Wie Continental Autoreifen nachhaltiger machen will

Wie Continental Autoreifen nachhaltiger machen will
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Continental integriert weitere nachwachsende und recycelte Materialien in seiner Produktion von Autoreifen. Lag deren Anteil im Jahr 2024 bei durchschnittlich 26 Prozent, so rechnet der Reifenhersteller für das Jahr 2025 mit einem Anstieg um zwei bis drei Prozentpunkte. Dabei kommen unter anderem synthetischer Kautschuk, der aus erneuerbarem oder zirkulärem Öl gewonnen wird, Polyester aus recyceltem PET, recycelter Stahl sowie innovative Füllstoffe wie Silica aus der Asche von Reishülsen zum Einsatz, so Continental in einer aktuellen Mitteilung.

Neben der Einführung der verschiedenen nachhaltigeren Materialien könne auch eine Veränderung des Produktmixes die Entwicklung dieser Kennzahl beeinflussen. Bis 2030 soll der Anteil von Materialien aus nachwachsenden und recycelten Rohstoffen in der Reifenproduktion von Continental auf mehr als 40 Prozent steigen – bei stets gleichbleibend hohen Sicherheits- und Leistungseigenschaften, wie der Hersteller betont.

Ein zentraler Treiber dieser Transformation ist der Massenbilanzansatz. Dabei handelt es sich um ein Verfahren der produktionsbegleitenden Kontrolle, bei dem zertifizierte und nicht zertifizierte Materialien entlang der gesamten Wertschöpfungskette physisch vermischt, jedoch durch eine nachvollziehbare und überprüfbare Buchführung mengenmäßig getrennt erfasst werden. Nach international anerkannten Prinzipien können so nachwachsende und wiederverwertete Rohstoffe in bestehende Produktionsprozesse integriert werden.

Durch die Verwendung des Massenbilanzsystems kann Continental die genaue Menge der verwendeten nachwachsenden und wiederverwerteten Materialien dokumentieren und nachverfolgen und so sicherstellen, dass die Menge der dem Produkt zugewiesenen alternativen Rohstoffe mit der zu Beginn der Produktion beschafften Menge übereinstimmt. Der Massenbilanzansatz ermöglicht es Continental, die Komplexität und den Einsatz des Rohstoffportfolios an vielen Produktionsstandorten in unterschiedlichen Märkten effizient zu steuern, während nachhaltigere Materialien standortspezifisch erfasst und zugewiesen werden. Darüber hinaus kann Continental so den Anteil nachhaltigerer Materialien in seinen Reifen kontinuierlich erhöhen und Zulieferern die Einführung neuer Technologien zur Nachhaltigkeitstransformation erleichtern. Continental lässt sich diesen Prozess durch ISCC Plus, einem international anerkannten Zertifizierungsschema, zertifizieren.

Zu den eingeführten Massenbilanz-zertifizierten Materialien gehören unter anderem synthetischer Kautschuk sowie Ruße aus biobasierten, biozirkulären und/oder zirkulären Rohstoffen. Die Continental-Reifenwerke in Lousado, Hefei, Puchov und Korbach haben bereits das Nachhaltigkeitszertifikat „International Sustainability and Carbon Certification“ (ISCC) erhalten.

Naturkautschuk, recycelter Stahl und PET-Flaschen

Ein wesentlicher Bestandteil von Reifen ist Naturkautschuk, der traditionell aus Kautschukbäumen gewonnen wird. Dieser stellt für Continental ein nachhaltiges Produktionsmaterial dar, wenn Anbau und Beschaffung umweltverträglich sowie verantwortungsbewusst erfolgen.

Um dies zu gewährleisten, verfolgt der Reifenhersteller einen ganzheitlichen Ansatz, der innovative Technologien, Digitalisierung, lokales Engagement beim Kautschukanbau sowie eine systematische Risikokartierung umfasst. In der Reifenproduktion kommen zudem textile Gewebe aus verschiedenen Polyesterarten zum Einsatz, die die Festigkeit und Haltbarkeit eines Reifens erhöhen. Entscheidend ist, dass diese auch unter hoher Belastung und bei hohen Temperaturen formstabil bleiben und so für Sicherheit bei allen Fahrgeschwindigkeiten sorgen.

Continental setzt hier zum Beispiel auf recycelte Kunststoffe wie die eigens entwickelte ContiRe.Tex-Technologie, bei der recycelte PET-Flaschen ohne chemische Zwischenschritte aufbereitet werden. Das innovative Material wird bereits seit 2022 in der Reifenproduktion von Continental eingesetzt und ist ebenso stabil und aufgrund seiner Bruchfestigkeit, Zähigkeit und thermischen Stabilität besonders gut für den Einsatz in Reifen geeignet.

Auch herkömmlichen Stahl und Silica ersetzt Continental zunehmend durch nachhaltigere Alternativen. So verwendet der Reifenhersteller vermehrt recycelten Stahl aus Metallschrott, etwa für Wulstdrähte oder Karkassenverstärkungen. Der Füllstoff Silica – mitverantwortlich für Grip, besonders geringen Rollwiderstand und hohe Laufleistung – wird nun statt nur aus Quarzsand auch aus der Asche von Reishülsen gewonnen. Reishülsen sind ein Abfallprodukt der Reisproduktion, das weder als Nahrungsmittel noch als Tierfutter Verwendung findet. Auch Haftsysteme und Zusatzstoffe werden durch nachhaltigere Alternativen ersetzt: Bereits seit 2019 verwendet Continental statt der herkömmlichen Substanzen Formaldehyd und Resorcin eine eigens entwickelte, innovative Textilbeschichtung namens Cokoon, um textile Komponenten und Gummimischungen leistungsstark und umweltschonend zu verbinden.

Bei der Vulkanisation wird Rohkautschuk in biegsamen und elastischen Kautschuk umgewandelt. Um zu verhindern, dass Sauerstoff oder Wärme die Eigenschaften der Reifen während dieses Prozesses verändern, sind bestimmte Zusatzstoffe in der Reifenmischung notwendig. Auch hier setzt Continental zunehmend nachhaltigere Lösungen ein, die aus nachwachsenden Rohstoffen stammen oder recycelte Materialien enthalten.

Quelle: Continental – Pressemitteilung vom 05.06.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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