Munro Mk_1: Offroad-Wunder zum Kampfpreis

Munro Mk_1: Offroad-Wunder zum Kampfpreis
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Munro Vehicles

Iris Martinz
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Der Berg ruft – und aus „Mark 1“ wird „Mk_1“: 2023 soll der vollelektrische Offroader des schottischen Herstellers Munro Vehicle kommen. Bereits 2020 unter der Bezeichnung „Mark 1“ angekündigt, biegt der Hardcore-Geländewagen nun als „Mk_1“ in die Zielgerade. Das Besondere daran: trotz Allradantrieb werkelt nur ein zentral montierter Elektromotor, und die Schotten wollen mit einem absoluten Kampfpreis für das Gelände-Monster starten.

Munro Vehicles ist nach eigenen Angaben Schottlands einziger Pkw-Serienhersteller, benannt nach jenen Bergen Schottlands, die höher als 3.000 Fuß sind, den „Munros“. Der Mk_1 wurde in Großbritannien entwickelt, konstruiert und wird nun in Schottland gebaut. Die Leistungskennzahlen sind beachtlich: 280 Kilowatt Motorleistung, 700 Newtonmeter Drehmoment, 1.000 Kilogramm Nutzlast, 3.500 Kilogramm Anhängelast, 3,3 Meter Radstand. Damit transportiert der Mk_1 bis zu fünf Personen mühelos an die unwegsamsten Orte dieser Welt, mit Gepäck bis zur Größe einer Standard-Europalette im Laderaum. Perfekt also für Bergbau, Landwirtschaft, Bauwesen oder Notfallrettung – die Zielgruppe des Munro Mk_1 ist nicht die schottische Kleinfamilie in Edinburgh. Mit 480 Millimetern Bodenfreiheit und 800 Millimetern Watttiefe sowie einem Böschungswinkel von bis zu 84 Grad ist so gut wie kein Ort unerreichbar.

Mit der 82 Kilowattstunden-Batterie fährt der Mk_1 bis zu 315 Kilometer weit – oder 16 Stunden, wie die Reichweitenangabe im Nutzfahrzeugbereich eher üblich ist. Für zivilisationsnähere Anwendungen gibt es eine kleinere Batterie mit 61 Kilowattstunden und 220 Kilowatt Motorleistung. Der Mk_1 soll Jahrzehnte laufen, weshalb die hochleistenden Lithium-NMC-Batteriemodule getauscht werden können. Geladen werden diese mit bis zu 22 Kilowatt an der Wechselstrom- und 150 Kilowatt an der Gleichstrom-Ladestelle.

Vom „Skateboard“-Chassis – je ein Elektromotor auf jeder Achse – halten die Firmengründer Russell Peterson und Ross Anderson allerdings nichts. Den Mk_1 treibt ein einzelner Axialfluss-Elektromotor an, der ein robustes und bewährtes mechanisches Allradantriebssystem bedient. „Egal wie schlau der Computer ist, man wird immer Probleme haben, wenn man einen geteilten Antriebsstrang im Fahrzeug hat„, ist Peterson überzeugt. Sobald ein Rad die Bodenhaftung verliert, bleibe daher nur noch die Kraft des anderen Motors. Deshalb bevorzugt Munro ein Konzept mit nur einem.

Der Axialfluss-Motor hätte gegenüber den in der Elektromobilität üblichen Radialfluss-Motoren enorme Gewichtsvorteile und er kann zwischen den beiden Vordersitzen untergebracht werden. Damit ist das Gewicht perfekt verteilt, was die Agilität im Geländer verbessert. Die niedrigeren Drehzahlen zwischen 5.000 und 8.000 Umdrehungen benötigen außerdem kein Untersetzungsgetriebe, was ebenfalls Gewicht spart. Das eingesparte Gewicht wird woanders gebraucht: das Chassis besteht aus fünf Millimeter dickem Stahl – mehr als dreimal so dick wie bei einem herkömmlichen Geländewagen. Der Laderaum ist mit Sperrholz ausgekleidet.

2024 siedelt Munro vom derzeitigen Hauptsitz in East Kilbride nach Zentralschottland, wo die Produktion des Mk_1 von 250 geplanten Stück für 2023 auf 2.500 Fahrzeuge pro Jahr hochskaliert wird. 300 neue Arbeitsplätze entstehen. Ein Händlernetz ist allerdings nicht angedacht, der Vertrieb erfolgt über Vertreter – ähnlich wie im landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugsektor. Wer übrigens gerne selbst an seinem Mk_1 herumschrauben will, kann das mit gutem Gewissen tun: die Garantie erlischt dadurch nicht. Die ersten Vorbestellungen der „Founders‘ Edition“ sind schon eingegangen – aus dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Dubai und St. Lucia.

Außergewöhnlich ist auch der Preis: das Offroad-Kraftpaket mit kleiner Batterie ist bereits ab ca. 58.000 Euro zu haben – exklusive Steuer. Das Topmodell „Performance“ kostet allerdings bereits 97.500 Euro.

Quelle: vision-mobility.de – Munro Mk_1: Hardcore-Stromer aus Schottland

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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