Im Segment der elektrischen Premium-SUVs treffen neue Anbieter auf die deutschen Premiummarken und zunehmend auch auf chinesische Premiumanbieter. Wer hier als Rückkehrer Fuß fassen will, muss zuerst wieder Bekanntheit aufbauen. Cadillac versucht diesen Weg seit 2024, zunächst über einen digitalen Direktvertrieb mit eigenen Stores. Inzwischen kommen klassische Standorte mit regionalen Partnern wie Kramm hinzu, zuletzt auch in Berlin.
Verantwortlich für diesen Kurs ist Gerald Kelleter, Country Manager Deutschland bei General Motors. Im Interview mit Electrive erläutert er, warum die Marke ihr Vertriebsmodell erweitert, welches Modell das Volumen tragen soll und woran er den Erfolg festmacht.
Zunächst habe man sich laut Kelleter zum Ziel gesetzt, über die Stores den Kund:innen zuzuhören und zu verstehen, was sie erwarten. Aus diesen Erfahrungen und aufgrund der Nachfrage aus dem Handel sei man zu dem Schluss gekommen, „dass wir mehr regionale Präsenz schaffen müssen“. Ergänzend zu Stores und Online-Vertrieb setzt der Hersteller deshalb auf regionale Partner im Agenturmodell.
Bei deren Auswahl ging Cadillac gezielt vor. Drei Voraussetzungen nennt Kelleter: ein Grundverständnis für amerikanische Autos, Erfahrung im Premium- und Luxussegment sowie Kompetenz in der Elektromobilität. Das Agenturmodell lässt dem Partner vor Ort eine gewisse Beweglichkeit, während der Hersteller die Nähe zur Kundschaft behält. Die ersten Ergebnisse seit dem Go-live der Agenten bezeichnet Kelleter als „sehr vielversprechend“. Die Partner brächten eine bestehende Kundenbasis mit und könnten den Verkauf auch über Online-Kanäle bespielen.
Keine Stückzahlen, aber ein klarer Kurs
Von den Zulassungszahlen her ist Cadillac in Deutschland bislang eine sehr kleine Marke, wie Electrive anmerkt. Der Fokus lag laut Kelleter zunächst darauf, die Marke wieder zu etablieren. Man sei „sicherlich noch immer dabei zu erklären und zu zeigen“, dass Cadillac wieder in Europa präsent ist, und zwar mit elektrischen Autos. Die regionale Präsenz soll nun eine direktere Ansprache ermöglichen und den Service vor Ort abbilden, als Baustein auf dem Weg zu einer dauerhaften Präsenz mit entsprechendem Volumen.
Konkrete Volumenziele nennt der Manager nicht. Angestrebt werde eine partnerschaftliche Vermarktung, bei der für beide Seiten ein gutes Geschäft entsteht und „entsprechender Ertrag hängen bleibt“. Auch für die Dichte des Verkaufs- und Servicenetzes will Cadillac keine starre Zahl vorgeben. Weitere Metropolregionen sollen folgen, die nächsten Schritte seien bereits in Planung. Gemeint sind bislang unbesetzte Gebiete mit Potenzial. Anfragen kämen dabei nicht nur von klassischen US-Car-Händlern, sondern auch von Betrieben ohne bisherige Verbindung zu General Motors oder Cadillac.
Ein Kompakt-SUV mit europäischer Handschrift
Mit Optiq, Lyriq, Lyriq-V und Vistiq umfasst das Angebot inzwischen vier elektrische SUVs. Als Volumenträger sieht Kelleter den Optiq, da das kompakte SUV-Segment in Deutschland besonders stark ist. Für ihn ist das Modell „das Fahrzeug für Europa“. Gestaltet von einer französischen Designerin und in Europa abgestimmt, erhielt es nach vielen Testkilometern auf hiesigen Straßen unter anderem ein Brembo-Bremssystem.
Weil Cadillac auch auf die europäische Ladeinfrastruktur geschaut hat, verfügt der Optiq serienmäßig über einen 22-kW-AC-Lader. Vistiq und Lyriq werden auch in den USA angeboten. Der Vistiq ist ein elektrischer Siebensitzer in einem Segment mit wenigen Wettbewerbern, der Lyriq steht für klassisch amerikanisches, komfortables Cruisen, und der Lyriq-V ergänzt das Thema Performance.
Drei Zielgruppen hat Cadillac im Blick. Wer bereits eine Affinität zu amerikanischen Autos mitbringt, dem müsse man die Emotionalität nicht mehr erklären, sondern vielleicht eher die Elektromobilität näherbringen. Daneben nennt Kelleter Einzelunternehmer:innen, Kleingewerbetreibende und mittelgroße Unternehmen, die ihren Fuhrpark elektrifizieren und dabei ein spannendes Produkt einsetzen möchten. Schließlich sollen Privatkund:innen ohne bisherige Berührungspunkte gewonnen werden, die sich bewusst über das Design absetzen wollen.
Rückenwind mit wachem Blick auf den Markt
Den Trend, dass der deutsche Elektroautomarkt 2026 wieder deutlich wächst, bestätigt Kelleter. Handelspartner meldeten zurück, dass inzwischen Kund:innen angesprochen werden können, die erstmals mit Elektromobilität in Berührung kommen, etwa weil sie am Arbeitsplatz oder auf dem eigenen Grundstück laden können. Auf die Frage, ob aufgeweichte Elektro-only-Strategien deutscher Hersteller und hohe Kraftstoffpreise der Marke in die Karten spielen, bezeichnet er das Timing als günstig. Den Markt beobachte man dennoch sehr genau. Das gewählte Setup erlaube flexible Reaktionen, und innerhalb von General Motors werde geprüft, welche weiteren Elektroautos perspektivisch für Europa interessant sein könnten.
Wann die Marke in Deutschland wirklich angekommen ist, macht Kelleter an einer Mischung fest: Agentennetz und Absatzzahlen spielen eine Rolle, ebenso wichtig sei aber, wie bekannt die Marke ist und wie stark sie mit Elektromobilität verbunden wird. Das Formel-1-Engagement helfe dabei als Technologie- und Imageträger. Angesichts der Konzerninvestitionen von Batterietechnologie bis zum automatisierten Fahren ordnet er Super Cruise als „nicht das Ende, sondern eher ein Anfang“ ein.
Quelle: Electrive.de – Cadillac-Manager Kelleter: „Der Optiq ist unser Fahrzeug für Europa.“









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