E-Auto am Schnelllader: So viel Energie geht zwischen Ladesäule und Akku verloren

E-Auto am Schnelllader: So viel Energie geht zwischen Ladesäule und Akku verloren
Copyright:

EnBW

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Wer sein Elektroauto an einer Schnellladesäule mit Gleichstrom (DC) auflädt, kann sich über vergleichsweise geringe Energieverluste freuen – vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen. Das zeigt eine aktuelle Studie des ADAC, in der die Ladeverluste beim Schnellladen anhand von vier E-Auto-Modellen unter verschiedenen Bedingungen untersucht wurden.

Jedes Elektroauto hat technisch bedingt beim Laden Verluste. Wie eine ältere Untersuchung des ADAC zeigt, sind diese beim Laden an Wechselstrom in vielen Fällen höher als an der Schnellladesäule – aber auch nicht immer. Für die aktuelle Erhebung beim Schnellladen wurde ein 300 kW-Lader von Alpitronic genutzt, der auch in vielen öffentlichen Ladeparks eingesetzt wird. Vier Autos (Tesla Model Y, VW ID.3, Hyundai Ioniq 6 und Renault Mégane) wurden bei verschiedenen Temperaturen geladen. Dabei erfassten Sensoren, wie viel Strom aus dem Stromnetz kam und wie viel davon den Weg in die Fahrzeugbatterie fand.

Das Ergebnis: Beim Schnellladen geht in der Regel weniger Energie verloren als an der heimischen Wallbox. Aber auch an der Schnellladesäule gibt es Verluste: Der Grund ist, dass sich die Batterie in einem bestimmten Temperaturfenster befinden muss, um hohe Ladeleistungen erreichen zu können. Die Verluste hängen folglich stark von der Batterie- und Umgebungstemperatur ab: So sind bei warmer Batterie die Ladeverluste mit einem bis vier Prozent recht gering. Bei niedrigen Temperaturen und kalter Batterie steigen die Ladeverluste im Fahrzeug jedoch auf sechs bis zehn Prozent, da die kalte Batterie aufgeheizt werden muss. Diese Energie stammt aus der Ladesäule, landet aber nicht in der Batterie – der Kunde bezahlt sie dennoch.

Wird die Batteriekonditionierung bereits während der Fahrt zur Ladesäule durchgeführt, fallen zwar beim Ladevorgang weniger Verluste an, da die benötigte Energie schon vorher aus der Batterie entnommen wurde. Der Energieaufwand für die Batterieheizung bleibt am Ende jedoch der gleiche, egal ob vor oder während des Ladevorgangs.

ADAC

Nach Ansicht des ADAC sollten die Hersteller die Ladeverluste den Verbrauchern für die verschiedenen Lademöglichkeiten transparent darstellen. Aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher können zur Senkung der Ladeverluste beitragen. Denn wenn die Batterie für den Schnellladevorgang aufgeheizt wird, empfiehlt es sich, möglichst viel Energie in die Batterie zu laden, da dann der anfängliche Heizverlust prozentual weniger ins Gewicht fällt und so der DC-Ladevorgang effizienter wird.

Aus Kostengründen sei es zudem ratsam, die Ladetarife fürs öffentliche Laden zu prüfen, so der ADAC: Bei gleichem Preis für die Kilowattstunde ist das Schnellladen kosteneffizienter. Wenn die Kilowattstunde beim AC-Laden ein paar Cent günstiger als bei DC ist, dann fährt man mit AC-Laden günstiger.

Quelle: ADAC – Pressemitteilung vom 27.05.2025

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Insider: Wie Dänemark zum Musterland der E-Mobilität wurde

Insider: Wie Dänemark zum Musterland der E-Mobilität wurde

Sebastian Henßler  —  

Ilyas Dogru vom FDM ordnet ein, was Dänemark beim E-Auto-Hochlauf richtig gemacht hat – und warum 2026 zum entscheidenden Jahr werden könnte.

Exklusiv: Wie Alpitronic seine Hypercharger vor Hackern schützt

Exklusiv: Wie Alpitronic seine Hypercharger vor Hackern schützt

Sebastian Henßler  —  

Alpitronic lässt seine Ladesäulen hacken – ohne Grenzen und mit KI-Unterstützung. Was dahintersteckt, zeigt ein exklusiver Besuch im Cybersecurity-Labor.

Was steckt hinter Alpitronics Testlabor? Wir waren vor Ort

Was steckt hinter Alpitronics Testlabor? Wir waren vor Ort

Sebastian Henßler  —  

Wie macht man einen Hypercharger fit für Norwegen, Arizona und die Türkei? Die Antwort liegt im Bozner R&D-Zentrum von Alpitronic.

Exklusiv: So produziert Europas größter Ladesäulenhersteller Alpitronic

Exklusiv: So produziert Europas größter Ladesäulenhersteller Alpitronic

Sebastian Henßler  —  

Europas Schnellladeinfrastruktur kommt zu einem großen Teil aus Bozen. Wir waren vor Ort und haben uns angeschaut, wie Alpitronic seine Hypercharger produziert.

Ladeinfrastruktur wächst – doch Netzbetreiber werden zum Nadelöhr

Ladeinfrastruktur wächst – doch Netzbetreiber werden zum Nadelöhr

Daniel Krenzer  —  

Deutschlands Ladeinfrastruktur hat mehr als 200.000 Ladepunkte, doch Netzanschlüsse und Bürokratie bremsen den weiteren Ausbau zunehmend aus.

Niederlande starten weltweit ersten V2G-Massentest

Niederlande starten weltweit ersten V2G-Massentest

Sebastian Henßler  —  

Kia, Hyundai und Vattenfall starten in den Niederlanden einen V2G-Pilot mit 80 Haushalten. Der Kia EV9 ist bereits offiziell als Netzspeicher zugelassen.

EnBW-Chef: Ladepreise faktisch kein Problem mehr

EnBW-Chef: Ladepreise faktisch kein Problem mehr

Sebastian Henßler  —  

Laden wie Tanken, in wenigen Minuten: EnBW-Chef Roemheld skizziert, wie sich Infrastruktur und Produkte bis 2030 grundlegend verändern werden.