Ende Q3/2022: So haben sich Hersteller auf Europas E-Automarkt geschlagen

Ende Q3/2022: So haben sich Hersteller auf Europas E-Automarkt geschlagen
Copyright:

Tomas C. Patlan / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 6 min

Ende des dritten Quartals 2022 darf man sich Mal wieder die üblichen Fragen stellen: Wer führt den europäischen Elektroautomarkt an? Welcher Hersteller schlägt sich bei Zulassungen von E-Autos (BEV) besonders gut. Wer gibt bei Plug-In-Hybriden (PHEV) noch eine gute Figur ab? Und bei wem überzeugt das Gesamtpaket? Auf Grundlage der Datenbasis für Europas Elektroautomarkt bis Ende Oktober 2022 von Automobil-Analyst Matthias Schmidt wagen wir einen Blick auf den Markt.

Dominanz von Volkswagen an Europas Elektroauto-Markt ungebrochen

Mit insgesamt 314.498 elektrifizierten Fahrzeugen (BEV + PHEV) steht der Volkswagen Konzern auf Rang eins auf Europas Elektroautomarkt. Diese haben 19,1% des Gesamtmarktes für sich beanspruchen können. Blickt man auf die Zahlen des Konzerns zeigt sich, dass die Aufteilung bei den Zulassungen zu rund zwei Drittel auf reine E-Autos entfällt (204.231 Fahrzeuge) und rund ein Drittel auf PHEV (110.267 Fahrzeuge). Auf Ebene der Marken verteilt es sich entsprechend.

Bereits im September wurde absehbar, dass die Halbleiterkrise und Versorgungsproblematik beim VW Konzern wieder einigermaßen im Griff zu sein scheint. Jedes fünfte E-Auto was in diesem Monat auf die Straße kam, entstammte dem VW-Konzern. Den Gegenwind aus der ersten Jahreshälfte 2022 scheint man somit wieder einigermaßen händeln zu können. Einigermaßen wohlgemerkt, denn je nach E-Modell gibt es durchaus Herausforderungen. Der Auftragsbestand an rund 350.000 noch auszuliefernden Elektroautos spricht für sich.

Ebenso die Tatsache, dass die Lieferzeit für den Audi Q4 e-tron mittlerweile 18 Monate beträgt. Auch beim Porsche Taycan zeichnen sich Auslieferungsschwächen ab. Was weniger an der sinkenden Nachfrage liegt, als mehr an der Tatsache, dass hier doch noch Mängel an Komponenten in der Fertigung vorhanden sind. Blicken wir im Detail nun auf die Marken.

Volkswagen selbst bringt es auf 88.030 E-Autos gegenüber 31.879 Plug-In-Hybriden. Audi reiht sich in absoluten Zahlen gemessen hinter VW ein. Bringt es mit 36.679 Teilzeitstromer-Zulassungen auf einen höheren Anteil an „nur“ teilelektrischen Fahrzeugen, kann dies aber mit 52.640 zugelassenen reinen Elektroautos dann doch zu einem Vorteil für die reine E-Sparte ausgleichen. Skoda hingegen spricht sich deutlich für den Absatz reiner Stromer aus (35.525 Einheiten). Nur ein Viertel des elektrifizierten Absatzes entfiel mit 10.955 Exemplaren auf Plug-in-Hybride.
SEAT/CUPRA ist bisweilen die einzige Konzernmarke, bei der der Absatz von PHEV dem von reinen E-Autos überwiegt. Bis Ende Oktober 2022 brachte es die Marke auf 22.124 PHEV, gegenüber 17.261 E-Autos im gleichen Zeitraum. Porsche steht in absoluten Zahlen am Ende des VW Konzerns beim elektrifizierten Absatz. Brachte es bis Ende Q3 auf 10.775 reine E-Autos sowie 8.630 Plug-in-Hybride. Ein ähnliches Bild zeichnet sich im Stellantis-Konzern mit seinen verschiedenen Marken.

Stellantis: Absatz von E-Autos und PHEV fast ausgewogen

Betrachtet man nicht nur die ersten neun Monate in 2022, sondern wirft einen Blick auf ein Jahr zurück, ist Stellantis der zweite Konzern, der über 200.000 E-Autos in zwölf Monaten absetzen konnte. Bis Ende Oktober brachte es der Konzern auf 253.864 elektrifizierte Fahrzeuge. Bringt im Vergleich zum VW Konzern aber zwei Marken mit, welche sich nur auf E-Autos: Fiat mit 45.770 Stromer oder Plug-In-Hybride – Jeep mit 30.195 Teilzeitstromer fokussieren. Gerade bei Fiat trägt der Fiat 500 seinen Teil zum Absatzerfolg der Marke bei.

Die anderen Marken wie Peugeot erscheinen recht ausgeglichen und in einem ähnlichen Verhältnis wie der VW Konzern. So bringt es Peugeot bis Ende Oktober 2022 auf 54.184 zugelassene Elektroautos, bei 33.932 PHEV. Die deutsche Marke Opel setzt hingegen ein klares Zeichen für reine Elektroautos mit dem Absatz von 37.310 Einheiten. Maßgeblich getrieben durch den Absatz des Opel Corsa-e und Mokka-e. Plug-In-Hybride konnten hier nur 6.423 Einheiten für sich verzeichnen.

