Chevrolet Bolt EUV: So fährt er sich

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Stefan Grundhoff
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Auch wenn viele es kaum merken – es gibt in den USA einen Elektromarkt unterhalb des Tesla Model 3. Wer will, kann mit einem vergleichsweise kleinen Citymobil sogar elektrisch unterwegs sein, denn im Chevrolet Bolt EUV kommen echte Europa-Gefühle auf.

Die Elektroautos in den USA werben selten mit ihrem besonders günstigen Preis. Anders ist der neue Chevrolet Bolt EUV, mit 4,31 Metern Länge ein kompakter Crossover mit vergleichsweise überschaubaren Abmessungen außen und einen sollen Platzangebot innen. Für einen Preis ab 28.195 Dollar gibt es die Basisversion des Bolt LT, der an der Vorderachse von einem 150 kW / 204 PS / 360 Nm starken Elektromotor angetrieben wird. Das ist eine ungewöhnliche Preisreduktion von stattlichen 6.300 US-Dollar, von der auch der kompletter ausgestattete Bolt Premier profitiert. Doch zum Anfangspreis tat sich der Einstiegscrossover von General Motors schwer, war für ein paar tausender mehr doch das deutlich imageträchtigere und leistungsstärkere Tesla Model 3 zu bekommen.

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Unterwegs ist der Bolt EUV mit einem 65 kWh großen Akkupaket, das den kleinen Bolt bis zum nächsten Ladestopp immerhin rund 400 Kilometer weit fahren lässt. An einer normalen Haushaltssteckdose – eine probate Lademöglichkeit in den USA – erstarkt der Bolt mit leerem Akku in sieben Stunden wieder zu voller Leistungsfähigkeit. Wer den SUV einer DC-Schnellladesäule anschließt, pumpt in einer halben Stunde 160 Kilometer Strecke ins zwischen den Achsen liegende Akkupaket. Aus dem Stand beschleunigt der elektrische Fronttriebler in knapp neun Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.

Der Innenraum des Bolt EUV bietet ordentliche Platzverhältnisse, jedoch eine nur mäßige Materialqualität. Hier sieht man dem Crossover sein günstiges Einstiegssegment an, denn abgesehen vom 10,2 Zoll großen Zentralinstrument geht es eher mittelmäßig zu. Das gilt nicht nur für das zentrale Infodisplay hinter dem Lenkrad mit seiner Bildschirmdiagonale von gerade einmal sieben Zoll, sondern auch für Verkleidungen, Schalter und Applikationen. Und auch die Sitze könnten sich wertiger präsentieren und mehr Komfort bieten. Immerhin werden diese komfortabel elektrisch bedient. Neben den guten Platzangebot in den beiden Sitzreihen bietet der Bolt ein Ladevolumen von 462 Litern, das sich durch Umlegen der Rücksitze auf bis zu 1.611 Liter erweitern lässt – leider nur ohne eine elektrische Heckklappe, die den größeren Modellen im Hause General Motors vorbehalten bleibt.

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Neu im Chevrolet Bolt EUV ist das Fahrerassistenzsystem Super Cruise, mit dem bisher nur die höherwertigen Modelle aus dem Hause General Motors unterwegs waren. Super Cruise ist kein teilautonomes Level-3-System, ist auf den amerikanischen Highways jedoch gut unterwegs, wenn der Fahrer seine Augen auf der Straße lässt. Aktuell deckt das speziell kartographierte Kartenmaterial in Nordamerika rund 200.000 Meilen erfasst. Einmal eingeschaltet, zieht der Bolt Dank Super Cruiser recht stabil seine Bahnen, bremst nur bisweilen etwas zu ambitioniert.

Das Fahrwerk des knapp 1,7 Tonnen schweren Chevrolet Bolt EUV ist sehr komfortabel abgestimmt und die Lenkung präsentiert sich zwar leichtgängig, aber immerhin recht direkt. Auf welligem Fahrbahnbelag oder in schnellen Kurven kommt der Bolt bei flotter Gangart jedoch schnell an seine Grenzen. Er ist eben etwas für die City und überschaubare Geschwindigkeiten; nichts für einen spaßigen Ritt auf der Landstraße obwohl das große Akkupaket im Unterboden den Schwerpunkt angenehm herunterzieht.

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Am besten ist man ohnehin im One-Pedal-Modus unterwegs, der sich am Mitteltunnel zuschalten lässt. Damit wird das Bremspedal abgesehen von einer Vollbremsung angenehm arbeitslos – bei einem Citycruiser wie dem Chevrolet Bolt eine überaus angenehme Sache. Günstig in die City und dann auch noch elektrisch – das ist doch vielleicht auch etwas für so machen Amerikaner. Gerade bei den aktuellen Kraftstoffpreisen von fast fünf US-Dollar für eine Gallone Super.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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