Wie VW-Boss Herbert Diess die „Wette auf E-Mobilität“ verteidigt

Wie VW-Boss Herbert Diess die „Wette auf E-Mobilität“ verteidigt
Copyright:

VW AG

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Immer wieder lese er von einer „Wette auf E-Mobilität“, schreibt VWs Vorstandsvorsitzender Herbert Diess in seinem neuesten Beitrag auf dem Karriereportal Linkedin, wo er sich regelmäßig zu Wort meldet und nun die Kritik an VWs Fokus auf die Batterie-elektrische Mobilität entkräften will. Dies sei „eine sehr oberflächliche Einschätzung“, findet er: „Ein Vorstandsteam, das für 670.000 Arbeitsplätze weltweit verantwortlich ist, schließt selbstverständlich keine Wetten ab! Auch nicht auf die E-Mobilität“, schreibt er. Die Entscheidung für den elektrischen Antrieb, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und damit die Klimaziele zu erreichen, sei eine „sehr rationale und faktenbasierte“ Entscheidung.

Anhand des VW Golf, dem Bestseller von Volkswagen in Europa, vergleicht er eine Vielzahl verschiedener Antriebskonzepte – Diesel, Benziner, Gasantrieb, Mild-Hybride, Plug-in-Hybride und rein elektrisch – und ihre Auswirkungen auf den Ressourcenverbrauch sowie den CO2-Haushalt des Planeten.

CO2-Ziele für 2030 „mit Verbrennern definitiv nicht erreichbar“

Diess zufolge könne man selbst „mit den neuesten und allen absehbaren zukünftigen rein verbrennungsmotorischen Konzepten weder mit Dieseln noch Benzinern bei vertretbarem Komfort und Sicherheitsanforderungen die EU-Flottenziele und damit auch die Klimaziele erreichen“. Das aktuelle Ziel, das für bei VW bei 99 Gramm liegt, verfehle der Hersteller mit ihnen knapp. Das Ziel für 2030, das in der EU bei voraussichtlich rund 55 Gramm liegen wird, sei „mit Verbrennern definitiv nicht erreichbar“. Selbst dann nicht, wenn man einen Kleinstwagen wie den VW Up heranziehe und diesen in Komfort und Ausstattung weiter reduziert. Selbst eine Hybridisierung mit einem zusätzlichen 48 Volt Mildhybrid-System reiche nicht, „um in die Nähe der Flottenziele und damit CO2-Ziele zu kommen“, so Diess auf Linkedin. Auch Erdgas als alternativer Antrieb habe kennen nennenswerten CO2-Vorteil und rechtfertige den hohen Aufwand für die Unternehmen nicht, diese Fahrzeuge zu entwickeln und zu produzieren.

Deutliche Effekte über die Flottenziele hinaus“ seien „nur durch Zufuhr von CO2-freier elektrischer Energie“ zu erreichen. Sprich mit Plug-in Hybriden oder reinen Elektroautos. Klar sei, dass auch Ökostrom geladen werden muss, damit ein klarer Vorteil beim CO2-Ausstoß erreicht werden kann: „Der Strom muss sauber sein, nur so wird auch das E-Auto wirklich sinnvoll“, so Diess. Die Branche sei nun an einem Punkt angekommen, wo die E-Mobilität „perspektivisch noch günstiger“ werde, „nicht nur in der Herstellung, sondern auch für die Kundinnen und Kunden im Unterhalt.“ Die Kraftstoffkosten etwa sollen dank einigen Innovationen und erhofften politischen Fördermaßnahmen mittelfristig auf gut vier Euro je 100 Kilometer sinken, erklärt Diess. „Ein Wert, der mit fossilen Kraftstoffen nicht erreichbar ist.

Auch bei Batterien, oft als CO2-intensiv und Rohstoffverschwendung verschrieen, stehen (nicht nur) Diess zufolge bahnbrechende Innovationen bevor. So sollen sie nicht nur deutlich länger halten und nach ihrem Einsatz in einem Pkw noch viele Jahre lang in Second-Life-Anwendungen genutzt werden können. Dank effizientem Recycling sollen sie und ihre wertvollen Rohstoffe „bald zu 99 Prozent in Kreislaufwirtschaft betrieben“ werden können.

Elektroautos sollen zudem – und auch hier ist Diess mit seiner Einschätzung nicht allein – „den Umbau auf CO2 freie Energieerzeugung beschleunigen“, da sie in der Flotte als Speicher wirken können, „der überschüssige regenerativ hergestellte Energiespitzen aus Wind und Sonne abnimmt.

Was gegen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe spricht

Gegen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe als Alternativen zum Batterie-Elektroauto spreche deren deutlich schlechtere Energiebilanz: „Für die Herstellung muss ein Vielfaches an erneuerbaren Energien verwendet werden als beim E-Antrieb“, so Diess. Auf absehbare Zeit werde sich das auch nicht ändern, meint VWs Vorstandsboss. Synthetische Kraftstoffe werde man allerdings dort benötigen, „wo Elektrifizierung unmöglich ist z.B. bei Flugzeugen oder in der Schifffahrt – oder vielleicht in vielen Jahren, wenn alles elektrisch fährt für unsere Oldtimer – die wir ja nicht aufgeben wollen.“

E-Mobilität ist die einzig vernünftige Lösung“, resümiert Diess: „Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, haben wir keine Zeit, weiter zu warten und über mögliche Technologien zu diskutieren, für die heute wesentliche Grundlagen fehlen und selbst einer optimistischen qualifizierten Abschätzung nicht standhalten“, schreibt er. Zudem sei es „gefährlich, Zeit und Ressourcen zu verschwenden in Projekte, die ohne Aussicht auf Erfolg starten.“

Die Branche müsse „den Wandel mit der Technologie vorantreiben, die die Klimaziele am zuverlässigsten, nachhaltigsten und wirtschaftlichsten erreicht“, so Diess. Für den Straßenverkehr sei das die Elektrifizierung, die schon heute alltagstauglich und in der Masse verfügbar ist.

Quelle: Herbert Diess auf Linkedin – Die Entscheidung für den E-Antrieb

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Tobias Stahl  —  

Laut BloombergNEF fährt 2026 bereits jeder vierte Neuwagen elektrisch. Bis 2035 soll der Anteil auf über 50 Prozent steigen – doch einzelne Länder könnten zurückfallen.

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Sebastian Henßler  —  

Die Automechanika Frankfurt öffnet im September ihre Tore. 4500 Aussteller, neue KI-Formate und ein Rekord bei den Innovation Awards erwarten die Branche.

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Eine VDA-Umfrage unter 116 Unternehmen zeigt, dass sich die Geschäftslage im automobilen Mittelstand deutlich verschlechtert hat.

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

Sebastian Henßler  —  

Chinesische Autobauer sichern sich Produktionsstandorte in Europa, bevor ein neues EU-Gesetz Direktinvestitionen aus China erschwert.

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

Sebastian Henßler  —  

Nicht Zeitpläne, sondern technische Durchbrüche entscheiden über die Zukunft der Festkörperbatterie. CATL-Chef Zeng erklärt, wo die Technologie heute steht.

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Sebastian Henßler  —  

Harald Schlarb war 36 Jahre bei Mercedes, baute die Tesla-Gigafactory mit auf – und erklärt, warum deutsche Firmen das Risiko wieder lernen müssen.