Nach zwei, drei Jahren Schrott? China und die Wegwerf-Autos

Nach zwei, drei Jahren Schrott? China und die Wegwerf-Autos
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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In der Mode ist es schon länger als „Fast Fashion“ bekannt, dass Kleidungsstücke nicht für die langlebige Nutzung gemacht sind, sondern nach ein, zwei Saisons entsorgt werden – wenn nicht sogar nach ein, zwei Mal tragen. Vor allem chinesische Onlinehändler wie Temu oder Shein haben solche Wegwerfartikel für eine breite Reihe an Anwendungsfällen im Sortiment. Und in China wird auch das Auto zunehmend zu einem Wegwerfprodukt, berichtet die Automobilwoche. Und absurderweise passiere dies ausgerechnet bei Elektroautos verstärkt, die ja eigentlich eine nachhaltige Wirkung haben sollen.

Was zunächst nach zugespitzten Extrembeispielen klingt, lässt sich demnach durchaus mit Entwicklungen im chinesischen Markt unterfüttern. Denn dort hat sich in den vergangenen Jahren ein hochdynamisches Ökosystem rund um Elektromobilität entwickelt – mit mehr als 200 Herstellern, massivem Preisdruck und extrem kurzen Innovationszyklen. Neue Modelle, Software-Updates und Batterietechnologien folgen in einer Geschwindigkeit aufeinander, die klassische Produktlebenszyklen nahezu obsolet erscheinen lässt. Fahrzeuge, die heute auf den Markt kommen, gelten teils schon nach zwei oder drei Jahren als technisch überholt.

Hinzu kommt ein ökonomischer Effekt: Wenn ein neues Elektroauto in China teilweise für deutlich unter 20.000 Euro zu haben ist, während ein Batterietausch auch mal fünfstellige Summen kosten kann, kippt die Rechnung. Reparieren lohnt sich nicht mehr – ersetzen schon. Aus einem langlebigen Investitionsgut wird damit zunehmend ein Konsumprodukt. Ein „Einweg-Auto“, wie es Branchenbeobachter formulieren. Vor allem viele junge Chinesen neigen dazu, Produkte lieber komplett auszutauschen, als lange zu nutzen.

Reparieren lohnt sich schnell nicht mehr

Diese Entwicklung ist eng verknüpft mit Chinas Rolle als globalem Leitmarkt der Elektromobilität. Zwei Drittel der dort verkauften E-Autos sind inzwischen günstiger als vergleichbare Verbrenner, was die Marktdurchdringung massiv beschleunigt. Gleichzeitig führt genau diese Skalierung zu einem immer schärferen Wettbewerb – und damit zu sinkenden Preisen, kürzeren Innovationszyklen und wachsendem Druck auf die Hersteller, ständig neue Kaufanreize zu schaffen.

Daraus eine Nachhaltigkeitskritik an allen Elektroautos abzuleiten, wäre aber böswillig. Denn parallel dazu zeigen gerade einige Hersteller, dass Elektromobilität auch anders gedacht werden kann. Marken wie Polestar betonen seit Jahren, dass ihre Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus hinweg zunehmend klimafreundlicher werden – etwa durch den Einsatz erneuerbarer Energien in der Produktion und eine kontinuierliche Senkung der CO₂-Emissionen pro verkauftem Fahrzeug. Ähnliche Argumentationslinien finden sich auch bei BMW, wo man darauf verweist, dass sich der sogenannte CO₂-Rucksack eines Elektroautos inzwischen bereits nach relativ kurzer Nutzungsdauer amortisiert und Nachhaltigkeit dabei weiter gedacht werden müsse als reine Emissionen.

Der Gegensatz könnte also größer kaum sein: Auf der einen Seite ein Markt, in dem Geschwindigkeit und Preis dominieren – und Fahrzeuge damit schneller zu Wegwerfprodukten werden. Auf der anderen Seite Hersteller, die versuchen, Elektromobilität über Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Kreislaufwirtschaft zu definieren. Die Elektromobilität ist längst kein homogenes und in allen Fällen nachhaltiges Konzept mehr, sondern ein Spiegel unterschiedlicher wirtschaftlicher Logiken.

In China treibt der Wettbewerb eine Entwicklung voran, die Autos zumindest einiger Hersteller immer stärker in Richtung Konsumgut verschiebt. In Europa hingegen bleibt das Auto – zumindest noch – vorwiegend ein Produkt, das über Jahre hinweg genutzt und optimiert werden soll. Auch Nachhaltigkeitssicht lässt sich nur hoffen, dass sich der chinesische Wegwerf-Ansatz nicht dauerhaft durchsetzen wird.

Quelle: Automobilwoche – Weg damit: In China geht der Trend zum Einweg-Auto

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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