THG-Quote: Wie hoch sie 2024 ausfallen könnte

THG-Quote: Wie hoch sie 2024 ausfallen könnte
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 6 min

Durch das Förderinstrument Treibhausgasminderungsquote (kurz THG-Quote) kannst du bekanntermaßen deine CO₂-Einsparungen zertifizieren und an quotenpflichtige Unternehmen verkaufen. Auf unserem Portal bieten wir einen umfassenden Überblick über die Käufer deiner Quote am Markt. Nun wagen wir einen Ausblick auf die THG-Quote 2024 und wie hoch sie für dich ausfallen könnte.

Dabei muss man direkt zu Beginn anmerken, dass sich die Anzahl der Quotenvermarkter im Jahr 2023 stark ausgedünnt beziehungsweise konsolidiert hat. Dies gepaart mit einer Veränderung durch die Bundesregierung hat auch für Verunsicherung bei den E-Autofahrer:innen gesorgt. Die Hauptänderung betrifft die Frist für die Beantragung der THG-Quote. Bisher konnte die Quote bis zum 28. Februar des Folgejahres beantragt werden. Die Regierung hat im vergangenen August jedoch beschlossen, diese Frist auf den 15. November des Beantragungsjahres vorzuziehen. Diese Änderung verkürzt den Einreichungszeitraum erheblich um gut dreieinhalb Monate.

Neben der Fristverkürzung hat die Regierung auch eine Einschränkung bei den Fahrzeugklassen vorgenommen. Bisher konnten auch Besitzer von 45-km/h-Elektrorollern von der THG-Prämie profitieren. Dies wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Das Umweltbundesamt wird nur noch THG-Quoten für Fahrzeugklassen bewilligen, für die ein Schätzwert festgelegt ist. Von dieser Regelung könnten elektrische Nutzfahrzeuge und E-Lkw der Klassen N2 und N3 von der THG-Quote profitieren, für diese wurde ein eigener Schätzwert festgelegt, was eine gerechtere Markteinpreisung mit sich bringt.

2023: Ein herausforderndes Jahr am THG-Quotenmarkt

Matthias Kerner, Mitgründer und Geschäftsführer von Emovy, ordnet für EAN die Entwicklung im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr wie folgt ein: „Um die Treibhausgasminderungsquote wie vorgeschrieben zu erfüllen, können Mineralölkonzerne und andere verpflichtete Unternehmen auf verschiedene Optionen wie Biodiesel, E10, Biomethan (zum Beispiel als Bio-LNG) oder eben auch Elektromobilität zurückgreifen. Dabei bestimmt die jeweils gerade günstigste Option den Marktpreis für die THG-Quote. Da die Erfüllungsoptionen, beispielsweise das Angebot an niedrigpreisigem europäischen Biomethan, im Laufe des Jahres 2023 stark zugenommen haben, hat dies den Quotenpreis negativ beeinflusst.“

Von Fairnergy äußert sich Philip Weykamp, Co- Gründer & Geschäftsführer des Unternehmens, ebenfalls kritisch und zeigt Potenzial zur Verbesserung der aktuellen Situation am Markt auf: „Insbesondere auf politischer Ebene liegt der Fokus noch zu sehr auf der alten Industrie. Fehler der Vergangenheit drohen sich zu wiederholen. So etwa beim Vorwurf des Missbrauchs durch Umetikettierungen von Palmöl auf angebliche fortschrittliche Kraftstoffe importiert aus China. Für uns ist nichts fortschrittlich daran, wenn man Palmöl, das erst vor Kurzem explizit als Option gestrichen wurde, über illegale Umwege doch wieder in den Verkehr bringt.“

Eine Entwicklung, unter der man 2023 gelitten hat, aber 2022 als THG-Quoten-Branche noch profitieren konnte, wie auch Kerner sagt: „Die Dürreperiode im Hochsommer 2022 mit Niedrigwasser in den Flüssen hingegen hatte damals unter anderem Auswirkungen auf die Versorgung der Raffinerien mit Rohölprodukten und ließ somit die THG-Quoten steigen.“ So Kerner über die von Weykamp benannten Palmöle, die als „Biosprit“ verkauft wurden. Eine Entwicklung, die in beide Richtungen entsprechend reguliert sein sollte.

„Eine striktere Kontrolle von importieren Biokraftstoffen könnte sich auch positiv auf die angespannten Marktpreise auswirken. Jeder Euro weniger für fragwürdige Biokraftstoff-Importe, ist ein Euro mehr für die neue Mobilität“, so Weykamp weiter. Dieser Aussage schließt sich Wilko Eggers an, Chief Strategy Officer von Geld für eAuto, und stellt für 2024 folgende Frage in den Raum: „Wird das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) unter der Leitung von Bundesministerin Steffi Lemke oder der Gesetzgeber selber aktiv werden, um das Quotensystem anzupassen? Wenn ja, wird sich der Preis rasch wieder auf das vor-‚mutmaßlich biofake‘ Niveau heben.“

THG-Quotenmarkt bereinigt sich von selbst

Die aktuelle Entwicklung hat, wie eingangs erwähnt, Folgen nach sich gezogen. Verschiedene THG-Quotenvermarkter mussten das Feld räumen, da sie mit den Entwicklungen am Markt nicht Schritt halten konnten. Weykamp ordnet dies wie folgt ein: „Für Dienstleister die z.B. erst im hochpreisigen Jahr 2022 gestartet sind, kann die Marge durch einen konsistent niedrigen Quotenpreis in 2024 schnell bedrohlich werden. Das kann insbesondere für die Kunden auch ein Problem werden: Teilweise arbeiten die Anbieter ja mit ‚Subunternehmern‘ bei Vertrieb der Quote zusammen. Selbst wenn also der Anbieter vordergründig vertrauenswürdig ist, kann eine Insolvenz des Subunternehmers schnell gravierende Folgen haben. Hier sollten Kund:innen genau prüfen, wer in Hintergrund die Quote anbietet“.

