Ladesäulen: LichtBlick kritisiert „Diskriminierung“ durch Monopolisten

Ladesäulen: LichtBlick kritisiert „Diskriminierung“ durch Monopolisten
Copyright:

shutterstock / 1499395148

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der Ladesäulenausbau in Deutschland geht weiter voran, jedoch dominieren in vielen Regionen nach wie vor große Anbieter den Markt. Das zeigt die diesjährige Monopolanalyse von Lichtblick. Bereits zum vierten Mal hat laut Pressemitteilung der Datendienstleister Statista das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur ausgewertet und die Ladesäulen den jeweiligen Betreibern zugeordnet.

„Große Anbieter können sich immer noch sehr hohe Anteile im Ladesäulenmarkt sichern. Diese Monopolstellung bremst den Ausbau und treibt die Endverbraucherpreise in die Höhe, da die Anbieter faktisch konkurrenzlos sind“, erklärt Markus Adam, Chefjurist von Lichtblick. Und weiter: „Was bleibt, ist eine absolut unbefriedigende Situation – zu Lasten von Verbraucher:innen, des Wettbewerbs und damit letztlich der Verkehrswende in Gänze.“

Die Ergebnisse zeigten deutlich: Acht der dreizehn Anbieter können sich einen Marktanteil von mindestens 80 Prozent aller kostenpflichtigen Normalladepunkte sichern. In drei Städten (Hannover, Enercity / Wiesbaden, ESW / Dortmund, DEW21 und Eon) liegen laut Lichtblick die Marktanteile der Anbieter sogar bei 90 Prozent und mehr. „Bei allen untersuchten Anbietern handelt es sich um regionale Stromversorger, die konzernrechtlich mit dem örtlichen Stromnetzbetreibern verbunden oder selbst Stromnetzbetreiber sind“, führt Lichtblick aus.

Die Dominanz regionaler Anbieter bei Normalladesäulen bestätige auch das 9. Sektorgutachten der Monopolkommission. Sie stellt erstmals ein öffentlich frei zugängliches Tool zur Marktkonzentration der Betreiber bereit. Für die zehn marktmächtigsten Anbieter wurde dabei ermittelt, an wie vielen ihrer Standorte sie mehr als 40 Prozent der im relevanten Markt vorhandenen Ladepunkte kontrollieren. „Das Ergebnis: Kommunale Energieversorger verfügen über die mit Abstand größten Marktanteile bei Normalladepunkten. Die Ladesäulenbetreiber unterliegen damit faktisch keinerlei Wettbewerbsdruck mehr“, heißt es weiter.

Appell für das Durchleitungsmodell

Die Folgen laut Lichtblick: Mit ihrer Marktmacht diskriminieren regionale Monopolisten Drittanbieter (wie eben Lichtblick) im Markt – deren Kund:innen müssten an der Ladesäule für denselben Strom zum Teil deutlich höhere Preise zahlen, wie der aktuelle Ladensäulencheck von Lichtblick zeige. Die Konzentration regionaler Lademonopole sei ein Trend, wie die Ergebnisse der letzten Monopolanalysen zeigten. So konnten Monopolisten in Dortmund, Hannover, Nürnberg und Hamburg ihre Vormachtstellung über die vergangenen drei Jahre beibehalten, in Dortmund sogar kontinuierlich ausbauen, stellt Lichtblick fest. Lediglich in München sei der Marktanteil leicht zurückgegangen, liege aber weiterhin auf hohem Niveau.

„Um einen fairen Wettbewerb im Ladesäulenmarkt zu schaffen, ist eine Reform des derzeitigen Marktdesigns notwendig“, heißt es in der Mitteilung. Dafür schlägt Lichtblick seit Jahren das Durchleitungsmodell vor: „Jeder Versorger kann seinen Strom an jede öffentliche Ladesäule liefern – und damit auch die Strompreisbremse sowie die Erlöse aus den THG-Quoten an seine Kund:innen weitergeben. Verbraucher:innen können aus einer Vielzahl an Angeboten ihren Wunschtarif frei wählen. Das sorgt für mehr Wettbewerb und Transparenz an der Ladesäule.“ Für die Durchleitung erhielten Betreiber von Ladesäulen ein Nutzungsentgelt, das den Ausbau und Betrieb der Infrastruktur weiter fördere und unabhängig von staatlicher Förderung mache. Damit löse das Durchleitungsmodell auch das Problem der wegfallenden Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vergangene Woche.

Quelle: Lichtblick – Pressemitteilung im November 2023

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Warum Strom in Deutschland so teuer ist

Warum Strom in Deutschland so teuer ist

Sebastian Henßler  —  

Deutschland zahlt laut IEA-Bericht den höchsten Strompreis für Haushalte weltweit, Kapitalkosten spielen dabei eine größere Rolle als oft angenommen.

Tibber-Studie: E-Auto-Laden mit Solarstrom lohnt sich

Tibber-Studie: E-Auto-Laden mit Solarstrom lohnt sich

Sebastian Henßler  —  

Eine Tibber-Auswertung zeigt, dass automatisiertes Solarladen PV-Haushalten mit E-Auto im Schnitt 171 Euro Ersparnis pro Jahr bringt.

ADS-TEC-CEO Speidel: Laden ohne teuren Netzausbau

ADS-TEC-CEO Speidel: Laden ohne teuren Netzausbau

Sebastian Henßler  —  

Amortisation binnen fünf Jahren, mehr als 3700 ausgelieferte Ladepunkte: Speidel zieht im Interview eine nüchterne Bilanz des ganzen Unternehmens weltweit.

Vehicle-to-Grid: Hyundai macht das E-Auto zum Kraftwerk

Vehicle-to-Grid: Hyundai macht das E-Auto zum Kraftwerk

Sebastian Henßler  —  

Das E-Auto als Stromlieferant: Hyundai testet Vehicle-to-Grid in Serie. Was technisch, regulatorisch und wirtschaftlich zu lösen war, erklärt Dr. Guido Gehlen.

Warum Familien bei der Energiewende die Nase vorn haben

Warum Familien bei der Energiewende die Nase vorn haben

Sebastian Henßler  —  

Eine Eon-Umfrage zeigt: Familien mit Kindern investieren deutlich häufiger in Elektroauto, Wärmepumpe und Solaranlage als kinderlose Haushalte.

Neue Regeln für E-Autos: Darauf können sich Fahrer einstellen

Neue Regeln für E-Autos: Darauf können sich Fahrer einstellen

Daniel Krenzer  —  

Die Bundesregierung will Vorteile für Elektroautos verlängern. Was sich beim Laden, Parken und E-Kennzeichen für Fahrer konkret ändern soll.

Hyundai bündelt V2X-Dienste unter AllDayEnergy

Hyundai bündelt V2X-Dienste unter AllDayEnergy

Sebastian Henßler  —  

Hyundai fasst seine weltweiten V2X-Dienste unter der neuen Marke AllDayEnergy zusammen und startet damit zunächst in Großbritannien über die Kia App.