Sieben große Irrtümer – Elektroautos im Faktencheck

Sieben große Irrtümer – Elektroautos im Faktencheck
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Volkswagen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 7 min

Teuer, gefährlich, unkalkulierbar: Gegenüber Elektroautos gibt es viele Vorbehalte. Volkswagen stellt in einem aktuellen Beitrag sieben davon auf den Prüfstand – und hält mit Fakten dagegen.

Irrtum 1: „E-Autos sind doch genauso schädlich für die Umwelt“

Ein Blick auf die CO2-Bilanz zeigt: Elektroautos sind selbst mit dem durchschnittlichen EU-Strommix umwelt- und klimaschonender als vergleichbare Diesel-, Hybrid- oder Benzinfahrzeuge. Zu diesem Ergebnis kommen zahlreiche aktuelle Studien unabhängiger Wissenschaftler und Organisation – unter anderem vom Fraunhofer Institut, von Agora Verkehrswende und vom Bundesumweltamt.

In der Vergangenheit wurden zudem die CO2-Emissionen aus der Batteriezellfertigung häufig zu hoch angesetzt. Unter anderem hat die von E-Auto-Gegnern häufig zitierte „Schweden-Studie“ des schwedischen Umweltinstituts IVL ihre Annahmen vor kurzem aktualisiert und drastisch nach unten korrigiert. Der CO2-Ausstoß bei der Produktion der Batterien sei demnach nur halb groß wie früher angenommen. Unter dem Strich ist das Elektroauto die beste Wahl für mehr Klimaschutz im Autoverkehr.

Natürlich ist der Klimaschutzvorteil von E-Autos am höchsten, wenn sowohl die Produktion der Batteriezellen als auch der Strom fürs Laden aus regenerativen Energien stammt. Volkswagen geht deshalb einen Schritt weiter und macht mit dem ID.3 erstmals ein Auto bilanziell CO2-neutral. Unter anderem werden die Batteriezellen mit Grünstrom gefertigt, auch das Werk Zwickau bezieht Grünstrom. Nach dem gleichen Prinzip wird auch der ID.4 aus Zwickau auf Klimaneutralität getrimmt. Die ID. Familie wird damit zu einem Vorreiter für nachhaltige Mobilität.

Irrtum 2: „Nur Besserverdiener können sich ein E-Auto leisten“

In der Vergangenheit kosteten Elektroautos deutlich mehr als vergleichbare Benziner oder Diesel. Nun aber wendet sich das Blatt bei vielen Herstellern, bei VW etwa mit der Einführung des ID.3: Erstmals ist das Elektroauto nun auch bei den Kosten voll konkurrenzfähig und kann mit vergleichbaren Verbrennern mithalten. Dank der neuen Umweltprämie in Deutschland können E-Auto-Fahrer im Vergleich mit dem Verbrenner jetzt sogar deutlich sparen. Der Preis spricht nicht mehr gegen, sondern für das E-Auto.

Ein Rechenbeispiel mit dem Volkswagen ID.3 verdeutlicht den Preisvorteil: Das Basismodell kostet weniger als 30.000 Euro. Davon abzuziehen ist der maximale Umweltbonus in Höhe von 6570 Euro. Der Anschaffungspreis für die Basisversion des ID.3 liegt also bei unter 23.430 Euro. Er ist damit deutlich günstiger als vergleichbare Verbrenner wie der Benziner Golf Life 1,5l TSI mit 130 PS (26.640 Euro) und der Diesel Golf Life 2,0l TDI mit 115 PS (28.105 Euro). Selbst ein ID.3 mit der mittelgroßen Batterie und 420 Kilometern Reichweite kostet nach Abzug der Umweltprämie weniger als 28.430 Euro und liegt damit auf Diesel-Niveau.

