Ein Güterzug, 120 km/h schnell, ein Containerdach als Landefläche und ein Zeitfenster von 50 Sekunden: Mit diesem Szenario stellte sich Dario Costa vor wenigen Tagen einer Aufgabe, für die es kein historisches Vorbild gab. Auf einer 2,5 Kilometer langen Bahnstrecke in Afyonkarahisar in der Türkei setzte der Red-Bull-Pilot sein Flugzeug auf einem fahrenden Zug auf und startete anschließend wieder. Nach Angaben der Projektbeteiligten war es die erste Landung und der erste Start eines Flugzeugs auf und von einem bewegten Zug.
Die äußeren Bedingungen ließen kaum Spielraum. Der Anflug erfolgte mit rund 87 km/h, also nahe der Geschwindigkeit, bei der ein Strömungsabriss droht. Gleichzeitig erzeugte der Zug erhebliche Luftverwirbelungen, die das Flugzeug destabilisieren konnten. Hinzu kam eine optische Herausforderung: Durch die Relativbewegung von Zug und Flugzeug veränderte sich das Erscheinungsbild der Landefläche kontinuierlich. Perspektivische Effekte führten dazu, dass das Ziel im Endanflug zeitweise schwer einzuschätzen war. Innerhalb von 50 Sekunden musste Costa aufsetzen, abbremsen, erneut beschleunigen und abheben.
Rimac Nevera und Nevera R als Übungsfeld für Rekordflug
Ein solches Manöver lässt sich nicht im Simulator vollständig abbilden. Entsprechend aufwendig war die Vorbereitung. Costa arbeitete im Vorfeld mit dem kroatischen Hersteller Rimac zusammen. Auf dem Flughafen von Pula in Kroatien wurde ein dreitägiges Testprogramm durchgeführt, bei dem zwei Hochleistungsautos, der Nevera R und der Nevera, als bewegliche Referenzplattformen dienten.
Die E-Autos fuhren mit Geschwindigkeiten, die dem späteren Anflug entsprachen. Für den Piloten entstand so eine realitätsnahe Trainingsumgebung mit einem exakt steuerbaren, sich bewegenden Ziel. Geübt wurden vor allem die Synchronisierung von Tempo, die präzise Einschätzung von Abständen sowie das Timing von Steuerimpulsen. Das Training zielte darauf ab, die kognitiven und motorischen Anforderungen eines nahezu „blinden“ Anflugs auf ein bewegtes Objekt zu verinnerlichen.
Mate Rimac, Gründer und Präsident der Rimac Group sowie CEO von Bugatti Rimac und Rimac Technology, beschreibt die Ausgangssituation als Neuland: „Dario musste etwas trainieren, das zuvor noch nie durchgeführt worden war. Das bedeutete, dass es weder eine etablierte Methode noch eine bestehende Lösung gab.“ Die E-Autos hätten einen beweglichen, hochpräzisen Referenzpunkt geliefert. In einem Projekt ohne etablierte Trainingsmethodik sei es entscheidend gewesen, technische Mittel einzusetzen, die Geschwindigkeit und Genauigkeit reproduzierbar ermöglichen.
Rimac nimmt Einfluss auf Flugzeugentwicklung
Die Zusammenarbeit ging über die Bereitstellung der Autos hinaus. Ingenieure von Rimac entwickelten für Costa einen individuell angepassten Sitz. Grundlage war die Expertise des Unternehmens in Verbundwerkstoffen und ergonomischer Auslegung, wie sie auch bei der Entwicklung der Nevera-Modelle zum Einsatz kommt. Da der Raum im Cockpit stark begrenzt ist, wurde der Sitz vollständig neu konstruiert und exakt an die Körperform des Piloten angepasst.
Im Mittelpunkt standen Stabilität und eine möglichst direkte Rückmeldung bei Steuerbewegungen. Ziel war es, Ermüdung zu reduzieren und die Kontrolle in extremen Fluglagen zu verbessern. In einem Umfeld, in dem Entscheidungen in Sekundenbruchteilen umgesetzt werden müssen, beeinflusst die Sitzergonomie die Präzision der Eingaben unmittelbar. Nach Angaben der Beteiligten handelt es sich um die erste Anwendung einer derart spezifischen Sitzentwicklung in einem Rennflugzeug.
Parallel dazu unterstützen Rimac-Ingenieure Costa bei der aerodynamischen Optimierung der Cockpitkanzel. Mithilfe von Strömungssimulationen analysieren sie Luftführung und Widerstandsverhalten. Diese technische Begleitung soll auch bei künftigen Projekten fortgeführt werden.
Quelle: Rimac – Pressemitteilung








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