Bei Citroen bekommt man ein recht ausgewogenes Bild von BEV zu PHEV (17.479/ 12.111 Einheiten) präsentiert. DS Automobiles zeigt trotz klarer Fokussierung auf E-Mobilität ab 2025, dass der Plug-In-Anteil mit 14.265 Fahrzeugen dem von reinen E-Autos (2.196 Einheiten) deutlich überwiegt.

Hyundai Gruppe mit klarem Fokus auf Elektroautos

Bei Hyundai/Kia stagnierte das rollierende 12-Monats-Volumen weiterhin bei bei rund 160.000 Fahrzeugen und einem Marktanteil von unter 12 % im gleichen Zeitraum. In den verbleibenden Monaten des Jahres wird sich die Wachstumsrate wahrscheinlich verringern, da die Schlüsselmodelle IONIQ 5 und Kia EV6 in der zweiten Jahreshälfte eingeführt wurden und die Logistik bei der Verschiffung von Asien nach Europa wahrscheinlich eher wieder schwierig wird. Was dazu führt, dass kaum neue Fahrzeuge auf die Straße kommen.

Dennoch erscheint die Ausrichtung der Hyundai Gruppe – der Marken Hyundai (58.568 BEV / 23.801 PHEV) und KIA (55.054 BEV / 36.939 PHEV) auf reine Elektromobilität recht deutlich. Dies führt dazu, dass die beiden Marken an Europas Elektroautomarkt einen Marktanteil von um die 10,6% der Zulassungen für sich beanspruchen. Der BMW Konzern reiht sich mit einem Anteil von 10,3% nur knapp dahinter ein. Dort geben allerdings die Teilzeitstromer den Ton an.

BMW-Konzern und Mercedes-Benz: PHEV geben den Ton an!

Was dazu führt, dass die Marke BMW mit 81.407 Plug-In-Hybriden gegenüber 56.746 BEV im Konzern in puncto PHEV federführend ist. MINI steuert seinerseits 22.630 Elektroautos zu, gegenüber 8.577 PHEV. Bei Mercedes-Benz zeichnet sich ein ähnliches Bild. Mercedes setzt selbst auch stark auf Plug-In-Hybride (85.704 Einheiten) gegenüber 41.839 BEVs. Womit Mercedes Ende des dritten Quartals 2022 auch den Rang als die Marke mit dem höchsten PHEV-Absatz für sich in Anspruch nehmen konnte. smart hingegen setzt bekanntermaßen nur noch auf Elektro und steuert einen Absatz von 14.816 Fahrzeugen zum Gesamtergebnis bei.

Restliche Hersteller schwanken zwischen E-Autos und Teilzeitstromer

Riskieren wir noch einen Blick auf RenaultNissanMitsubishi-Allianz mit ihren Marken. In Summe bringen es die drei Automobilhersteller auf einen Marktanteil von 8,3 Prozent an Europas Elektroautomarkt. Renault steuert von seiner Seite aus 61.161 Fahrzeuge bei, kombiniert mit 11.548 PHEV, welche man ebenfalls absetzt. Die zwei Marken Dacia (26.044 Einheiten) und Nissan (19.859 Einheiten) zeichnen sich hingegen nur für den Absatz reiner Elektroautos verantwortlich. Mitsubishi hingegen steuert lediglich 17.419 PHEV zum Absatz bei und positioniert sich in der Allianz als Marke reiner Teilzeitstromer.

Ganz klar ersichtlich nur auf Elektroautos ausgerichtet kommt Tesla mit 135.812 verkauften Stromer bis Ende Oktober 2022 und einem sich daraus ergebenden Marktanteil von 8,3 Prozent. Den Rang als Marke mit den meistverkauften E-Autos kann Tesla damit ebenfalls für sich beanspruchen. Mit Abstand folgt hier Volkswagen. Volvo (18.859 BEV / 57.312 PHEV) ergänzt um seine Marken Polestar (17.951 BEV gegenüber 55 PHEV) und Lynk & Co. mit „nur“ 13.241 verkauften Teilzeitstromer, positioniert sich doch eher stärker auf der Plug-In-Hybrid-Seite. Mit kommenden Modellen dürfte es aber auch hier zu Verschiebungen kommen.

Die darauffolgenden Marken betrachten wir im Schnelldurchlauf. Bei Bedarf kannst du über unsere Automobilhersteller-Übersicht mehr zu diesen erfahren:

  • Ford: 16.978 BEV ggü. 34.187 PHEV
  • SAIC/MG: 28.867 BEV ggü. 11.588 PHEV
  • Jaguar Land Rover: 5.155 BEV ggü. 18.409 PHEV
  • Toyota/ Lexus: 3.391 BEV ggü. 17.172 PHEV
  • Mazda: 3.747 BEV ggü. 2.908 PHEV
  • Honda: 1.584 BEV

Quelle: Matthias Schmidt – European Electric Car Study September/Q3 2022 edition

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.