Die deutschen Autohersteller haben schon bessere Zeiten in China erlebt. Der größte Automarkt der Welt erlebt aktuell einen nie da gesehenen Verdrängungswettbewerb. Außerhalb der Luxusliga sind die Europäer mittlerweile jedoch kaum mehr als Zuschauer. Und Volkswagen will mit der Submarke Jetta chinesischer denn je werden.
Über 140 Automarken kämpfen auf dem chinesischen Automarkt um Verkaufsanteile. Da gehen selbst starke Marken wie Audi, BMW, Mini, Mercedes, Porsche oder Volkswagen im Wirrwarr der riesigen Hallen auf der Auto China in Peking fast unter. Dabei ist es nicht so, als hätten die Auswärtsspieler auf ihrem wichtigsten Markt keine Neuheiten mitgebracht. BMW zieht nicht nur das Tuch von seinem überarbeiteten 7er, dessen Design nicht allein an der Front zeigt, welcher Kunde hier den größten Einfluss hat: China. Unverändert offeriert BMW unter der der selbstbewussten Karosse die freie Wahl des Antriebs: Elektro, Benziner, Diesel oder Plug-in-Hybrid. Das sieht beim ebenfalls neuen Doppelpack aus BMW i3 und iX3 ganz anders aus.

Die beiden Fahrzeuge der sogenannten Neuen Klasse sind auch in China nur mit Elektroantrieb zu bekommen. Landesspezifisch bieten auch sie die verlängerten Radstände, die man bereits von den hiesigen Verbrennermodellen kennt. Reichweiten von mehr als 900 Kilometern und der puristische Innenraum scheinen beim dortigen Publikum gut anzukommen.
Ganz ähnlich sieht es am Mercedes-Messestand aus. Neben der frisch überarbeiteten S-Klasse steht hier insbesondere der elektrische GLC als direkter Wettbewerber des BMW iX3 im Vordergrund. Ebenfalls mit langem Radstand und damit für ein deutlich größeres Publikum als die Edelversionen von S-Klasse und Maybach-Ableger geeignet, die sich in China einer großen Nachfrage erfreuen. Auf Wunsch lässt sich der verlängerte Elektro-GLC in der zweiten Reihe mit zwei luxuriösen Einzelsitzen ausstatten oder man entscheidet sich gleich für den Sechssitzer – inklusive Luftfeder und Hinterachslenkung. Wenn es etwas bodenständiger sein soll, ist der neue CLA 260L die rechte Wahl, um gegen die immer stärker werdenden China-Marken zu bestehen.
„Die Auto China ist für Mercedes‑Benz die ideale Bühne, um unser strategisches Bekenntnis zu China mit Produktsubstanz zu untermauern“, sagt Mercerdes-CEO Ola Källenius, „künftig werden wir unsere Lokalisierung weiter vertiefen – indem wir dort mehr Fahrzeuge entwickeln und produzieren und China zunehmend als Innovationsquelle für Mercedes‑Benz weltweit nutzen.“

Porsche lässt es mit der Coupé-Version seines elektrischen Cayenne betont sportlich angehen, während Volkswagen die breiten Massen ansprechen will, um gegen heimische Marken wie BYD, Geely, Great Wall, Leapmotor oder MG zu bestehen. Wichtiger denn je soll dabei die bereits 2019 ausgegliederte Submarke Jetta werden. Bei uns noch als müde Stufenheck-Version des Golf bekannt, soll Jetta in China deutlich stärker als bisher den Einstieg in die Marke bilden und verhindern, dass die Preise der Kernmarke VW durch den enormen Konkurrenzdruck noch weiter absacken. Die neuen Elektromodelle der Jetta-Submarke sollen bei umgerechnet kaum mehr als 12.000 Euro beginnen. Dieser Schritt ist notwendig, da sich Škoda aus dem Reich der Mitte zurückzieht. Der Namenswechsel soll an glorreiche Zeiten anknüpfen, als der VW Jetta in China ein begehrenswertes Auto war. Die Frage ist, ob das reicht.
Auf der Beijing Auto Show 2026 zeigt VW den Jetta X, eine vollelektrische SUV-Studie für das sogenannte „Smart Entry Segment“. Der Versuch, ein bezahlbares aber modernes, digitales Einstiegs-Elektroauto mit SUV-Optik zu bauen. Der Plan steht: Bis 2028 sollen unter Jetta vier New-Energy-Modelle starten. Darunter auch Plug-in-Hybride und Varianten mit Range-Extender. Die Idee hinter dieser Marke ist klar und entspricht der Idee des neuen Föderalismus, die die Wolfsburger Top-Manager verfolgen.

