Insolvenz bei Nextmove: Was Kunden jetzt wissen müssen

Insolvenz bei Nextmove: Was Kunden jetzt wissen müssen
Copyright:

shutterstock / 2353895955

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Nextmove, nach eigener Darstellung Deutschlands führende Elektroauto-Vermietung, ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Erfurt hat am 1. Juni ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter, das Unternehmen soll saniert werden, wie das Branchenportal Electrive berichtet.

Bereits seit dem 7. April gilt Nextmove als insolventes Unternehmen, wie aus einer öffentlichen Bekanntmachung des Gerichts hervorgeht. Als Sachwalter wurde der Erfurter Rechtsanwalt Marlon Foit bestellt. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung übernimmt die bisherige Geschäftsführung selbst die Sanierung, während der Sachwalter eine kontrollierende und beratende Funktion übernimmt.

Geschäftsführerin ist seit Beginn dieses Jahres Silvia Berger. Sie übernahm die Leitung von Frank Bollenbach und Stefan Moeller, die im Februar ausgeschieden sind. Letzterer ist in der Elektromobilitätsbranche auch als Betreiber des gleichnamigen YouTube-Kanals bekannt. Das Unternehmen mit Sitz im thüringischen Arnstadt entstand 2016 aus der Zusammenlegung des Anbieters Strominator und der CYX mobile KG. Bundesweit unterhält Nextmove zehn Standorte, teils in Eigenregie, teils über Partner.

Transporter als Achillesferse des Nextmove-Geschäftsmodells

Das Geschäftsmodell fußte lange auf dem wachsenden Interesse an Elektromobilität: Viele Interessenten nutzten Nextmove-Fahrzeuge für Probefahrten, bevor sie sich ein eigenes E-Auto anschafften. Hinzu kamen Kurz- und Langzeitmieten sowie Abo-Modelle. Zuletzt erweiterte das Unternehmen sein Angebot um elektrische Transporter, vorwiegend der chinesischen Marke Maxus.

Genau diese Ausrichtung dürfte maßgeblich zur finanziellen Schieflage beigetragen haben. Laut Folker Hochmuth, dem Verfahrensbevollmächtigten von Nextmove, traten die Zahlungsschwierigkeiten im ersten Quartal 2026 auf, und das „entgegen dem Zuwachs in der Elektromobilität“. Als Ursache nennt Hochmuth „die übermäßige Fokussierung im Vermietergeschäft auf Transporterfahrzeuge“. Während die E-Auto-Zulassungszahlen in Deutschland stiegen, geriet Nextmove unter Druck.

Für Kund:innen hat das laufende Verfahren nach aktuellem Stand keine unmittelbaren Konsequenzen. Das Insolvenzgericht habe „mit der Verfahrenseröffnung in Eigenverwaltung Vertrauen in die dargelegten Sanierungsmöglichkeiten gesetzt“, so Hochmuth. Der Betrieb gehe weiter, wobei „Standortveränderungen vollzogen und Kooperationen gesucht werden“. Teil der Neuausrichtung ist auch eine Anpassung der Fahrzeugflotte mit einer stärkeren Gewichtung auf Pkw-Vermietungen.

Zur Zukunft des YouTube-Kanals äußerte sich Hochmuth ebenfalls: Dieser sei ein wichtiger Bestandteil des Geschäfts, „der weiter erhalten werden und dem Publikum fachkundige Informationen liefern soll“. Ob und in welcher Form eine nachhaltige Sanierung gelingt, bleibt abzuwarten.

Quelle: Electrive – Nextmove tritt Insolvenz in Eigenverwaltung an

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Studie: Weiteres Krisenjahr für deutsche Automobilindustrie

Studie: Weiteres Krisenjahr für deutsche Automobilindustrie

Maria Glaser  —  

Turbulenzen auf dem Automobilmarkt belasten deutsche Autohersteller, die im ersten Quartal Verluste von 4 Prozent gemacht haben.

Fiat bringt Grizzly und Grizzly Fastback nach Europa

Fiat bringt Grizzly und Grizzly Fastback nach Europa

Sebastian Henßler  —  

Fiat stellt den Grizzly und Grizzly Fastback vor: zwei kompakte SUVs unter 4,50 Metern, beide auch als E-Auto. Der Europa-Start ist noch für 2026 geplant.

Polestar: Pilotprojekt für bidirektionales Laden

Polestar: Pilotprojekt für bidirektionales Laden

Maria Glaser  —  

Polestar und Clever erproben in Dänemark ein neues Projekt, bei dem Elektroautos als Powerbank für Privathaushalte und das Stromnetz genutzt werden.

Bayern nimmt Förderung von Ladeinfrastruktur wieder auf

Bayern nimmt Förderung von Ladeinfrastruktur wieder auf

Daniel Krenzer  —  

Bayern startet eine neue Förderung für Ladeinfrastruktur bis 2029. Gefördert werden öffentliche Ladepunkte, Netzanschlüsse und Lastmanagement.

Sunderland-Deal zwischen Nissan und Chery

Sunderland-Deal zwischen Nissan und Chery

Maria Glaser  —  

Nach der Ankündigung im April, dass Nissan und Chery eine Zusammenarbeit im britischen Nissan-Werk Sunderland erwägen, wurde der Deal nun konkret.

DHL baut Batterielogistik-Hub in Niederlanden auf

DHL baut Batterielogistik-Hub in Niederlanden auf

Michael Neißendorfer  —  

Der Standort umfasst 17.000 Quadratmeter Lager- und Servicefläche für Hochvoltbatterien, eng verzahnt mit dem benachbarten Automobilhub von DHL Supply Chain.