Hinzu kommt: In der Nutzungsphase sparen Fahrer von Kompaktwagen wie dem ID.3 weitere 70 Euro im Monat im Vergleich zu Verbrennern. Unter anderem sorgen die geringeren Energiekosten, die nicht zu zahlende Kfz-Steuer und bessere Versicherungsklasse für den spürbaren Preisvorteil. Auch beim Restwert müssen sich ID.3 Besitzer keine Sorgen machen: Dieser dürfte auf ähnlichem Niveau liegen wie bei Verbrennern. Schon heute zeigt sich am Gebrauchtwagenmarkt eine steigende Nachfrage nach alltagstauglichen Batteriefahrzeugen. Zusätzliche Absicherung bietet die Batteriegarantie über acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer. Unter dem Strich schneidet der ID.3 bei den Gesamtkosten je nach Modellvariante genauso gut oder sogar besser ab als ein vergleichbarer Verbrenner.

Irrtum 3: „Die Batterien gehen zu schnell kaputt und können nicht entsorgt werden“

Grundsätzlich sind die Batterien von Elektroautos auf ein ganzes Autoleben ausgelegt. Für acht Jahre oder 160.000 Kilometer garantieren die meisten Hersteller, darunter auch VW, eine Mindestkapazität der Batterie von 70 Prozent – unabhängig vom Ladeverhalten. Dafür wird eine Menge getan: Die Batterien werden aktiv gekühlt beziehungsweise gewärmt, das Batterie-Managementsystem balanciert zudem die einzelnen Zellen aus. So arbeitet die Batterie immer im bestmöglichen Betriebsbereich.

Ist die Lebensdauer irgendwann doch überschritten, kommt eine Batterie keineswegs als Sondermüll auf eine Deponie, sondern wird recycelt. In Salzgitter eröffnet Volkswagen in diesem Jahr die erste Pilotanlage für das Batterie-Recycling. Das Ziel: wertvolle Rohstoffe in die Prozesskette der Herstellung zurückführen. Dazu gehören vor allem Nickel, Mangan, Kobalt und Lithium. 1.200 Tonnen sollen hier zunächst pro Jahr recycelt werden – das entspricht 3.000 Fahrzeugbatterien. Eine weitere Kapazitätserhöhung für die Jahre danach ist angedacht.

Irrtum 4: „E-Autos sind nur was für kurze Strecken“

Dass Elektroautos auf langen Strecken an ihre Grenzen stoßen, ist Geschichte. Die neuen E-Modelle besitzen deutlich größere Akkus und damit auch größere Reichweiten, beim ID.3 etwa von bis zu 550 Kilometern. Auch die Schnellladefähigkeit der E-Fahrzeuge wird immer besser: Sie laden in immer kürzerer Zeit immer größere Mengen Strom. War beim e-Golf bislang bei 50 kW Ladeleistung Schluss, so kann der ID.3 bereits mit 100 kW laden – also doppelt so schnell. Innerhalb von 30 Minuten lädt er Strom für rund 290 Kilometer nach. Zur Einordnung: Für den ADAC gilt ein Elektroauto als langstreckentauglich, wenn es in 30 Minuten Energie für 200 Kilometer laden kann.

Genauso wichtig wie die Ladeleistung ist das immer engere Netz an Schnellladestationen. Volkswagen beteiligt sich über IONITY am Aufbau von europaweit 400 Schnellladeparks. Alle 120 Kilometer soll in Zukunft ein IONITY-Park stehen. Auch andere Anbieter wollen ihre Netze in den kommenden Jahren stark ausbauen. Insgesamt sind in Europa derzeit mehr als 2200 neue Schnellladeparks in Planung. Als Elektroauto-Fahrer muss man künftig also nicht mehr nach der nächsten Lademöglichkeit suchen – sie ist immer schon in der Nähe.

Irrtum 5: „Man kann E-Autos ja so gut wie nirgendwo laden“

Deutschlandweit wird die Ladeinfrastruktur immer besser. Die Anzahl der Ladestationen für Elektroautos ist von rund 6700 im ersten Quartal 2018 auf rund 24.000 im Frühjahr 2020 gestiegen. Dabei befinden sich mit fast 25 Prozent die meisten der Ladestationen auf Parkplätzen und in -häusern. Auch an die Versorgung auf Autobahnen ist gedacht: Allein IONITY – ein Joint Venture der deutschen Autobauer – baut entlang Europas Autobahnen derzeit alle 120 Kilometer eine High-Power-Charging-Station auf. Bis Ende 2020 sollen insgesamt 400 Stationen installiert sein.

