Kia überlegt elektrischen Picanto und Elektroautos „in fast jedem Hauptsegment“

Kia überlegt elektrischen Picanto und Elektroautos „in fast jedem Hauptsegment“
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Michael Neißendorfer
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Kia könnte eine elektrische Version seines Kleinwagens Picanto auf den Markt bringen. Die Voraussetzung dafür ist eine Möglichkeit zu finden, die Kosten zu senken, um das Auto erschwinglich zu machen. Ein batteriebetriebener Picanto wäre „eine große Herausforderung“, sagte Emilio Herrera, Chief Operating Officer von Kia Motor Europe in einem Gespräch mit Automotive News. „Aber früher oder später müssen wir es tun“, fügte er angesichts der immer strengeren CO2-Limits für Neuwagenverkäufe hinzu.

Die Autohersteller müssen in Europa auch ihre Strategie für Kleinwagen überdenken, um auf die verschärften Emissionsgrenzwerte der Europäischen Union zu reagieren. Diese zwingen sie dazu, auch jene Autos, die nur geringe Gewinne einbringen, mit kostspieliger neuer Technologie auszustatten. Andere Hersteller reagieren radikal: Ford will in Europa den Verkauf seines Ka+ einstellen, während Opel die Modelle Karl und Adam fallen lässt.

Schärfere CO2-Limits setzen Hersteller unter Druck

Außerdem wird erwartet, dass der Volkswagen Konzern die Verbrenner-Varianten der Modelle VW Up, Skoda Citigo und Seat Mii durch Modelle mit Elektroantrieb ersetzt. Seat wurde innerhalb des VW-Konzerns damit beauftragt, kleine Elektrofahrzeuge für die Gruppe zu entwickeln, die weniger als 20.000 Euro kosten.

Zuletzt gab Renault auf der IAA bekannt, innerhalb von fünf Jahren ein 10.000-Euro-Elektroauto in Europa auf den Markt zu bringen. Herrera äußerte sich skeptisch, dass Renault dieses Ziel erreichen kann. „Ich denke, das ist eine sehr kühne Aussage, weil es eine der größten Herausforderungen ist, alle Elektroautos rentabel zu machen. Und je kleiner das Auto, desto komplizierter ist es. Also, in diesem Zeitraum ein 10.000-Euro-Elektroauto zu entwickeln empfinde ich als sehr herausfordernd und nicht sehr realistisch“, sagte Herrera gegenüber Automotive News Europe.

Trotzdem, so der Kia-COO, prüfe die Schwestermarke von Hyundai die Möglichkeit eines elektrischen Picanto. „Es gibt noch keine Bestätigung, aber wir schauen uns das wirklich an“, sagte er. Er gab allerdings keinen Zeitrahmen für eine Entscheidung.

Der Preis für den aktuellen Picanto mit Benzinmotor beginnt in Deutschland bei 10.290 Euro, sinkt aber mit Nachlässen auf 10.000 Euro, sagte Herrera. Eine voll ausgestattete Version des Picanto kommt auf mehr als 17.000 Euro, in diesem Preisrahmen müsste sich auch ein rein elektrischer Picanto bewegen. Momentan würde er um die 20.000 Euro kosten, doppelt so viel, wie der Einstiegsbenziner.

Partnerschaft mit Hyundai könnte Elektro-Picanto einfacher ermöglichen

Immerhin könnte Kia auf Synergien mit der Schwestermarke Hyundai hoffen, sofern diese eine elektrische Version ihres Kleinwagens i10 produzieren möchte, sagte Herrera. Dass das funktioniert, haben die beiden Südkoreanischen Marken bereits mit ihren Mittelklasse SUVs Hyundai Kona und Kia Niro bewiesen, welche beide die selbe Elektro-Technologie nutzen.

Herrera sagte auch, dass sich die Autohersteller nicht auf staatliche Anreize verlassen sollten, die den Verkauf von Elektrofahrzeugen unterstützen durch eine Angleichung der Preisunterschiede zwischen Verbrennern und Elektroautos. In einigen Jahren könnten diese Anreize auch wieder abgeschafft werden, weil so viele Elektroautos unterwegs sein dürften, dass es für die Regierungen zu kostspielig sein wird, die Subventionen weiterhin anzubieten, sagte er.

Warum sollte sich Kia einer so schwierigen Herausforderung stellen, wollte Automotive News Europe noch wissen. „Weil Kleinst- und Kleinwagen in Europa so wichtig sind. In Ländern wie Italien machen sie 50 Prozent des Marktes aus, daher denke ich, dass wir davon auch batteriebetriebene Fahrzeuge brauchen werden“, sagte Herrera. Nach Angaben von JATO Dynamics machen die Segmente Kleinst- und Kleinwagen zusammen 26 Prozent des EU-Marktes aus.

Kias Ziel sei es, ein Elektroauto „in fast jedem Hauptsegment“ zu haben, sagte Herrera. Momentan bietet die südkoreanische Marke Kia in Europa elektrische Versionen der beiden Fahrzeuge Soul und Niro an. Deren Absatz liegt bei etwa 20.000 Stück. Bis 2020 will Kia diese Zahl verdoppeln.

Quelle: Automotive News Europe – Kia may launch electric Picanto

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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