gibt eine wachsende Spannung zwischen China und der westlichen Welt. Das wird sich auf das Geschäft auswirken. Die Macht, die am besten in der Lage ist, diese Chance zu nutzen, ist offensichtlich Indien“, so Tavares. Indien, wo Stellantis seine Marken Jeep und Citroen vertreibt, macht nur einen Bruchteil des weltweiten Absatzes des Automobilherstellers aus, aber Tavares sagte, dass das Unternehmen nicht auf Volumen aus sei und stattdessen langsam und profitabel hochfahren wolle. Tavares hat bereits gesagt, dass er davon ausgeht, dass sich die Umsätze in dem südasiatischen Land bis 2030 mehr als verdoppeln und die operativen Gewinnmargen in den nächsten Jahren zweistellig sein werden.

2023 sei geplant, dass Stellantis ein erstes E-Auto in Indien auf den Markt bringen wird. Es wird sich hierbei um ein Elektromodell des Kompaktwagens Citroen C3 handeln. Stellantis stellt bereits seine eigenen Elektromotoren und Batteriepakete her und plant auch die Herstellung von Batteriezellen. Auch in Indien will Tavares die Komponenten für Elektroautos, einschließlich der Batterien, vor Ort beschaffen, um bei Kosten und Preisen wettbewerbsfähig zu sein.

„Die Zollgebühren für die Einfuhr eines Autos in Indien sind enorm hoch. Das heißt, wenn man ein erschwingliches Elektroauto haben will, muss es in Indien mit indischen Zulieferern und Komponenten hergestellt werden“, sagte er und fügte hinzu, dass das Unternehmen mindestens 90 % der Teile vor Ort beschaffen müsse, um wettbewerbsfähig zu sein. Zum Ende stellt er deutlich klar „Elektromobilität ist heute vor allem ein Problem der Erschwinglichkeit. Es geht nicht um Technologie.“

Quelle: Reuters – Stellantis looks to India for affordable EVs for Europe

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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