Rimac-Technik im Dienste des Kunstflugs

Rimac-Technik im Dienste des Kunstflugs
Copyright:

Rimac

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Ein Güterzug, 120 km/h schnell, ein Containerdach als Landefläche und ein Zeitfenster von 50 Sekunden: Mit diesem Szenario stellte sich Dario Costa vor wenigen Tagen einer Aufgabe, für die es kein historisches Vorbild gab. Auf einer 2,5 Kilometer langen Bahnstrecke in Afyonkarahisar in der Türkei setzte der Red-Bull-Pilot sein Flugzeug auf einem fahrenden Zug auf und startete anschließend wieder. Nach Angaben der Projektbeteiligten war es die erste Landung und der erste Start eines Flugzeugs auf und von einem bewegten Zug.

Die äußeren Bedingungen ließen kaum Spielraum. Der Anflug erfolgte mit rund 87 km/h, also nahe der Geschwindigkeit, bei der ein Strömungsabriss droht. Gleichzeitig erzeugte der Zug erhebliche Luftverwirbelungen, die das Flugzeug destabilisieren konnten. Hinzu kam eine optische Herausforderung: Durch die Relativbewegung von Zug und Flugzeug veränderte sich das Erscheinungsbild der Landefläche kontinuierlich. Perspektivische Effekte führten dazu, dass das Ziel im Endanflug zeitweise schwer einzuschätzen war. Innerhalb von 50 Sekunden musste Costa aufsetzen, abbremsen, erneut beschleunigen und abheben.

Rimac Nevera und Nevera R als Übungsfeld für Rekordflug

Ein solches Manöver lässt sich nicht im Simulator vollständig abbilden. Entsprechend aufwendig war die Vorbereitung. Costa arbeitete im Vorfeld mit dem kroatischen Hersteller Rimac zusammen. Auf dem Flughafen von Pula in Kroatien wurde ein dreitägiges Testprogramm durchgeführt, bei dem zwei Hochleistungsautos, der Nevera R und der Nevera, als bewegliche Referenzplattformen dienten.

Die E-Autos fuhren mit Geschwindigkeiten, die dem späteren Anflug entsprachen. Für den Piloten entstand so eine realitätsnahe Trainingsumgebung mit einem exakt steuerbaren, sich bewegenden Ziel. Geübt wurden vor allem die Synchronisierung von Tempo, die präzise Einschätzung von Abständen sowie das Timing von Steuerimpulsen. Das Training zielte darauf ab, die kognitiven und motorischen Anforderungen eines nahezu „blinden“ Anflugs auf ein bewegtes Objekt zu verinnerlichen.

Mate Rimac, Gründer und Präsident der Rimac Group sowie CEO von Bugatti Rimac und Rimac Technology, beschreibt die Ausgangssituation als Neuland: „Dario musste etwas trainieren, das zuvor noch nie durchgeführt worden war. Das bedeutete, dass es weder eine etablierte Methode noch eine bestehende Lösung gab.“ Die E-Autos hätten einen beweglichen, hochpräzisen Referenzpunkt geliefert. In einem Projekt ohne etablierte Trainingsmethodik sei es entscheidend gewesen, technische Mittel einzusetzen, die Geschwindigkeit und Genauigkeit reproduzierbar ermöglichen.

Rimac nimmt Einfluss auf Flugzeugentwicklung

Die Zusammenarbeit ging über die Bereitstellung der Autos hinaus. Ingenieure von Rimac entwickelten für Costa einen individuell angepassten Sitz. Grundlage war die Expertise des Unternehmens in Verbundwerkstoffen und ergonomischer Auslegung, wie sie auch bei der Entwicklung der Nevera-Modelle zum Einsatz kommt. Da der Raum im Cockpit stark begrenzt ist, wurde der Sitz vollständig neu konstruiert und exakt an die Körperform des Piloten angepasst.

Im Mittelpunkt standen Stabilität und eine möglichst direkte Rückmeldung bei Steuerbewegungen. Ziel war es, Ermüdung zu reduzieren und die Kontrolle in extremen Fluglagen zu verbessern. In einem Umfeld, in dem Entscheidungen in Sekundenbruchteilen umgesetzt werden müssen, beeinflusst die Sitzergonomie die Präzision der Eingaben unmittelbar. Nach Angaben der Beteiligten handelt es sich um die erste Anwendung einer derart spezifischen Sitzentwicklung in einem Rennflugzeug.

Parallel dazu unterstützen Rimac-Ingenieure Costa bei der aerodynamischen Optimierung der Cockpitkanzel. Mithilfe von Strömungssimulationen analysieren sie Luftführung und Widerstandsverhalten. Diese technische Begleitung soll auch bei künftigen Projekten fortgeführt werden.

Quelle: Rimac – Pressemitteilung

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Rimac Automobili

Rimac: Exklusive Nevera R Founder’s Edition

Rimac: Exklusive Nevera R Founder’s Edition

Maria Glaser  —  

Rimac Automobili hat Details zu der neuen Nevera R Founder’s Edition bekannt gegeben, die es als streng limitierte Auflage von nur zehn Exemplaren geben wird.

Bugatti hält an Hybridtechnologie fest

Bugatti hält an Hybridtechnologie fest

Maria Glaser  —  

Der CEO der Marke, die sich auf Luxus- und Hochleistungsfahrzeuge spezialisiert, sieht keine elektrische Zukunft für Bugattis Hypercars.

Rimac: Feststoffbatterien bleiben bis 2035 Nischenlösung

Rimac: Feststoffbatterien bleiben bis 2035 Nischenlösung

Sebastian Henßler  —  

Rimac setzt auf Feststoffbatterien: Erste Prototypen ab 2028, kleine Serie ab 2030 – Kostenparität mit NMC-Technologie erwartet das Unternehmen erst 2035.

Rimac Technology zeigt Weg zur Batterie der Zukunft

Rimac Technology zeigt Weg zur Batterie der Zukunft

Sebastian Henßler  —  

Rimac Technology zeigt auf der IAA eine Festkörper-Plattform. Ziel: mehr Energiedichte, weniger Gewicht, höhere Sicherheit – mit ProLogium und Mitsubishi.

E-Auto Rimac Nevera R holt Weltrekord von 0 bis 400 km/h zurück

E-Auto Rimac Nevera R holt Weltrekord von 0 bis 400 km/h zurück

Daniel Krenzer  —  

Zudem pulverisierte das noch sportlicher getrimmte Elektroauto sämtliche Rekorde des „normalen“ Rimac Nevera.

Hybrid-Sportwagen Bugatti Tourbillon von Rimac Technology ausgestattet

Hybrid-Sportwagen Bugatti Tourbillon von Rimac Technology ausgestattet

Maria Glaser  —  

Rimac hat das elektrische Set-Up für den Bugatti Tourbillon entwickelt und weitere Informationen zu dem Hypersportwagen veröffentlicht.