Kortmann: CO2-armer Beton für moderne Ladeinfrastruktur

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Kortmann GmbH & Co. KG

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

In der neusten Podcast-Folge ist Julian Krümpel zu Gast, Geschäftsführer der Kortmann Gruppe. Eingeladen haben wir ihn, um über den Zusammenhang von Beton und E-Mobilität zu sprechen. Die Kortmann Gruppe, ein mittelständisches Familienunternehmen aus Niedersachsen, produziert seit 30 Jahren ein Baukastensystem aus Beton, das an nahezu jeder Tankstelle verwendet wird. Doch man will auch in die Zukunft blicken.

Daher hat sich das Unternehmen dazu entschieden, sich auf nachhaltige Produktfelder zu konzentrieren. Vor etwa fünf bis sechs Jahren entstand die Idee, sich auf Ladeinfrastruktur zu konzentrieren, als Julian und sein Partner Henning Kortmann erkannten, dass die Nachfrage nach traditionellen Tankstellenprodukten möglicherweise sinken würde. Die Entscheidung, in den Bereich der Ladeinfrastruktur einzusteigen, startete durch eine Zusammenarbeit mit dem damaligen Start-Up Ionity. Diese Kooperation führte zur Entwicklung eines speziellen Fundamentsystems für Ladeinfrastruktur, das nun europaweit eingesetzt wird.

Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Herausforderung, Beton nachhaltiger zu gestalten. Beton hat traditionell einen hohen CO₂-Fußabdruck, hauptsächlich durch die Zementherstellung. Die Kortmann Gruppe hat in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen, um ihren CO₂-Ausstoß zu senken, darunter die Nutzung von PV-Anlagen und recyceltem Beton im eigenen Produktionsprozess.

Ein bedeutender Durchbruch war die Entwicklung eines geopolymeren Betons, der ohne Zement auskommt und den CO₂-Footprint um bis zu 75 Prozent reduziert. Dieser Beton wird aus speziellen Gesteinsmehlen und Chemikalien hergestellt, die zwar teurer sind, aber in der Endanwendung große Vorteile bieten. Die Einführung dieses neuen Materials bedeutet, dass Fundamente für Ladeinfrastruktur jetzt nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch schneller aushärtend sind, was den Produktionsprozess effizienter macht.

Trotz der deutlichen CO₂-Reduktion und der technischen Vorteile stellt sich die Frage nach der Marktakzeptanz. Der geopolymeren Beton ist in der Herstellung teurer, was sich auf den Preis der Fundamente auswirkt. Allerdings betonte Julian, dass dieser Aufpreis im Vergleich zu den Gesamtkosten eines Ladeparks marginal ist. So kostet ein solches Fundament etwa 25 bis 30 Prozent mehr, was bei einem Produkt, das nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten eines Ladeparks ausmacht, fast unerheblich ist. Der geopolymeren Beton wird vor allem in Deutschland bisher nicht aktiv nachgefragt, während in den Niederlanden bereits ein stärkeres Interesse besteht. Dies zeigt, dass die Wahrnehmung und der Bedarf an nachhaltigen Baumaterialien in Europa unterschiedlich ausgeprägt sind.

Auf die Frage, ob der geopolymeren Beton auch für größere Projekte wie Windkraftanlagen genutzt werden kann, erklärte Julian, dass dies aktuell nicht möglich sei. Die Normen und Standards für Beton in solchen Anwendungen seien sehr streng, und geopolymerer Beton sei bisher nicht breit genug anerkannt. Derzeit ist der Einsatz von Geopolymer-Beton auf Nischenmärkte beschränkt, in denen die Kortmann Gruppe jedoch bereits jetzt einen Wettbewerbsvorteil hat.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den Julian ansprach, ist das Recycling von Beton. Die Kortmann Gruppe verwendet Betonabfälle und Produkt-Rückläufe, um daraus neuen Beton zu produzieren. Dies verringert nicht nur den Materialverbrauch, sondern senkt auch den CO₂-Ausstoß. Allerdings gibt es hier logistische Herausforderungen, besonders bei der Rückführung von Beton aus entfernten Baustellen. Die Betonstücke von abgebauten Ladeinfrastruktur-Fundamenten werden selten über weite Strecken transportiert, da die Frachtkosten den Wert des Materials übersteigen würden. Daher bleibt das Recycling von Beton hauptsächlich auf regionale Märkte beschränkt.

Julian zeigt sich zuversichtlich, dass die Kortmann Gruppe durch Innovation und Nachhaltigkeit einen wichtigen Beitrag zur E-Mobilität leisten kann. Auch wenn der Markt für grüne Technologien und Materialien in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, ist das Potenzial für Wachstum und Weiterentwicklung groß. Im Detail erfährst du noch wesentlich mehr aus dem Podcast. Also los, hineinhören!

Gerne kannst du mir auch weitere Fragen zur E-Mobilität per Mail zukommen lassen, die dich im Alltag beschäftigen. Die Antwort darauf könnte auch für andere Hörer:innen des Podcasts von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Jörg. T. Emrich:

@JM Googeln erbrachte:
„Beton kostet, abhängig von der Betonart und Festigkeitsklasse zwischen 65 bis 140 €/m³. Zusatzstoffe und besondere Eigenschaften lassen die Kosten für Beton weiter ansteigen.“ https://www.schwenk.de
„Was kostet wasserdichter Beton?
Die Preise für WU-Beton pro Kubikmeter variieren außerdem – je nachdem, in welcher Region Sie leben. Die Preise liegen bei 100 und 150 Euro.“ http://www.listando.de
Für das Fundament einer Ladesäule wird man wohl wasserdichten Beton bevorzugen.
Zitat aus dem Artikel: „Der geopolymere[n] Beton ist in der Herstellung teurer, was sich auf den Preis der Fundamente auswirkt. Allerdings betonte Julian, dass dieser Aufpreis im Vergleich zu den Gesamtkosten eines Ladeparks marginal ist. So kostet ein solches Fundament etwa 25 bis 30 Prozent mehr, …“, also darf man wohl 30 % auf den Preis von Standardbeton aufschlagen. Allerdings soll der Geopolymer-Beton eine größere Stabilität als herkömmlicher besitzen, sodass man evtl. mit weniger Masse auskommt, und diese 30 % Mehraufwand das schon beinhalten, also man nicht 1:1 gegenüberstellen kann.

steinpilz:

So kostet ein solches Fundament etwa 25 bis 30 Prozent mehr

Jochen Meyn:

Was kostet denn 1 m³ „normaler“ Beton und was kostet 1 m³ von diesem alternativen Beton in der Herstellung, damit man mal ein Gespühr dafür bekommt von welchen Grössenordenungen wir eigentlich reden.

Daniel W.:

Das CO2-arme Fundament von einigen Ladesäule wird das Klima nicht retten, da müsste man bei den riesigen Menge von Beton im Gebäudebau ansetzen.

Den Podcast habe ich mir erspart – teure CO2-Kosmetik im Kleinen, dabei gibt es genug große Probleme, die mit Nachdruck angegangen werden sollten.

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