Premiummarken aus Asien tun sich in Europa traditionell schwer. Japanische Hersteller etwa haben es trotz jahrzehntelanger Präsenz nie geschafft, den deutschen Platzhirschen im gehobenen Segment ernsthaft Marktanteile abzunehmen. Genesis, die 2015 gegründete Premiummarke der Hyundai-Gruppe, will genau das erreichen und tritt seit 2021 in Europa an. Peter Kronschnabl, Geschäftsführer von Genesis Europe, erläuterte im Gespräch mit press:inform, wie die Marke diese Herausforderung angehen will und wo sie sich in einem Markt positioniert, der zunehmend auch von chinesischen Herstellern umkämpft wird.
Genesis hat in diesem Jahrzehnt konstant mehr als 200.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft, weltweit sind schätzungsweise 1,5 Millionen Fahrzeuge der Marke unterwegs. Vergangenes Jahr wurden mehr als 220.000 Einheiten zugelassen, wobei Südkorea vor den USA und dem Nahen Osten der wichtigste Markt bleibt. Bis 2030 soll der weltweite Absatz auf 350.000 Fahrzeuge steigen. Innerhalb der Hyundai-Gruppe soll Genesis dabei nicht nur zum Gesamtabsatz beitragen, sondern vor allem die Gewinnmargen des Konzerns stärken.
Entwicklung in Europa als Antwort auf gescheiterte Vorbilder
Auf die Frage, wie Genesis dort erfolgreich sein wolle, wo japanische Premiummarken kaum Fuß fassen konnten, verwies Kronschnabl auf die lokale Entwicklungsarbeit. Ein eigenes Design- und Engineering-Zentrum in Frankfurt erlaube es, „besser auf die Vorlieben dieses Verbrauchers einzugehen“. Bei der Innenraumqualität sehe sich Genesis auch im Vergleich zu deutschen Premiummarken auf höchstem Niveau.
Die etablierte Konkurrenz aus Deutschland ordnete er dabei klar ein: Audi, BMW und Mercedes dominierten das Premiumsegment in Europa und seien die „aufstrebenden Konkurrenten“ von Genesis, gemessen an Qualität, Design und technischer Kompetenz, nicht an Verkaufszahlen. Einen eigenen Weg wolle die Marke dennoch gehen, statt sich an den etablierten Playern zu orientieren.
In Europa hatte Genesis 2025 den Verkauf von Benzinfahrzeugen eingestellt und war vollständig auf Elektroautos umgestiegen. Mittlerweile hat sich diese Strategie laut Kronschnabl relativiert: Da die Elektroauto-Einführung nicht im vom Gesetzgeber gewünschten Tempo vorankomme, plant Genesis, in der zweiten Jahreshälfte 2027 Hybridlösungen und 2028 E-Autos mit Range-Extender ins Angebot aufzunehmen, mit Blick auf das Zieljahr 2035.
Vertriebsnetz wächst über mehrere Länder
Seit dem Markteintritt 2021 in Großbritannien, Deutschland und der Schweiz hat Genesis nach eigener Darstellung viel über das passende Vertriebsmodell gelernt. Statt auf ein reines Agentur- oder Direktvertriebsmodell zu setzen, hat sich laut Kronschnabl ein Händlersystem als sinnvollste Lösung erwiesen. Diese Strategie wird nun auf die zweite Welle neuer Märkte (Niederlande, Frankreich, Italien, Spanien) und die geplante dritte Welle (Portugal, Österreich, Dänemark, Polen) übertragen.

Bis 2027 soll die Zahl der Verkaufsstellen von derzeit 23 auf über 50 wachsen, die der Servicestellen bis Ende des kommenden Jahres von 65 auf über 200. Der erste Exklusivhändler eröffnete im April dieses Jahres in Amsterdam, Ende Juni folgte ein zweiter in Padua. Monatlich sollen weitere Eröffnungen hinzukommen, mit einer Mischung aus exklusiven Standorten und Einrichtungen mit eigenem Eingang und Premium-Services.
Beim Blick auf die globale Verteilung der Verkäufe, 2025 entfielen rund 40 Prozent auf Südkorea, 37 Prozent auf die USA und 23 Prozent auf den Rest der Welt, nannte Kronschnabl auch konkrete Zahlen für Europa. Von 2500 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2025 in den damals drei Märkten sind mittlerweile rund 12.000 Genesis-Fahrzeuge auf europäischen Straßen unterwegs. Bis 2030 soll sich dieses jährliche Absatzvolumen mindestens verfünffachen, auf dann 12.500 Zulassungen pro Jahr. Es gehe dabei nicht um große Stückzahlen, sondern darum, die Marke langfristig zu etablieren.
Aufmerksam statt beunruhigt gegenüber China
Zur wachsenden Konkurrenz durch chinesische Premiumangebote, von der laut Kronschnabl vor allem die Konzernschwestern Hyundai und Kia betroffen seien, äußerte er sich abwägend. Man habe großen Respekt vor dem, was chinesische Marken in den vergangenen zwei bis drei Jahren erreicht hätten, auch weil sie dieselbe Premium-Kundschaft ansprächen. „Aufmerksam“ sei dabei das richtige Wort, nicht Beunruhigung. Als Vorteil nannte er die jahrzehntelange Erfahrung des Konzerns, etablierte Marken sowie ein bewährtes Servicenetz, das auch Genesis zugutekomme.
Technologisch verwies Kronschnabl auf die 800-Volt-Architektur, mit der Hyundai und Kia als erste Volumenmarken bereits vor Mercedes und BMW an den Markt gingen, sowie auf den sportlichen Sound der Elektromodelle und die simulierte Schaltgetriebe-Erfahrung. Beide Standorte, die technischen Zentren in Südkorea und Europa, seien zuletzt massiv ausgebaut worden. Besonderen Wert legte er auf das Motorsportengagement der Marke, das Magma-Programm in der World Endurance Championship, das nach dem jüngsten Auftritt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an Sichtbarkeit gewonnen habe. Motorsport spiele für jede Premiummarke eine Rolle bei der Optimierung von Software, Hardware, elektrischen Antriebssträngen und Leistungsfähigkeit.
Eine Formel-1-Beteiligung, die einer Marke deutlich schneller globale Bekanntheit verschaffen könnte, schloss Kronschnabl nicht grundsätzlich aus, ordnete sie aber ein: Mit rund 800 Millionen Zuschauern habe die Formel 1 zwar die größte Reichweite, die WEC erreiche mit etwa 400 Millionen Zuschauern jedoch die zweitgrößte. Zudem stünden die WEC-Rennfahrzeuge den verkauften Serienmodellen deutlich näher, was den Technologietransfer erleichtere.
Gastfreundschaft als zentrales Verkaufsargument
Auf die Frage nach dem entscheidenden Kaufargument gegenüber europäischer Ingenieurskunst, japanischer Zuverlässigkeit und chinesischem Preis-Leistungs-Verhältnis nannte Kronschnabl den Umgang mit dem Kunden als Unterscheidungsmerkmal. „Gastfreundschaft“ sei das zugrundeliegende Konzept, das bei allen Konzernmarken gelte, bei Genesis jedoch auf ein höheres Niveau gehoben werde. Da Genesis deutlich kleiner sei als die deutschen Premiummarken, könne sich die Marke jedem Kunden besonders widmen. Dazu zählten eine fünfjährige Werksgarantie sowie Services wie die Abholung des Fahrzeugs von zu Hause und dessen Rückgabe nach Abschluss der Wartungsarbeiten.
Quelle: press:inform – Per Mail









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