Dudenhöffer: „Green Deal ist heute ein Black Deal“

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Sebastian Henßler
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In einem Interview mit „Der Standard“ äußert sich der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer kritisch zur aktuellen Situation der Elektromobilität in Europa. Während das Elektroauto in China floriert, sieht er es in Europa durch politische Unsicherheiten und kurzsichtige Entscheidungen gefährdet.

Dudenhöffer betont, dass widersprüchliche Signale aus der Politik Verbraucher verunsichern. „Viele Menschen haben gedacht, das ist die Zukunft. Und heute hören sie von vielen Politikern aus Brüssel, aus Deutschland, dass der Verbrennungsmotor ein optimales System ist und dass es Synfuels gibt“, erklärt er. Diese Unsicherheit führe dazu, dass potenzielle Käufer zögern, ein Elektroauto zu erwerben.

Besonders problematisch sieht er die plötzliche Abschaffung der Kaufprämie für Elektroautos in Deutschland. „Wirtschaftsminister Robert Habeck hat die Prämie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgeschafft. Da war der Preisunterschied noch so groß, dass alles zusammengebrochen ist. Dann wundert man sich, dass anschließend ein Scherbenhaufen ist.“ Im Gegensatz dazu lobt er Chinas langfristige Strategie: „Dort sind im vergangenen Jahr fast 50 Prozent Plug-in- oder vollelektrische Fahrzeuge zugelassen worden. Die chinesische Regierung hat einen Langfristplan.“

„In Europa geht man drei Jahre vor und dann zwei Jahre zurück“

Doch Dudenhöffer widerspricht der Ansicht, dass China allein durch finanzielle Unterstützung erfolgreich ist. „Wir haben auch dem Kunden 5000, 7000, 9000 Euro Subvention gegeben, wenn er so ein Auto kauft. Wir wollten ja gegen den Klimawandel kämpfen. Deswegen gab es den Green Deal von der EU-Kommission. Heute ist es ein Black Deal.“ Die ständige Richtungsänderung der europäischen Politik verhindere Fortschritt. „In Europa geht man drei Jahre vor und dann zwei Jahre zurück. Deswegen kommt man nie an einem Ziel an.“

Auf die Frage, welche Rolle die deutsche Autoindustrie spiele, betont Dudenhöffer, dass sie ursprünglich hinter der Elektromobilität stand. Aber es seien mächtige politische Kräfte am Werk, die den Verbrennungsmotor retten wollten. „Bei uns war das zuerst der ehemalige Finanzminister Christian Lindner. Er hat einen Porsche 911 und hat in Brüssel gekämpft, dass die Nachwelt auch noch dieses Auto hat. Dann sind andere aufgesprungen, und Frau von der Leyen hat das in Pressekonferenzen noch einmal diskutiert. Jetzt die Zölle gegen chinesische Elektroautos. Die BMWs, die von Mini in China gebaut werden, werden in Europa teurer, weil Frau von der Leyen Zölle verlangt. Wir sind chaotisch unterwegs.“

Besonders kritisch sieht er die Debatte um synthetische Kraftstoffe. „Kein Mensch weiß, was das kosten wird, wo die Fabrikanlagen stehen und wer das finanzieren soll. Man hat sich ein Wolkenkuckucksheim gebaut.“ Die Verunsicherung der Menschen liege nicht an der Ladeinfrastruktur, sondern an den politischen Unsicherheiten.

Auch die zahlreichen politischen Vorschläge im Wahlkampf zur Rettung der deutschen Autoindustrie hält Dudenhöffer für wenig zielführend. „Es gibt so viele Ideen, dass einem schier schwindlig wird. Eine Maßnahme allein, wie jetzt zum Beispiel wieder ein Jahr lang eine Prämie einzuführen, wird nicht funktionieren.“ Der Vorschlag von Friedrich Merz, das Verbrennerverbot nach der Wahl zu kippen, sei genauso unrealistisch wie die von Olaf Scholz angeregte EU-weite Kaufprämie. „Er weiß ganz genau, dass die EU das nicht finanzieren kann. Das ist reines Veräppeln der Leute.“

„Wir sind lahm und müde geworden“

Abschließend stellt Dudenhöffer einen drastischen Vergleich zwischen Deutschland und China an: „Wenn ich dreißig Jahre nicht in Duisburg bin und dann wiederkomme, wird Duisburg so aussehen wie heute. Kaputte Straßen, ein Bahnhof, der reparaturbedürftig ist. Wenn ich nach drei Wochen oder drei Monaten nach Schanghai oder nach Shenzhen fahre, sehen die Städte unter Umständen völlig anders aus. Wir sind lahm und müde geworden.“

Für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie sieht Dudenhöffer nur eine Möglichkeit: „Ich bin davon überzeugt, eine Zukunft der westlichen Autobauer gibt es nur, wenn sie einen Großteil ihrer Entwicklungen nach China verlegen.“ Der Xiaomi SU7, ein Elektroauto, das äußerlich einem Porsche Taycan ähnelt, sei in China für 30.000 Euro erhältlich, während der Taycan in Europa 125.000 Euro kostet. „BYD wird jetzt auch in Kleinwagen kostenlos Assistenzsysteme reingeben.“ Der technologische Vorsprung Chinas sei immens.

Um die Transformation zu meistern, schlägt Dudenhöffer unkonventionelle Maßnahmen vor: „Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der VW-Aktien. Diese Aktien sind zwischen fünf und zehn Milliarden Euro wert. Warum lassen sie VW nicht ein normales Unternehmen werden und bauen dort für die Leute etwas Neues auf?“

Quelle: DerStandard – Autoexperte: „Damit zerstört man das E-Auto“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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