VW gewährt der China-Marke mehr Freiheiten als bisher und setzt auf lokale Stärken; eine schnellere Entwicklung, Assistenzsysteme, intelligentes Cockpit und KI-Funktionen sollen stärker auf chinesische Kunden zugeschnitten sein. Gerade in den preissensiblen Klassen sind chinesische Hersteller extrem stark, schnell und preisaggressiv. Jetta muss also mehr sein als ein billiger VW-Ableger. Die Marke braucht eigenständiges Design, gute Software, starke Preise und kurze Modellzyklen.
Deutlich darüber präsentiert sich Audi, die sich bei einigen Modellen in China sogar von den eigenen vier Ringen verabschiedet haben. Diese Strategie, die mit dem Audi E5 Sportback zum ersten Mal umgesetzt wurde, erwies sich als Strohfeuer. Nach anfänglich starkem Interesse brachen die Verkäufe des Hoffnungsträgers in China so stark ein, dass sich die Ingolstädter Dependance im Reich der Mitte offenbar sogar gezwungen sah, den Preis für das Auto um rund 3700 Euro zu senken. Ob dieser Rabatt die schwachen Verkäufe ankurbelt, ist zweifelhaft. Ein SUV – wahlweise mit 300 oder 500 kW Leistung – soll es jetzt richten. Dieser feiert in Peking als Audi E7x seine Premiere, der erste Crossover der chinesischen Schwestermarke aus lokaler Entwicklung und Produktion. Das bieten auch Audi A6L und Audi A6 L e-tron – dank 13 Zentimetern mehr Radstand und dank 107-kWh-Batterie mit einer Reichweite von 815 Kilometer.
„Audi ist im Aufbruch. Das zeigt sich besonders im so wichtigen chinesischen Markt“, versuchte Audi-Chef Gernot Döllner bei der Präsentation des Hoffnungsträgers auf der Beijing Motorshow Optimismus zu versprühen. Allein der Begriff Aufbruch zeigt, wie sehr sich die Rolle des Ingolstädter Autobauers im größten Automobilmarkt der Welt auch gemeinsam mit den Kooperationspartnern FAW und SAIC verändert hat. Aus dem stolzen Platzhirsch ist ein Herausforderer geworden, der um Marktanteile kämpft. Die Frage bleibt, wie ein E-Crossover dem verblassten Ruhm wieder zu neuem Glanz verhelfen kann. Technisch sind die Konkurrenten aus dem Reich der Mitte mindestens genauso gut aufgestellt, was Fahrassistenzsysteme und das Infotainment angeht, haben sie zumeist einen Vorsprung. Audi muss also anders punkten: Nur wo?

Smart kehrt mit dem 2,79 Meter langen #2 zurück zu seinen bestens bekannten Doppelsitzer-Genen der Hayek-Zeiten. Die seriennahe Konzeptstudie kündigt die Serienversion der Neuauflage des Smart Fortwo an, der vor kurzem eingestellt wurde. Reichweite des Serienmodells, der im Herbst seine Premiere feiert: rund 300 Kilometer. Doch Smart, eine Kooperation aus Mercedes und Geely, zeigt in China nicht nur sein neues Einstiegsmodell, sondern mit dem #6 auch eine betont sportlich positionierte Limousine. Das Zwillingsmodell des Mercedes CLA wurde vom Mercedes-Designteam erschaffen.







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