Zugegeben, in Deutschland gibt es viele unterschiedliche Ladesäulenbetreiber. Um dort zu laden, benötigen Nutzer aber nicht zwingend für jeden Anbieter eine eigene Ladekarte oder jeweils eine separate App. Es geht viel einfacher: Mit nur einer Ladekarte – wie zum Beispiel der We Charge Karte von Volkswagen – kann man an den verschiedensten Ladesäulen einfach und unkompliziert laden. Europaweit können Ladekarten zum Teil an deutlich mehr als 100.000 Ladepunkten genutzt werden – und das Ladenetz wird stetig erweitert. Zusätzlich wird die We Charge App von VW einen Ladestationsfinder bieten. Laden wird also immer entspannter.

Irrtum 6: „E-Autos brennen leicht und können nicht gelöscht werden“

Die angebliche Brandgefahr von Elektroautos geistert immer wieder durch die Öffentlichkeit. In der Regel wird dabei suggeriert, dass E-Autos besonders leicht Feuer fangen. Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, rückt diese Meldungen zurecht: „E-Autos brennen weder heftiger noch häufiger als Benziner oder Diesel, nur anders.“ Auch Tests des ADAC haben wiederholt gezeigt, dass das Risiko eines Brandes bei E-Autos genauso gering ist wie bei Verbrennern. Der Deutsche Feuerwehrverband schreibt in seiner aktuellen Empfehlung: „Von zertifizierten Elektrofahrzeugen gehen weitgehend vergleichbare Gefahren aus, wie von Fahrzeugen mit anderen Antriebsarten (Kraftstoff, Gas). Auch Brandversuche haben gezeigt, dass die Brandleistung unter Fahrzeugen einer Generation und Größe unabhängig von der Antriebsart vergleichbar ist.“ Im Brandfall können Batterien zudem mit Wasser gelöscht werden.

Beim ID.3 werden sowohl die Brandgefahr als auch das Stromschlag-Risiko durch spezielle Sicherheitssysteme minimiert. Bei einem Unfall wird der Stromfluss der Batterie sofort unterbrochen. Das Batteriesystem des ID.3 wird durch einen speziellen Crashrahmen geschützt. Erstmals gibt es bei Volkswagen zudem einen vollflächig verkleideten, soliden Unterbodenschutz.

Irrtum 7: „Es gibt nicht genügend Rohstoffe und der Abbau schadet Mensch und Umwelt“

Die Lithium-Ionen-Batterie ist das Herz eines Elektroautos. Zur Herstellung werden Kobalt und Lithium benötigt. Der Bedarf an diesen zwei Rohstoffen steigt stetig: Allein die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos könnte laut der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) bis 2025 um bis zu 33 Prozent zunehmen.

Dennoch: Eine zeitnahe Rohstoffknappheit ist unwahrscheinlich. Experten gehen davon aus, dass die weltweiten Reserven für etwa 150 Jahre reichen werden. Gleichzeitig arbeitet Volkswagen an drei Lösungen, um eine verlässliche Lieferkette auch in ferner Zukunft zu gewährleisten. Zum einen werden neue Lagerstätten erschlossen. Zum anderen werden Akkus effizienter. Die Energiedichte der Lithium-Ionen-Akkus steigt und Wissenschaftler erforschen andere Materialien, die ähnlich leitfähig sind. Auch an kobaltfreien Batteriezellen wird gearbeitet. Der dritte Lösungsansatz ist das Recycling der Akkus. So können Materialien zurückgewonnen und neu verwertet werden.

Eine nachhaltige Gewinnung der Rohstoffe ist wichtig für Mensch und Umwelt. Um das weitestgehend zu gewährleisten, verpflichtet Volkswagen seine Lieferanten, strenge Nachhaltigkeitsstandards einzuhalten. Um das zu kontrollieren, wurde ein Nachhaltigkeits-Rating eingeführt, um etwa Risiken bei Menschenrechten, Umweltschutz und Korruption frühzeitig zu erkennen und auszuschließen. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, verliert im Ernstfall den Auftrag.

Quelle: Volkswagen — Pressemitteilung vom 11.03.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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