So erkennt man einen seriösen THG-Quotenvermarkter

Kerner von Emovy trifft eine ähnliche Aussage und gibt drei Tipps mit an die Hand, um die Seriosität des angedachten THG-Quotenvermarktes einzuordnen:

  • Wahl eines transparenten Preismodells

Einige Dienstleister locken mit besonders hohen Prämien auf Basis flexibler Modelle. Die Auszahlung selbst erfolgt meist erst nach mehrmonatiger Wartezeit. Ferner wird das Marktpreisrisiko auf die eigenen Kund:innen abgewälzt, deren Prämien letztendlich oft weit geringer ausfallen als angepriesen. Besser ist es, auf einen festen Mindestpreis zu setzen, der nach der Bescheinigung durch das Umweltbundesamt garantiert ausgezahlt werden kann.

  • Kleingedrucktes lesen!

Die AGB sollten genau gelesen werden. Manche Dienstleister nutzen versteckte Klauseln, bei denen beispielsweise die Vermarktung direkt auch für das nächste Jahr abgeschlossen wird. Daran hat man als Kund:in in der Regel kein Interesse, denn niemand kann seriös vorhersagen, ob im nächsten Jahr möglicherweise doch wieder höhere Prämien für THG-Quoten erzielt werden können.

  • Firmenstruktur betrachten

Ist die THG-Quoten Vermarktung ein „Nebenbei“-Geschäft oder widmet sich der Dienstleister im Kern der Vermarktung und verfügt daher über entsprechende Erfahrung und Marktkenntnisse? In welcher Rechtsform ist das Unternehmen organisiert? Wie sind die Finanzlage und das Handelsvolumen des Anbieters einzuschätzen? Entsprechende Antworten auf diese Fragen stärken die Gewissheit, ob man am Ende auch seine THG-Prämie ausgezahlt bekommt.

Hat man darauf nicht geachtet, ist man eventuell einen Dienstleister verfallen, der die eigene THG-Prämie nicht erfolgreich vermarkten konnte. Fairnergy bezeichnet dies als „Dienstleisterversagen“. 2023 sei dies teilweise in einem Abzocken von „privaten“ THG-Quoten gemündet. „Das bedeutet, dass die
Kund:innen über mehrere Jahre gebunden werden, Preise nachträglich geändert werden, viele Kund:innen anscheinend noch immer auf Auszahlung der Dienstleister warten usw.. Dieses Verhalten hat natürlich nicht nur schädigenden Einfluss für die Kund:innen, sondern auch die Abnehmerseite reagiert teilweise sehr verstört auf das Vorgehen einiger Dienstleister. Insgesamt beschädigt das die Branche“, so die Einordnung von Weykamp.

So wird sich die THG-Quote in 2024 entwickeln

Die Frage, die sich nun stellt, wohin wird sich der Quotenmarkt im Jahr 2024 entwickeln? Hierzu haben wir die Experten ebenfalls zu Wort kommen lassen. Grundsätzlich treffen alle die gleiche Aussage: Eine maßgebliche Steigerung im Jahre 2024 sei nicht zu erwarten.

„Leider ist damit zu rechnen, dass sich die Preise in naher Zukunft nicht erholen werden. Während 2022 noch THG-Prämien von rund 350 Euro pro Fahrzeug gezahlt wurden, sind sie derzeit auf rund 85 Euro zurückgegangen. Dies ist unter anderem auf den Strommix zurückzuführen, der einen wesentlichen Faktor bei der Berechnung der THG-Quote für Elektromobilität darstellt und sich aufgrund der derzeit höheren Emissionen bei der Stromerzeugung verschlechtert hat“, so Kerner von Emovy über eine mögliche Entwicklung im kommenden THG-Quotenjahr.

Weykamp von Fairnergy teilt diese Einschätzung: „Insgesamt erwarten wir, dass die Quotenpreise niedrig bleiben werden und dadurch noch eine wesentlich stärkere Konsolidierung am Quotenmarkt stattfinden wird.“ Eggers von Geld für eAuto äußert sich ähnlich: „Ein entsprechend niedriges Preisniveau wird dann auch in 2024 zu beobachten sein und die quotenverpflichteten Ölkonzerne werden weiter Unmengen von Quoten ‚übererfüllen‘, um sich die Lager mit möglichst viel günstigen Quoten für die kommenden Jahre zu füllen.“ In Bezug auf den letzten Punkt der Übererfüllung stellt er die Forderung in den Raum, dass „eine sofortige Erhöhung der Quote auf ein Niveau, dass die massive Übererfüllung (über 20 Prozent im Jahr 2022) beendet“, notwendig sei.

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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