VW arbeitet „intensiv“ an günstigen E-Autos wie ID.2 und ID.1

VW arbeitet „intensiv“ an günstigen E-Autos wie ID.2 und ID.1
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Anlässlich der Los Angeles Auto Show hat Volkswagen-Markenchef Thomas Schäfer, erst seit gut einem halben Jahr im Amt, ein Fazit gezogen zum Start der rein elektrischen ID.-Familie, sich zu künftigen endlich auch günstigeren E-Auto-Modellen geäußert und erklärt, warum Fahrzeuge wie der gute alte Polo schneller ausgemustert werden könnten, als viele meinen.

Über alle Modelle hinweg – vom Kompaktstromer ID.3 über die hochbeinigen SUV und Crossover ID.4, ID.5 und ID.6 bis zum Elektro-Bulli ID.Buzz – hat VW inzwischen die Marke von 500.000 ausgelieferten Fahrzeugen geknackt. Beim ID.Buzz liege der Anteil der Nutzfahrzeug-Variante Cargo mit gut 50 Prozent höher als erwartet. Für 2023 sollen beide Versionen des E-Bulli zusammen bereits mehr als 100.000 mal produziert werden.

Der ID.Buzz ist der aktuell teuerste Elektro-Wolfsburger. Was im Portfolio fehlt, ist ein günstiger Einstiegsstromer unterhalb des ID.3, der mindestens 38.000 Euro kostet. Ein deutlich preiswerteres Modell hatte VW zuletzt für 2025 angekündigt. Sollten sich die Rohstoffpreise stabilisieren, könne der anvisierte Preis von weniger als 25.000 Euro für den ID.2 gehalten werden, so Schäfer. „Das kann aber nicht das Ende der Fahnenstange sein“, ergänzte der Volkswagen-Chef im Gespräch mit Motor1. „Wir brauchen da auf jeden Fall noch etwas darunter“. Das sei „momentan wirtschaftlich schwierig, aber nicht unlösbar.“

Das dann wohl kleinste E-Auto von VW, das ID.1 heißen dürfte, soll ein Weltauto sein, damit es auch für eine breite Masse an Kunden in China, Indien und Südamerika interessant ist. Ein Billigheimer soll das Auto aber nicht werden, so Schäfer: Er stellt ein vollwertiges Auto in Aussicht, „ohne Abstriche bei Sicherheit oder das wir da irgendwelche Reichweiten hindengeln, die keiner mehr gebrauchen kann. Wenn wir da mit 100 Kilometer arbeiten, das ist ja Quatsch.“ VW arbeite bereits „intensiv“ an dem Fahrzeug, so der CEO der Marke.

„Wenn Euro 7 kommt, sind Fahrzeuge wie der Polo gar nicht mehr möglich“

Schäfer deutete an, dass es bei VW schon bald und womöglich deutlich früher als von Kaufinteressenten angenommen keine Kleinwagen mit Verbrennerantrieb mehr geben könnte; aufgrund der verschärften Abgasnorm Euro 7: „Wenn Euro 7 so kommt, wie wir es gehört haben, dann sind Fahrzeuge wie der Polo und in dieser Klasse gar nicht mehr möglich“, so der Manager. Ein Grund mehr, E-Autos wie den ID.2 und den ID.1 möglichst schnell auf die Straße zu bringen. „Alles auf Elektro“, wie Schäfer sagt.

Der komplette Abschied vom Verbrenner in Europa sei weiterhin für spätestens 2033 geplant. Dafür habe VW „einen starken Plan, da brauchen wir uns nicht verstecken. Sollen die anderen mal zeigen, was sie für ein Line-up haben“, so Schäfer. Alternativen zum Elektroantrieb wie E-Fuels seien höchstens eine Option, um die Bestandsflotte sowie Flugzeuge und Schiffe zu Dekarbonisieren und nicht, um das Leben des Verbrenner-Antriebs künstlich zu verlängern. Auch von Wasserstoff hält Schäfer zumindest im Pkw-Segment nicht viel: „Das Thema ist nicht trivial und es kostet ein Vermögen. Für Volumen halte ich das in absehbarer Zeit nicht für einsatzbereit.

Quelle: Motor1 – VW-Chef Schäfer: „Fahrzeuge wie der Polo dann nicht mehr möglich“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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