Ein Müllfahrzeug, das aus alten Fischernetzen, Windkraftanlagen-Abfällen und recyceltem Stahl besteht – und dabei selbst der Abfallentsorgung dient: Das Konzeptfahrzeug „reECONIC“ soll zeigen, wie weit eine konsequente Kreislaufwirtschaft im Nutzfahrzeugbereich heute schon reichen kann. Entwickelt wurde das batterieelektrische Abfallsammelfahrzeug von einer Allianz aus 33 Partnern rund um Mercedes-Benz Trucks, den Müllfahrzeugspezialisten Faun Umwelttechnik und das Recyclingunternehmen TSR Group. Basis ist der Mercedes-Benz eEconic, ausgestattet mit dem neuen Faun reNew VARIOPRESS Aufbau.
Hinter dem Projekt steckt ein klarer Anspruch: nicht nur den Antrieb zu elektrifizieren, sondern auch die Materialien selbst in einen geschlossenen Kreislauf zu überführen. Theoretisch, so zeigen die Berechnungen der Partner, ließen sich rund 80 Prozent der im Serien-eEconic verwendeten Hauptmaterialien – Stahl, Aluminium, Glas und Kunststoff – durch Recycling– sowie Natur- und biobasierte Materialien ersetzen. Diese Hauptmaterialgruppen machen im Serienfahrzeug zusammen 6,5 Tonnen aus. TÜV SÜD hat die Werte und die zugrundeliegende Methodik bestätigt.
Bis zu 41 Prozent weniger CO₂e in der Herstellung
Die Konsequenz dieser Materialstrategie: Gegenüber einem konventionell produzierten Fahrzeug der eEconic-Baureihe könnten theoretisch bis zu 41 Prozent CO₂e allein in der Fahrzeugherstellung eingespart werden – ermittelt auf Basis physisch verbauter Komponenten, ergänzender Hochrechnungen und Prognosen der beteiligten Unternehmen. Achim Puchert, CEO Mercedes-Benz Trucks, beschreibt den Ansatz so: „Zum einen dekarbonisieren wir unsere Produkte konsequent. Zum anderen leisten klimaverträgliche und ressourcenschonende Produktions- und Lieferprozesse einen wesentlichen Beitrag.“
Im Fahrzeug selbst sind diese Materialentscheidungen bis ins Detail nachvollziehbar. Die Längsträger bestehen aus Flachstahl mit einem Recyclinganteil von 88 Prozent, gefertigt mit Elektrolichtbogenofen-Technologie. Der Achskörper aus Schmiedestahl erreicht sogar einen Rezyklatwert von 97 Prozent. Aluminium-Komponenten wie Fahrerhausrahmen und Batterieaufprallschutz enthalten mindestens 75 Prozent Post-Consumer-Rezyklat. Bei den Kunststoffen reicht die Palette von biobasiertem Polylactid in der Fußraumverkleidung über recyceltes Polyamid aus Teppichabfällen und alten Fischernetzen in den Sitzbezügen bis hin zu ligninbasierten Kunststoffen im Armaturenbrett. 64 Prozent der verbauten Glasflächen stammen aus recyceltem Material. Hinzu kommt ein weiterer Werkstoff, der in modernen Nutzfahrzeugen von Mercedes-Benz Trucks bislang keine Rolle spielte: Buchenholz, eingesetzt unter anderem an Fußboden, Radlaufkasten und Kotflügel.
Ein Aufbau mit nahezu vollständig recyceltem Bedienelementeträger
Auch der Faun reNew VARIOPRESS folgt diesem Konzept. Bis zu 88 Prozent des Aufbaugewichts könnten theoretisch anteilig durch recycelte Materialien abgedeckt werden. Der Bedienelementeträger besteht zu 99 Prozent aus Rezyklat, die Kotflügel zu 92 Prozent aus Recyclingkunststoffen. Malte Sonnenburg, CEO Faun Group, fasst die Haltung dahinter knapp zusammen: „Nachhaltigkeit ist kein Trend, sondern eine Haltung.“
Koordiniert wurde das Netzwerk über die gesamte Lieferkette hinweg: Allein im Bereich Kunststoff waren sieben Partner für Materiallieferungen, fünf für die Halbzeugherstellung und acht für die Komponentenfertigung beteiligt. Bernd Fleschenberg, COO der TSR Group, sieht im reECONIC einen Beleg dafür, dass „geschlossene Kreisläufe nur dann entstehen, wenn sie über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg gemeinsam gedacht und umgesetzt werden.“
Ab dem zweiten Halbjahr 2026 soll das Konzeptfahrzeug bei Remondis im Praxisalltag erprobt werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung zirkulärer Fahrzeugkonzepte einfließen – und perspektivisch auch Eingang in die Serienproduktion bei Daimler Truck finden.
Quelle: Mercedes-Benz – Pressemitteilung








Wird geladen...