Audi setzt Recyclingmaterialien in der Produktion ein

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Audi (Symbolbild)

Iris Martinz
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  —  Lesedauer 3 min

Alle reden vom Batterierecycling, das zu den Schlüsseltechnologien zur lokalen Sicherung von wertvollen Rohstoffen zählt. Ein Auto besteht aber auch noch aus einer noch größeren Menge an Stahl, Aluminium, Kunststoff und Glas. Auch diese Wertstoffkreisläufe will Audi nun schließen. Ein Forschungsprojekt („MaterialLoop“) hat das Ziel, möglichst viele Materialien auf hohem Qualitätsniveau zurückzugewinnen. Erste Umsetzung: Türinnenteile für den Audi A4 sollen aus recycletem Stahl gefertigt werden.

Altautos werden zwar auch jetzt schon recycelt, aus den gewonnenen Materialien werden aber meist andere Produkte außerhalb der Automobilwirtschaft hergestellt („Downcycling“). So wird der wiedergewonnene Stahl beispielsweise am Bau verwendet. 15 Partnerunternehmen aus Forschung, Recyclingwirtschaft und Zulieferindustrie – darunter das Fraunhofer Institut, Remondis, Saint-Gobain und Voestalpine – arbeiten nun gemeinsam mit Audi daran, die sogenannten „Post-Consumer-Materialien“ aus Kundenfahrzeug für die Produktion von Neufahrzeugen aufzubereiten.

So viele Materialien wie möglich sollen auf hohem Qualitätsniveau zurückgewonnen werden, um erneut in der Autoproduktion eingesetzt zu werden, wie Audi-Chef Markus Duesmann betont. Damit sollen Primärmaterialien eingespart und der ökologische Fußabdruck der Fahrzeuge reduziert werden. In weiterer Folge sinken so auch die Abhängigkeiten von Rohstofflieferanten.

Projekt MaterialLoop

Für das Projekt wurden im vergangenen Oktober 100 Fahrzeuge komplett demontiert. Einzelne Materialien wie größere Kunststoffbauteile wurden bereits im Demontageprozess separiert. Die verbliebenen Karosserien wurden geschreddert und gemeinsam mit den Partnerunternehmen in die Materialgruppen Stahl, Aluminium und Kunststoff getrennt. „Unsere Vision ist es, uns künftig bei dem Einsatz von Sekundärmaterialien weniger aus anderen Branchen bedienen zu müssen„, erklärt Johanna Klewitz, Leiterin Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Man fokussiert sich also auf Kreislaufprozesse innerhalb der eigenen Industrie.

Das Projekt – es läuft noch bis Ende April – ist Teil von Audis Kreislaufwirtschaftsstrategie zum verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Im Fokus stehen Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Recyclingfähigkeit der Produkte. Erste Erkenntnisse konnten bereits in der Praxis umgesetzt werden. Der Großteil des recycelten Stahls lässt sich – beigemischt in den Primärstahl – für die Produktion neuer Modelle nutzen. So sollen 15.000 Türinnenteile für den Audi A4 im Presswerk Ingolstadt mit Stahlrecyclinganteil hergestellt werden.

Altglas aus Altfahrzeugen wird ebenfalls schon aufbereitet. Autoscheiben werden zerkleinert und sortiert. Das Glasgranulat wird eingeschmolzen und zu neuem Flachglas für die Automobilindustrie verarbeitet. Im Q4 e-tron finden sich bereits solche Flachgläser mit Recyclinganteil. Eine große Rolle spielen die Zulieferer: Aluminiumblechverschnitte, die im Presswerk anfallen, gehen beispielsweise direkt an den Aluminiumlieferanten zurück, der sie wieder zu Blechen gleicher Qualität aufbereitet.

Erhöhung der Recyclingfähigkeit

Damit künftig Autos nach der Nutzungsphase auch wieder gut recycelt werden können, muss bereits beim Design ein Auge auf die Recyclingfähigkeit der Materialien gelegt werden („Design for Circularity“). Bauteile und Komponenten sollen hinsichtlich Materialauswahl, Materialzusammensetzung und Modularität so gestaltet werden, dass sie im Verwertungsprozess sortenrein getrennt werden können. Audi hat gemeinsam mit Konzernmutter VW einen Leitfaden für Lieferanten entwickelt, um Kunststoffbauteile für eine hohe Wiederverwertbarkeit zu entwickeln.

Quelle: Audi – Pressemitteilung vom 03.03.2023

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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