VW und Griechenland starten Projekt „Elektro-Insel“

VW und Griechenland starten Projekt „Elektro-Insel“
Copyright:

Volkswagen

Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
  —  Lesedauer 3 min

Die griechische Insel Astypalea soll zur Elektro-Insel werden. Das haben Volkswagen und die griechische Regierung vereinbart, meldet der Konzern. Das im Wortsinn spannende Experiment beginnt bereits am Flughafen mit einer brandneuen Ladesäule für E-Autos, geht aus einer Mitteilung hervor. Es seien die Anfänge einer Transformation, die Astypalea in den kommenden Jahren grundlegend verändern soll. Das langfristige Ziel sei eine Vorzeige-Insel für nachhaltige Mobilität und grüne Energie.

Zum offiziellen Start des Projekts kamen nun Volkswagen-Chef Herbert Diess und Premierminister Kyriakos Mitsotakis auf die Insel. Im Hauptort Chora überreichte Diess der örtlichen Polizei ihr neues Dienstfahrzeug: Der Volkswagen ID.4 ist das erste elektrische Polizeiauto Griechenlands. Auch die Hafenpolizei, die Flughafenbehörde und die Inselverwaltung sind ab sofort elektrisch unterwegs.

Zum Fuhrpark gehören neben E-Autos auch zwei eScooter von Seat MÓ. Es sind die ersten E-Fahrzeuge auf Astypalea, viele weitere sollen folgen. Der Verkauf an Privat- und Geschäftskunden soll Ende Juni starten. Im nächsten Schritt würden die neuen Mobilitätsdienste folgen, heißt es: Sowohl das vollelektrische Car-Sharing als auch der Ride-Sharing-Dienst befänden sich bereits in Vorbereitung.

Volkswagen Chef Diess betonte die Bedeutung des Projekts weit über Griechenland hinaus: „Astypalea ist ein Zukunftslabor für die Dekarbonisierung in Europa. Auf der Insel erforschen wir in Echtzeit, was die Menschen zum Umstieg auf die E-Mobilität bewegt und welche Anreize es für den Übergang zu einem nachhaltigen Lebensstil braucht.“ Die Erkenntnisse würden dazu beitragen, den Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität und grüner Energie in Griechenland zu beschleunigen. Weltweit gewinne der Klimaschutz enorm an Zugkraft. „Astypalea kann zu einer Blaupause für schnelle Veränderungen werden – befördert durch die enge Zusammenarbeit von Regierungen und Unternehmen.

Zur Transformation gehört nach Angaben von VW auch eine Energiewende hin zu regenerativ erzeugtem Strom. Bislang wird Astypalea nahezu ausschließlich mit Strom aus Diesel-Generatoren versorgt, die CO2-Emissionen belaufen sich auf fast 5000 Tonnen pro Jahr. Im Rahmen des Besuchs gab die griechische Regierung nun Einzelheiten zum neuen Energiesystem bekannt. Künftig soll der Strom vorwiegend aus Solarenergie stammen. In einem ersten Schritt werde bis 2023 ein Solarfeld mit einer Leistung von 3 Megawatt installiert. Damit können 100 Prozent der E-Fahrzeuge und bis zu 60 Prozent der gesamten Insel mit Grünstrom versorgt werden.

Zum neuen Energiesystem gehört laut VW auch eine Pufferbatterie mit 7 Megawattstunden Speicherkapazität, mit der das Netz ausbalanciert und die Solarenergie bestmöglich genutzt werden kann. In einem zweiten Schritt soll der Anteil regenerativer Energien bis 2026 weiter ausgebaut werden und künftig mehr als 80 Prozent des Strombedarfs decken. Mit dem neuen Energiesystem sinken nicht nur die CO2-Emissionen, sondern voraussichtlich auch die Energiekosten. Die griechische Regierung geht von mehr als 25 Prozent Einsparpotenzial aus.

Die Bedeutung des Projekts reicht weit über Griechenland hinaus, heißt es. Astypalea könne als einmaliges Zukunftslabor dienen: Wie im Zeitraffer ließen sich hier die Chancen und Herausforderungen beobachten, mit denen Regierungen weltweit bei der Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft konfrontiert sind.

Um diese Faktoren besser zu verstehen, wird das Projekt auch wissenschaftlich begleitet. Experten der Universität Strathclyde (Schottland) und der Universität der Ägäis (Griechenland) werden die Menschen auf Astypalea regelmäßig befragen und ihr Feedback zu den Veränderungen einholen. Die Studie soll dabei helfen, die Perspektive der Insel-Gemeinschaft systematisch einzubeziehen und ein grundsätzliches Verständnis des Transformationsprozesses zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen anschließend der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: VW – Pressemitteilung vom 2. Juni 2021

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.