Beim öffentlichen Laden von Elektroautos geht es längst nicht mehr nur darum, ob eine Ladesäule funktioniert und wie viel Leistung sie bietet. Auch Standortqualität, Bedienung, Bezahlung, Service und die zugehörigen Apps spielen eine wichtige und immer größere Rolle. Der aktuelle Ladenetztest von Connect zeigt dabei weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Anbietern. In Deutschland setzen sich Aral Pulse bei den Ladepunktbetreibern und EnBW Mobility+ bei den Elektromobilitäts-Service-Providern durch.
Für den diesjährigen Test waren die Tester zwischen Ende Juli und Anfang September 2026 mit Elektroautos in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und Belgien unterwegs. Allein die deutsche Testroute wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich ausgeweitet. Bei den Charge Point Operators, kurz CPO, wurden unter anderem Erreichbarkeit und Ausstattung der Standorte, Bedienung der Ladesäulen, Bezahlmöglichkeiten und Service bewertet.
In Deutschland erzielt Aral Pulse mit 853 von maximal 1000 Punkten das beste Ergebnis und erhält als einziger Betreiber die Note „sehr gut“. Dahinter folgen EnBW mit 831 Punkten und Ionity mit 808 Punkten, beide mit der Bewertung „gut“. Ebenfalls noch mit „gut“ schneidet Mer mit 784 Punkten ab. Die übrigen getesteten Anbieter landen im Bereich „befriedigend“.
Tankstellen-Standorte haben Vorteile
Aral Pulse bestätigt damit seine starke Position der vergangenen Jahre. Positiv ins Gewicht fällt unter anderem, dass viele Schnellladepunkte mit bestehender Tankstellen-Infrastruktur verbunden sind. Toiletten, Shops oder Verpflegungsmöglichkeiten sind dadurch häufig direkt vorhanden. EnBW profitiert wiederum von seinem großen Schnellladenetz und zunehmend größeren Ladeparks. Ionity punktet vor allem mit leistungsfähiger Schnellladetechnik.
Der Test zeigt zugleich, dass selbst bei den besten Anbietern noch Verbesserungsbedarf besteht. Vergleichsweise schwach fällt beispielsweise die Bewertung beim barrierefreien Laden aus. Auch beim Kabelmanagement sehen die Tester bei vielen Standorten Luft nach oben. Deutlich besser sieht es bei grundlegender Funktionalität, Anzeige der wichtigsten Ladedaten sowie den inzwischen verbreiteten Bezahlmöglichkeiten aus.
Getrennt davon wurden auch die Elektromobilitäts-Service-Provider, kurz eMSP, untersucht. Dabei geht es weniger um die physische Ladesäule als um Apps, Ladekarten, Abrechnung und die digitale Nutzererfahrung über verschiedene Ladenetze hinweg. Hier setzt sich EnBW Mobility+ mit 851 Punkten an die Spitze und erhält ebenfalls als einziger Anbieter die Note „sehr gut“. EWE Go folgt mit 824 Punkten und der Bewertung „gut“. Dahinter liegen Plugsurfing mit 768 und Charge Now mit 754 Punkten. Aral Pulse, Maingau und Shell Recharge erreichen im eMSP-Vergleich jeweils ein „befriedigend“.
App von EnBW überzeugt
Besonders groß sind die Unterschiede beim Funktionsumfang der Apps. EnBW Mobility+ erreicht hier 410 von möglichen 500 Punkten und liegt damit vor EWE Go. Unterschiede zeigen sich etwa bei Routenplanung, Filtern für Ladepunkte, Rechnungsverwaltung oder der Anzeige von Echtzeitinformationen während des Ladevorgangs. Nicht jede App zeigt beispielsweise die aktuell anliegende Ladeleistung an.
Auch der Blick ins europäische Ausland zeigt, dass sich inzwischen mehrere starke Schnellladenetze etabliert haben. In Österreich setzt sich Smatrics EnBW durch, in der Schweiz liegt Ionity vorne. In Frankreich erreicht Electra das beste Ergebnis. Besonders stark schneidet Fastned „zuhause“ in den Niederlanden ab. Mit 866 Punkten erzielt der Anbieter dort sogar einen höheren Wert als Aral Pulse in Deutschland. Auch in Belgien liegt Fastned an der Spitze. Die niederländischen Ladeparks fallen unter anderem durch ihre vergleichsweise umfangreiche Ausstattung und ihre auf längere Aufenthalte ausgelegte Gestaltung auf.
Insgesamt zeigt der Ladenetztest, wie sehr sich die Qualitätskriterien beim Schnellladen verschoben haben. Die reine Ladeleistung bleibt wichtig, entscheidet aber immer seltener allein über ein gutes, unkompliziertes Nutzererlebnis. Mit wachsendem Wettbewerb werden Standortgestaltung, zuverlässige Apps, einfache Bezahlung und Aufenthaltsqualität zunehmend zu Faktoren, mit denen sich die Betreiber voneinander abheben können.
Quelle: contact – Ladenetztest 2026: Elektro-Mobilitätsprovider (eMSP) & Ladepunkt-Betreiber (CPO) im Test









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