Tesla dürfte am Donnerstag seine Auslieferungszahlen für das zweite Quartal 2026 vorlegen und dabei einen Anstieg von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum vermelden. Das geht aus einer von Visible Alpha koordinierten Umfrage unter 20 Analyst:innen hervor, die im Schnitt mit rund 403.000 ausgelieferten Autos rechnen. Das entspräche einem Zuwachs von knapp fünf Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025 und einem Plus von 12,5 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres, wie Reuters berichtet.
Als wichtigsten Treiber hinter diesen Erwartungen identifizieren die meisten Prognosen die gestiegene Nachfrage aus Europa, die schwächere Entwicklungen in anderen Regionen zumindest teilweise ausgleicht. Den stärksten regionalen Anstieg erwartet die Deutsche Bank in Europa, wo ein Plus von knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr prognostiziert wird.
Zentraler Hintergrund ist ein grundlegend verändertes Preisumfeld auf den Energiemärkten: Die infolge des Iran-Krieges gestiegenen Kraftstoffpreise haben Verbraucher:innen auf dem Kontinent verstärkt in Richtung Elektroauto gedrängt. Der Effekt ist sowohl im Neuwagen- als auch im Gebrauchtwagenmarkt spürbar und dürfte sich in den Zulassungsdaten niederschlagen, die mehrere europäische Länder am Mittwoch für den zurückliegenden Monat und das zweite Quartal veröffentlichen wollen.
Stabiler präsentiert sich die Lage in China, wo ein moderater Zuwachs von rund drei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erwartet wird. Deutlich schwieriger ist die Situation in Nordamerika, wo die Deutsche Bank mit einem Rückgang von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal rechnet. Entscheidend ist dabei das Auslaufen der unter der Biden-Regierung eingeführten Kaufförderung von umgerechnet ca. 6450 Euro, die im September vergangenen Jahres endgültig weggefallen ist. Für potenzielle Käufer:innen in den USA fehlt seither ein zentraler finanzieller Anreiz beim Wechsel auf ein Elektroauto, was den Markt weiterhin unter Druck hält.
FSD-Rollout könnte Teslas Attraktivität in Europa stärken
Für Europa markiert das zweite Quartal eine deutliche Trendwende gegenüber einem schwierigen Vorjahr. Das Jahr 2025 war für Tesla auf dem Kontinent von einem ausgeprägten Absatzrückgang geprägt, der deutlich über die allgemeine Marktentwicklung hinausging. Als wesentlicher Grund galt die öffentliche Kritik an Tesla-Chef Elon Musk, der mit seiner Nähe zu rechtsgerichteten politischen Positionen in mehreren europäischen Ländern auf erheblichen Widerstand gestoßen war.
In einigen Märkten riefen Verbraucher:innen zum Boykott des Unternehmens auf, die Markensympathie sank über mehrere Quartale spürbar ab. Dass dieser Gegenwind heute weitgehend abgeflaut zu sein scheint, gilt als wichtiger Faktor hinter dem erwarteten Wachstum der Region.
Für die zweite Jahreshälfte halten Analyst:innen zudem den möglichen Rollout des Fahrassistenzsystems „Full Self-Driving“ (FSD) in weiteren europäischen Märkten im Blick. Die Software ist auf dem Kontinent bislang nur in einer Handvoll Länder zugelassen, während sie in den USA bereits breiter verfügbar ist. Ein EU-weiter Beschluss über eine ausgedehntere Verfügbarkeit wird noch für dieses Jahr erwartet und könnte die Nachfrage nach Tesla-Modellen auf dem Kontinent weiter beleben. Ob und wann es dazu kommt, ist derzeit noch offen.
Unterdessen hat Tesla in den vergangenen Monaten sein Angebot ausgebaut und günstigere Varianten des Model 3 sowie des Model Y auf den Markt gebracht, um eine breitere Käuferschicht zu erschließen. Regionale Aufschlüsselungen zu den Auslieferungszahlen veröffentlicht das Unternehmen grundsätzlich nicht, weshalb ein differenziertes Marktbild erst nach der offiziellen Bekanntgabe am Donnerstag möglich sein wird.
Quelle: Reuters – Tesla Q2 deliveries expected to rebound as Europe sales recover









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