Stellt VW Produktion in Wolfsburg infrage?

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Daniel Krenzer
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Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen prüft offenbar weitreichende Veränderungen seiner Produktionsstrategie – inklusive der Möglichkeit, das traditionsreiche Stammwerk in Wolfsburg langfristig aufzugeben. Das berichtet zumindest das Wirtschaftsmagazin Business Insider unter Berufung auf interne Überlegungen.

Dem Bericht zufolge denkt VW über radikale Alternativen zum bisherigen Produktionsmodell nach. Grund dafür seien die tiefgreifenden Umbrüche in der Branche – etwa durch die zunehmende Elektromobilität, strengere CO₂-Vorgaben und die sinkende Nachfrage nach Autos in Europa. In diesem Zusammenhang werde hinterfragt, ob klassische Großwerke wie das in Wolfsburg künftig noch wirtschaftlich tragfähig sind.

Statt auf eigene Werke mit hohen Fixkosten zu setzen, könnten Automobilhersteller künftig verstärkt auf modulare und flexible Fertigungsmodelle umsteigen – etwa durch Partnerschaften mit Auftragsfertigern wie Magna Steyr in Graz. Diese könnten je nach Nachfrage und Modell flexibel produzieren, ohne dass ein Unternehmen dauerhaft eigene Kapazitäten vorhalten müsste. Zumindest für nicht allzu große Hersteller könnte dies ein denkbares Szenario sein. Bei großen Herstellern wie VW wäre dies aber durchaus ein überraschendes Szenario.

Eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company zeigt laut Ausführungen des Business Insiders jedoch: Eine überwältigende Mehrheit der europäischen Automobilhersteller prüft aktuell, ob eine Abkehr von eigenen Werken zugunsten externer Produktionslösungen sinnvoll ist. „Die klassischen Produktionsstrukturen werden auf den Prüfstand gestellt – auch bei einem Traditionskonzern wie Volkswagen“, heißt es weiter.

Neues Wolfsburg entsteht bereits in China

Konkrete Entscheidungen zur Schließung oder Umnutzung des Wolfsburger Werks seien laut Business Insider noch nicht gefallen. Vielmehr handele es sich derzeit um Machbarkeitsstudien und strategische Szenarien für die Zukunft. Wahrscheinlicher als eine komplette Schließung dürfte eine Verringerung der Kapazitäten oder Verschlankung der Fertigungsprozesse sein. Sehr gefallen dürfte es aber den VW-Mitarbeitern freilich nicht, dass dieses Damoklesschwert selbst über dem Mutterstandort schwebt.

Sollte VW diesen Schritt tatsächlich gehen, wäre es ein historischer Bruch – schließlich gilt Wolfsburg seit der Nachkriegszeit als Herz des Konzerns. Doch der Wandel der Industrie machte auch in der Vergangenheit bereits vor Ikonen anderer Branchen keinen Halt, wenn man zum Beispiel an Nokia denkt.

Dazu könnte zudem eine Meldung aus dem vergangenen August passen. VW will demnach seine Forschungs- und Entwicklungsressourcen für Elektroautos in China in die Provinz Anhui verlagern, wo das Unternehmen hoffe, im Norden der Provinzhauptstadt Hefei ein „Wolfsburg des Ostens“ zu bauen. Das berichtete das Fachportal CnEVpost unter Berufung auf lokale Medien. Durch die Konzentration der Entwicklungsarbeit für Elektroautos soll somit ein neues Wolfsburg des Ostens entstehen, berichten die lokalen Medien nicht ohne Stolz. Da könnte man schon auf die Idee kommen, zu spekulieren, dass VW am Ende sein altes Wolfsburg gar nicht mehr benötigen könnte.

Quelle: Business Insider – Keine eigenen Werke mehr in Europa? Was Autobauer insgeheim bereits prüfen

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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