Honda skizziert mehrstufigen Plan für E-Mobilität

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Honda richtet sich neu aus. Im Fokus stehen dabei neue Modelle, bessere Batterien, leistungsfähigere Software sowie eine Fertigung der E-Fahrzeuge in speziellen E-Auto-Fabriken mit einem komplett überarbeiteten Produktionsprozess. Gefühlt lässt Honda keinen Stein auf dem anderen. Sicherlich notwendig, um mit dem Tempo der Marktbegleiter Schritt zu halten. Ab 2025 soll der Plan Fahrt aufnehmen.

Honda-CEO Toshihiro Mibe gab vor kurzem zu verstehen, dass die chinesischen Autohersteller während der COVID-19-Pandemie große Fortschritte gemacht haben, als die Welt durch Reisebeschränkungen und Quarantänemaßnahmen weitgehend vom Land abgeschnitten war. Hierdurch seien die dortigen Automobilhersteller ein oder zwei Schritte voraus. Mibe führt hierzu aus: „Wir haben erkannt, dass wir etwas im Rückstand sind, und wir sind entschlossen, den Spieß umzudrehen“. Angetrieben hierdurch plant Honda, den Verbrenner bis 2040 abzuschaffen und durch rein elektrische und wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge zu ersetzen.

Honda peilt zwei Millionen E-Autos pro Jahr ab 2030 an

Auf dem Weg dorthin will das Unternehmen Produktionskapazitäten schaffen, um im Jahr 2030 weltweit etwa zwei Millionen Elektro- und Brennstoffzellenfahrzeuge zu verkaufen. Parallel dazu will Honda versuchen, so viel Gewinn wie möglich aus dem Geschäft mit Verbrenner- und Hybridfahrzeugen herauszuholen, um entsprechende Mittel für die Finanzierung sicherzustellen. „Wir glauben, dass es wichtig ist, den freien Cashflow aus unserem Geschäft mit Verbrennungsmotoren, einschließlich Hybriden, aggressiv in Bereiche zu reinvestieren, die mit unserer Wettbewerbsfähigkeit bei der zukünftigen Elektrifizierung verbunden sind“, so der Honda-CEO zur angestrebten Strategie.

Im Jahr 2025 soll Hondas eigenständige Plattform für E-Autos im mittelgroßen bis großen Segment zur Verfügung stehen. Auf dieser könnten die vier neuen E-Modelle fußen, welche im Rahmen der Shanghai Automesse angeteasert wurden. Ein Jahr später soll dann eine Honda eigene Software Einzug in deren Modelle halten. Ziel sei es, den Innenraum von Honda-Autos mehr wie ein Smartphone zu gestalten. Dies erscheint insofern relevant, da Honda durch neue Software-Dienste und -Anwendungen zusätzliche Einnahmen generieren will.

In der Vergangenheit verdienten die Autohersteller vor allem mit dem einmaligen Verkauf von Hardware Geld; das Volumen war entscheidend. Künftig will Honda über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs hinweg Dienstleistungen verkaufen. Volumen allein ist kein Garant für Erfolg mehr; zusätzliche Dienstleistungen müssen langfristig angeboten werden. Um die Fahrzeuge zunächst auf die Straße zu bringen, ist der Automobilhersteller eine Partnerschaft mit Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. eingegangen, dem weltweit größten Hersteller von Microchips.

Fokus auf neue Batterietechnologie für langfristigen Erfolg

Damit ist nicht Schluss. In puncto Technologie plant der Hersteller den Einsatz dreier Batterietypen: Flüssig-Lithium-Ionen-Batterie der nächsten Generation, Semi-Solid-State-Batterie sowie Solid-State-Batterien. Die Lithium-Ionen-Batterietechnologie der nächsten Generation wird zusammen mit dem japanischen Batteriehersteller GS Yuasa entwickelt. Sie werde eine höhere Kapazität und eine höhere Leistung haben als die heutigen Batterien. Die Semi-Solid-State-Packs werden in Zusammenarbeit mit SES Holdings mit Sitz in Boston entwickelt. Die Full-Solid-State-Batterien werden von Honda selbst entwickelt.

Gefertigt werden die Batterien teils in eigenen Niederlassungen. 2024 nimmt Honda in einem Werk in Tochigi, nördlich von Tokio, eine Demonstrationsanlage für Batterien in Betrieb. Was die Fabriken betrifft, so wird Honda bis zum Ende des Jahrzehnts auch neue, speziell für Elektroautos konzipierte Werke benötigen. In den USA positioniert Honda unter anderem eine Reihe von Fabriken in Ohio als lokales Zentrum für die Herstellung von Elektrofahrzeugen. Aber diese Betriebe nutzen bestehende Anlagen.

Mit Blick auf die Zukunft gerichtet gibt der Honda-CEO zu verstehen, dass man spezialisierte EV-Fabriken benötige, die auf die neue EV-Plattformen und auf neue, effizientere Methoden zur Herstellung von E-Autos ausgerichtet sind. Diese sind zu erwarten, wenn die Stückzahlen im Jahr 2030 bei zwei Millionen Fahrzeugen liegen sollen. Die Produktionstechnik wird in Japan entwickelt, die neuen Fabriken werden in verschiedenen Regionen errichtet, zeitlich abgestimmt auf die Veröffentlichung neuer E-Fahrzeugmodelle.

Quelle: Autonews.com – Honda CEO Toshihiro Mibe outlines multistep plan to jump ahead in EVs

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Norbert Seebach:

Was Honda hier als „Glaube“ beschreibt (der unaufhaltsame Siegeszug der E-Mobilität) ist für die Chinesen seit vielen Jahren absolute Gewissheit – und Japan hinkt weit mehr als nur „etwas“ hinterher. Hier einen Zusammenhang mit der Pandemie zu konstruieren zeigt die ganze Hilflosigkeit und das Ausmaß industriepolitischer Fehlentscheidungen der Japaner sehr deutlich. Dieser Rückstand ist meines Erachtens auch in Jahren nicht aufzuholen (weil China ja auch nicht ab jetzt in einen Tiefschlaf verfällt). Das bornierte weitere Festhalten am FCEV im Pkw-Bereich und der Mitteleinsatz hierfür wird den Rückstand bei japanischen Herstellern weiter beschleunigen!

Wolfbrecht Gösebert:

Aus dem Artikel:

„… Honda [plant] den Verbrenner bis 2040 abzuschaffen und durch rein elektrische …“

Soweit, so gut, wenn auch spätsehr spät, hoffentlich nicht zu spät!

„… und wasserstoffbetriebene Brennstoffzellenfahrzeuge zu ersetzen.“

Aber damit wird das nichts, Honda!

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