Warum sich Seat mit Elektroautos noch Zeit lässt

Warum sich Seat mit Elektroautos noch Zeit lässt
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CUPRA

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Die zum VW-Konzern gehörige Automarke Seat will sich mit der Einführung von Elektroautos noch etwas Zeit lassen, bis die Komponenten- und Entwicklungs-Kosten gesunken sind. Zunächst stehe in Sachen Elektrifizierung Seats Performance-Ableger Cupra im Fokus. „Im Moment ist die Elektrifizierung immer noch ein bisschen teuer. Wir sind der Meinung, dass wir uns auf die Elektrifizierung von Cupra konzentrieren sollten. Wenn die Preise für Komponenten wie Batterien und Elektromotoren gesunken sind, können wir in Betracht ziehen, wieder über Seat zu sprechen“, sagte Werner Tietz, der bei Seat die Forschung und Entwicklung leitet, in einem Gespräch mit Autocar.

Seat hat seit dem Leon im Jahr 2020 kein neues Auto mehr auf den Markt gebracht. Den rein elektrischen Seat Mii, baugleich mit dem VW e-Up und dem Skoda Citigo-e, gab es Anfang 2020 nur für kurze Zeit. Und der El-Born, ein Elektroauto im Golf-Format und eng mit dem VW ID.3 verwandt, wurde dann doch von Cupra aufgelegt anstatt wie ursprünglich geplant von Seat. Der Hauptgrund dürfte darin liegen, dass Cupra als Performance-Marke höhere Preise aufrufen kann als die für eher günstigere Fahrzeuge bekannte Marke Seat.

Cupra jedenfalls profitiert von der Einführung von E-Autos und verzeichnet weltweit hohe Wachstumsraten. Seat hingegen ist bei zukünftigen Produktplänen nicht die Priorität bei den Spaniern: „Jetzt ist es Zeit für Cupra und auch dafür, Cupra zu elektrifizieren“, so Tietz hierzu. Seat könnte bei seiner Elektrifizierung wie auch Cupra auf die MEB-Architektur des VW-Konzerns zugreifen sowie die neue SSP-Architektur, die ab 2025 eingeführt werden soll.

Dass sich Seat und Cupra in Sachen Zielgruppe in die Quere kommen könnten, befürchtet Tietz indes nicht: Die beiden Marken zielen jeweils auf „eine völlig andere Art von Kunden“ ab, so der Entwicklungsleiter: „Wir haben eine sehr kleine Überlappung von 10 bis 15 Prozent zwischen Seat und Cupra-Kunden. Auch im Volkswagen Konzern gibt es fast keine Überschneidungen mit anderen Marken. Die Cupra-Kunden sind komplett anders“, sagt Tietz

Details oder zumindest Andeutungen über zukünftige E-Autos von Seat bleiben weiterhin unter Verschluss. Gerüchteweise sollen die Spanier planen, zunächst einige der ältesten Modelle in ihrem Portfolio durch elektrifizierte Modelle zu ersetzen. Der Crossover Seat Ateca zum Beispiel ist seit 2016 im Verkauf und die Schwestermodelle Seat Ibiza und Seat Arona bereits seit 2017.

Quelle: Autocar – Seat electric cars on the cards once costs come down

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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