Installateure berichten von hoher Nachfrage nach bidirektionalem Laden

Installateure berichten von hoher Nachfrage nach bidirektionalem Laden
Copyright ©

Shutterstock / 2238649587

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Bidirektionales Laden ermöglicht es, Elektroautos als dezentrale Energieressourcen zu verwenden. Diese Technologie geht über die reine Transportfunktion von Autos hinaus und trägt zur Integration erneuerbarer Energien, zur Sicherstellung der Stromversorgung, zur Balance von Angebot und Nachfrage und zur Optimierung der Strominfrastruktur bei. Angesichts des wachsenden Bedarfs an Flexibilität im europäischen Energiesystem werden solche kleinteiligen, dezentralen Lösungen immer wichtiger. Und bieten hohe Erlöspotenziale für Besitzer von Elektroautos. 

EUPD Research, ein Markt- und Wirtschaftsforschungsunternehmen aus Bonn und Spezialist für Akteursbefragungen im Bereich erneuerbare Energien, hat umfangreiche Befragungen von mehr als 6000 PV-Anlagen-Besitzern und -Planern sowie mehr als 340 Installateuren von Ladestationen in Deutschland durchgeführt. Diese Umfragen bieten Einblicke in die Positionen der verschiedenen Akteure gegenüber bidirektionalem Laden und zeigen die bestehenden Herausforderungen auf.

Aus Sicht der Prosumer sind demnach die Verfügbarkeit und die Funktionalität von bidirektionalem Laden entscheidende Faktoren bei der Kaufentscheidung und Empfehlung von E-Autos und Ladestationen. Einer der Hauptgründe für die Nicht-Empfehlung eines Elektroautos oder einer Ladestation ist das Fehlen der bidirektionalen Ladefähigkeit. Darüber hinaus würden 67 Prozent der befragten Ladestationsbesitzer (sehr) wahrscheinlich eine bidirektionale Ladestation kaufen, wenn diese verfügbar wäre.

Installateure und die Nachfrage nach bidirektionalem Laden

Auch bei den Installateuren ist das Thema präsent: 28 Prozent berichten, dass sie bei jeder oder jeder zweiten Installationsanfrage auf bidirektionales Laden angesprochen werden. Zudem wünschen sich 17 Prozent der Installateure von den Herstellern mehr legislative Klarheit, eine stärkere Implementierung und niedrigere Preise für bidirektionale Ladestationen.

Nachfrage-bidirektionales-Laden-V2G
EUPD Research

Ein wesentliches Hindernis für bidirektionales Laden war bislang das Fehlen eines umfassenden regulatorischen Rahmens. Das Europäische Parlament hat 2024 wesentliche Gesetze verabschiedet, um diesen Rahmen zu schaffen. Artikel 33 der Richtlinie zur Änderung der Richtlinien (EU) 2018/2001 und 2019/944 verlangt von den Mitgliedsstaaten, regulatorische Rahmenbedingungen für intelligente und bidirektionale Ladepunkte zu schaffen. Kapitel II, Artikel 4 der Verordnung 2024/1257 legt Herstellervorgaben für Fahrzeuge mit Systemen für intelligentes und bidirektionales Laden fest. In Deutschland entwickelt sich der rechtliche Rahmen für bidirektionales Laden jedoch noch. Zwar gibt es keine ausdrücklichen Gesetze, welche die V2X-Technologie verbieten, doch konzentrieren sich die bestehenden Vorschriften hauptsächlich auf den unidirektionalen Stromfluss vom Netz zum Fahrzeug.

„Bidirektionales Laden bietet enormes Potenzial“

Es wird deutlich, dass bidirektionales Laden noch mit Herausforderungen verbunden ist, aber auch viele Chancen bietet. „Bidirektionales Laden bietet enormes Potenzial sowohl für den Einzelnen als auch für die gesamte Energiewende“, so Markus Hoehner, CEO von EUPD Research. „Unsere Studien zeigen, dass diese Technologie im Markt einen entscheidenden Differenzierungsfaktor darstellt und eine wichtige Rolle bei der Flexibilisierung des Energiesystems spielen kann. Vorher müssen aber die Hürden bei der Technologieverbreitung, den Preisen und dem rechtlichen Rahmen überwunden werden.“

Quelle: EUPD Research – Pressemitteilung vom 07.08.2024

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Ähnliche Artikel

Sungrow: Wie der chinesische Ladehersteller Europa anpackt

Sungrow: Wie der chinesische Ladehersteller Europa anpackt

Sebastian Henßler  —  

Christos Tsegkis erklärt, warum Sungrow auf offene Software, Batteriespeicher und Megawatt Charging setzt und welche Rolle Europa in der Strategie spielt.

VW ID. Polo: Weniger Touch, mehr Alltagstauglichkeit

VW ID. Polo: Weniger Touch, mehr Alltagstauglichkeit

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen reagiert auf Kritik am Touch-Zwang. Der ID. Polo bringt physische Tasten zurück und zeigt, wie künftige ID.-Innenräume aufgebaut sein sollen.

Plug-in-Hybrid aus Italien: Was kann der Alfa Romeo Tonale?

Plug-in-Hybrid aus Italien: Was kann der Alfa Romeo Tonale?

Henning Krogh  —  

Plug-in statt rein elektrisch: Warum Stellantis bei Alfa Romeo auf Hybrid setzt und was der Tonale im echten Fahralltag leisten kann, zeigt unser Test.

95,9 Prozent E-Autos: Norwegen setzt die Messlatte

95,9 Prozent E-Autos: Norwegen setzt die Messlatte

Sebastian Henßler  —  

Norwegen fährt der Elektromobilität weiter davon: 95,9 Prozent aller Neuzulassungen waren 2025 elektrisch, im Dezember lag der Anteil sogar nahe 98 Prozent.

Porsche bei 0,2 Prozent Marge: Zeitenwende in Zuffenhausen

Porsche bei 0,2 Prozent Marge: Zeitenwende in Zuffenhausen

Sebastian Henßler  —  

Michael Leiters übernimmt Porsche in einer Krise: 0,2 Prozent Marge, schwächelnde Märkte und ein Einbruch in China setzen den neuen Chef früh unter Druck.

Tesla Cybercab startet Produktion: Signal für 2026?

Tesla Cybercab startet Produktion: Signal für 2026?

Sebastian Henßler  —  

Autonome Auslieferung, Robotaxi-Netzwerk und ein neuer Produktionsansatz: Teslas Rückblick auf 2025 gibt einen Ausblick auf das Jahr 2026.