Vom 9. bis 20. November 2026 findet im türkischen Antalya die nächste UN-Klimakonferenz COP31 statt. In seiner letzten Rede vor dem Gipfel hat UN-Generalsekretär António Guterres nun noch einmal gefordert, dass die fossile Industrie, welche ja maßgeblich mitverantwortlich für den Klimawandel sei, stärker an den Kosten beteiligt werden müsse, welche durch diesen entstehen. Zudem kündigte er an, dass auf der Konferenz in Antalya erstmals über ein weltweites Elektrifizierungsziel beraten werden soll.
Guterres: „Die Verschmutzer müssen zahlen“
Sinngemäß sagte Guterres bei seiner letzten Rede in New York, dass jene Konzerne, die für die meisten Emissionen verantwortlich sind, auch mehr an den für die Beseitigung der Schäden entstehenden Kosten beteiligt werden müssen. „Seit Jahrzehnten behandelt Big Oil die Atmosphäre wie einen offenen Abwasserkanal und verdient an den Folgen.“
Er hatte die Regierungen bereits im Juni dazu aufgefordert, Gewinne von Öl-, Gas- und Kohlekonzernen höher zu besteuern. Diese Gelder sollten dann vor allem dazu genutzt werden, um Entwicklungsländer bei der Anpassung an die Erderwärmung zu unterstützen. Schließlich machten die bisher an betroffene Kommunen und Länder gezahlten Unterstützungsgelder nur einen Bruchteil der Multimilliarden Gewinne aus, welche die fossile Industrie Jahr für Jahr einstreiche.
KI-Boom könnte Energiewende ausbremsen
Der UN-Klimachef Simon Stiell sieht auch im immensen Energiebedarf von KI ein wachsendes Risiko für die Energiewende. In New York forderte er, dass Tech-Konzerne beweisen müssten, dass der Nutzen ihrer KIs die „rasant steigenden Kosten“ überwiegt. Schließlich könnte durch den Energiehunger von KIs auch die Nachfrage nach fossilen Energien erneut steigen. Wenn die Versorgung nicht schnell genug auf erneuerbare Energien umgestellt wird, führe der zusätzliche Strombedarf fast unweigerlich zu steigenden Emissionen.
Dabei könnte KI grundsätzlich auch beim Klimaschutz helfen. Denkbar wäre so in etwa die Steuerung von Stromnetzen oder der Betrieb von Frühwarnsystemen mit KI. UN-Generalsekretär António Guterres hatte bereits im Juni bei der London Climate Action Week gefordert, dass KI-Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden müssen. Er sprach bei diesem Anlass unter anderem von einer vollständigen Offenlegung des Umwelt-Fußabdrucks ihrer Systeme und der Verpflichtung, ihre Rechenzentren ab 2030 komplett mit erneuerbarer Energie betreiben.
Das „35-by-35“-Ziel der COP31
Das Gastgeberland Türkei und Australien, welches die diesjährige COP31 leitet, haben die Elektrifizierung zu einem Schwerpunkt gemacht. Erklärtes Ziel ist unter anderem eine Steigerung der Abdeckung des globalen Energiebedarfs durch Strom von aktuell etwa 23 Prozent auf 35 Prozent bis 2035. Dafür wird ein grundlegender Umbau des Energiesystems nötig: E-Autos statt Verbrennern, Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen und eine weitestmögliche Elektrifizierung industrieller Prozesse.
Auf Wunsch der Türkei und Australiens entstand vorab eine neue IEA-Analyse, welche das „35-by-35“-Ziel bereits in Reichweite sieht. Demnach könnte der Stromanteil mit den aktuell verfügbaren Technologien bis 2035 wirtschaftlich auf 33 Prozent steigen. Durch die infolge der aktuellen Energiekrise gestiegenen Preise für fossile Energiequellen könnte sich zudem sogar noch mehr Elektrifizierung rechnen.
35 Prozent sind dem Climate Action Network zu wenig
Vom Climate Action Network, einem weltweiten Netzwerk welches mehr als 2500 zivilgesellschaftliche Organisationen umfasst, wird der Fokus auf Elektrifizierung in der Klimapolitik zwar begrüßt, doch das Ziel sei immer noch zu niedrig. Dabei beruft man sich auf Szenarien von IPCC, IRENA und auch der IEA aus denen hervorgehe, dass bis 2035 45 Prozent Elektrifizierung nötig seien und bis 2050 rund 80 Prozent Elektrifizierung erreicht werden müssten. Außerdem müsste festgelegt werden, dass die weitere Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien geschieht.
Ob die Staaten in Antalya das 35-Prozent-Ziel beschließen und ob es, wie vom Klimabündnis gefordert, sogar ambitionierter ausfällt wird sich auf der COP31 im November entscheiden. Fakt ist: Für die Elektromobilität kommt es tatsächlich darauf an, dass der Strom der Zukunft tatsächlich aus erneuerbaren Quellen kommt. Denn nur so wird durch mehr E-Autos auf den Straßen auch mehr fossile Energie verdrängt.
Quellen: Klimareporter – Die Verschmutzer sollen zahlen / IEA – Electrification takes centre stage as Hormuz shock spurs countries to seek to enhance energy security / Vereinte Nationen – Secretary-General’s special address at London Climate Action Week








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