Wie viel kostet Lithium? Branchenexperten scheinen sich nicht einig zu sein.

Wie viel kostet Lithium? Branchenexperten scheinen sich nicht einig zu sein.
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Im Mai gab die chinesische Regierung zu verstehen, dass ein neuer technologischer Durchbruch die Lithium-Produktionspreise auf ein Rekordtief senkt. Dies kann durchaus einen großen Einfluss auf die Kosten für Elektroautobatterien haben und somit die Verkaufspreise von E-Autos am Markt.

Doch so richtig transparent ist der Lithium-Markt eben nicht. Was kostet Lithium nun wirklich? Branchenexperten scheinen sich nicht einig zu sein und wollen sich der Antwort auf diese Frage im Rahmen von Gesprächen näheren. Im Gegensatz zu Kupfer oder anderen Metallen, die zur Herstellung von Elektroautos verwendet werden, gibt es für Lithium keinen Handelspreis. Hierdurch ist es Investoren, Kunden, Analysten und Führungskräfte der Branche nicht wirklich möglich ein volles Verständnis für den globalen Markt zu entwickeln.

Fürs Erste greift die Industrie auf alles zurück, was sie finden kann, mit Daten, die über die Preise für Spodumen, ein Hartgestein mit Lithium, die Preise für Hydroxid oder Carbonat, die beiden wichtigsten Arten von Lithium, die in Batterien verwendet werden, oder die Preise, die von Batterieherstellern in ganz China, Japan und Südkorea bezahlt werden.

„Man ist fast gezwungen, nur den Durchschnitt der Preisschätzungen zu nehmen, die es gibt“, sagte James Calaway, Chairman von ioneer Ltd, das ein Lithium-Projekt in Nevada entwickelt. Während die Spotpreise in China seit Januar aufgrund der Unsicherheit über die Subventionen für Elektrofahrzeuge zweistellig gesunken sind, spiegeln diese Preise nur einen Teil der globalen Nachfrage wider.

Einige Unternehmen, darunter der weltweit führende Albemarle Corp., verkaufen fast ihr gesamtes Lithium über langfristige Verträge und werden nicht von den chinesischen Spotpreisen beeinflusst, ein Unterschied, der vielen nicht bekannt ist. Denn wahrgenommen wird nur der chinesische Markt, welcher entsprechend im Scheinwerferlicht steht.

SQM, das langfristige Verträge vermeidet, sagte, dass die Lithiumpreise im ersten Quartal um 11 Prozent gesunken seien, was dazu führte, dass die Expansionspläne in Chiles Atacama-Wüste unterbrochen wurden. Livent Corp, das in Argentinien tätig ist, senkte seine Prognose für 2019 und warnte davor, dass die Nachfrage nach einer Version von Lithium, die in China produziert wird, nachlässt und Produkte an andere Orte verkaufen würde.

Seit Januar sind die Aktien von SQM um 19 Prozent gesunken und die Aktien von Livent haben 53 Prozent verloren. Was unter anderem daran liegt, dass Investoren „die Branche auf der Grundlage des Schlimmsten, was sie von nur einer Handvoll Unternehmen hören“ bewerten, „weil sie keinen Benchmark-Preis haben, um eine Analyse durchzuführen“, so Ernie Ortiz, Präsident von Lithium Royalty Corp, einer Tochtergesellschaft von Waratah Capital Advisors, die Lithium-Lizenzrechte erwirbt.

Trotz der Preisunsicherheit steigt die Nachfrage jedoch an. Toyota Motor Corp, zum Beispiel, plant, bis 2025 die Hälfte seines weltweiten Umsatzes mit Elektrofahrzeugen zu erzielen. Auch andere Automobilhersteller sichern sich bereits entsprechende Lithium-Lieferverträge.

„Mehr Transparenz ist dringend erforderlich“, sagte Jake Fraser, Metallanalyst bei Roskill. Ein gehandelter Lithiumpreis würde die Gespräche mit potenziellen Kunden oder Finanziers erheblich erleichtern, sagte Carlos Vicens, Finanzchef bei Neo Lithium, das eine argentinische Lithiumlagerstätte entwickelt. „Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, einen Finanzier, einen strategischen Partner zu gewinnen, um dieses Projekt so schnell wie möglich in Bau zu nehmen“, sagte Vicens.

Man wird abwarten müssen, wo es hingeht. Sowohl mit den eingesetzten Materialien in den Batterien. Als auch deren Preise. So hat die Demokratische Republik Kongo Kobalt zu einer „strategischen Substanz“ erklärt. In diesem Zug hat man die Lizenzgebühren für Kobalt von 3,5 auf 10 Prozent erhöht. Bereits im Sommer war der Prozentsatz von 2 auf 3,5 Prozent erhöht worden. Die Entwicklung kobaltfreier Batterien bzw. Batterien mit weniger Kobalt-Anteil erscheint daher durchaus nachvollziehbar.

Quelle: Reuters – How much does lithium cost? The industry can’t seem to agree

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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