So sieht Volkswagen die Logistik der Zukunft

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Auf dem Innovation Day in Hamburg präsentierte Volkswagen Truck & Bus neue Technologien und Produkte zum nachhaltigen Umbau der gesamten Logistikkette. Die Nutzfahrzeuggruppe mit den Marken MAN, Scania, Volkswagen Caminhões e Ônibus und RIO hat sich zum Ziel gesetzt, die Welt des Transports effizienter, umweltfreundlicher und sicherer zu machen. Dabei setzt das Unternehmen auf die drei richtungsweisenden Felder automatisiertes Fahren, Konnektivität und alternative, klimaschonende Antriebe.

Angesichts des weltweit massiv wachsenden Transportaufkommens und immer strengerer Emissionsvorschriften verlangen Kunden zunehmend nach solchen Lösungen. Effizienter und sauberer Transport schont die Umwelt und macht die Logistikunternehmen profitabler. Bei der Entwicklung bündelt Volkswagen Truck & Bus die Ressourcen seiner Marken, um Synergien zu nutzen und die jeweiligen Stärken der Marken einzubringen.

Automatisiertes Fahren: Mehr Sicherheit, weniger Emissionen

Automatisiertes Fahren bietet großes Potenzial, den Gütertransport im Straßenverkehr nachhaltiger zu gestalten. Der Weg zum autonom fahrenden Lkw im urbanen Ballungsgebiet wird über eine Vielzahl von Stufen gehen: Vom automatisierten Absicherungsfahrzeug in Autobahnbaustellen über den autonomen Muldenkipper in der Mine, von der autonom agierenden Zugmaschine in einem Hafenterminal bis zum Platoon im Fernverkehr auf der Autobahn.

Volkswagen Truck & Bus und seine Marken arbeiten an allen diesen Applikationen. Platoons der Marken MAN und Scania sind im Testeinsatz in ganz Europa unterwegs. Dabei bezeichnet der Begriff Platooning einen Konvoi von vernetzten, teilautonom fahrenden Lkw, bei dem der Fahrer des ersten Lkw Richtung und Geschwindigkeit vorgibt. Mit Hilfe des Windschattenfahrens lässt sich der Treibstoffverbrauch auf der Autobahn deutlich reduzieren. Die Unfallgefahr sinkt, die Fahrer der folgenden Lkw haben Zeit für andere Tätigkeiten, können aber jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen.

MAN wird in Zusammenarbeit mit DB Schenker ab Frühjahr 2018 die ersten Platoons auf dem digitalen Testfeld Autobahn A9 zwischen München und Nürnberg erproben. Scania beteiligt sich an einem Projekt in Singapur, wo Platoons über öffentliche Straßen zwischen zwei Hafenterminals verkehren sollen.

Ziel ist es, Kunden in einigen Jahren den vollautonomen Transport von Gütern und Personen im öffentlichen Raum in konkreten Produkten anbieten zu können. Dies wird nachhaltig zur Verbesserung des Verkehrsflusses und der Sicherheit im Straßenverkehr beitragen können. Autonomes Fahren im öffentlichen Straßenverkehr erfordert allerdings eine Änderung des rechtlichen Rahmens und die Errichtung der notwendigen Infrastruktur. Hier zählt das Unternehmen auf die Unterstützung der Politik. In abgegrenzten Bereichen ist das schon heute möglich.

Vollkommen autonom agierende Fahrzeuge von Scania stehen schon heute für den Einsatz in Minen bereit – das erste Fahrzeug wird in den kommenden Wochen an einen Kunden ausgeliefert. Und in Deutschland verrichtet erstmals ein fahrerloser, automatisch fahrender MAN-Lkw im öffentlichen Verkehrsraum seinen Dienst als Absicherungsfahrzeug für mobile Autobahnbaustellen.

Digitalisierung gibt die Richtung vor

Die fortschreitende Digitalisierung wird die Welt der Logistik von Grund auf verändern. Das Ziel ist es, die gesamte Lieferkette digital zu verknüpfen, um größtmögliche Effizienz zu erreichen. Die offene, cloud-basierte Plattform RIO der Volkswagen Truck & Bus Gruppe kann sämtliche Akteure der Wertschöpfungskette miteinander verbinden. Algorithmen verarbeiten Daten aus unzähligen Prozessschritten in Echtzeit und dienen als Grundlage für bessere Entscheidungen.

Die RIO-Plattform und die digitalen RIO-Dienste sollen noch in diesem Jahr verfügbar sein. Derzeit laufen Tests bei 20 MAN-Kunden mit Mischflotten, darunter auch Dienstleister der Volkswagen-Konzernlogistik. Insgesamt nehmen mehr als 100 Fahrzeuge aus Deutschland, Frankreich, Dänemark, Großbritannien, und Polen daran teil.

Zusammen mit MAN und Scania kann Volkswagen Truck & Bus heute auf über 300.000 vernetzte Lkw bauen. Durch die Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Partner Navistar sollen daraus in Zukunft weltweit insgesamt rund 650.000 vernetzte Lkw werden. Dank der RIO Plattform sollen die Fahrzeuge künftig in der Lage sein, nicht nur die eigenen Services der jeweiligen Marke zu nutzen, sondern auch Angebote von Drittanbietern. Insbesondere für die stetig wachsende Zahl innovativer Start-ups bietet sich die Nutzung der Plattform an.

Ein Beispiel ist die Frachtbörse Loadfox, deren Algorithmus die Auslastung der Lkw optimiert. Dadurch werden Leerfahrten reduziert, höhere Margen für den Kunden ermöglicht und weniger Ressourcen verbraucht. Ein anderes Startup-Unternehmen ist sennder, das sich auf eine tagesgleiche Zustellung spezialisiert. Die Besonderheit dabei: sennder kommt ohne die traditionellen Hubs aus, welche heute für gewöhnlich noch das Rückgrat der konventionellen Logistik bilden. Ein wichtiger Aspekt aus gesellschaftlicher Sicht: Ein effizienterer Güterverkehr hilft, den Verkehrsfluss zu verbessern und Emissionen zu reduzieren. Nur so lässt sich das weiter schnell wachsende Transportaufkommen bewältigen.

Alternative Antriebe für jede Anforderung

Zunehmender Güteraustausch, wachsende Städte, boomender Online-Handel: Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative Antriebe an Bedeutung, da sie helfen, die Luftqualität in den Metropolregionen zu verbessern. Aktuell zeichnen sich große Fortschritte bei alternativen Antrieben ab. Der Transport auf der sogenannten letzten Meile wird elektrisch: Transporter, die Pakete in den Handel und zum Endkunden liefern.

Volkswagen Truck & Bus arbeitet an elektrischen Lösungen für den mittleren und schweren Verteilerverkehr sowie für Stadtbusse und will schon in naher Zukunft über ein komplettes Angebot an Elektrofahrzeugen für den europäischen Markt verfügen. Grundlage der künftigen e-Architektur ist der gemeinsame e-Drivetrain. Dieser elektrische Antriebsstrang ist so konzipiert, dass er als Baukastenmodul universell die künftigen Verteiler-Lkw und Stadtbusse der Marken von Volkswagen Truck & Bus antreiben kann. Auch der strategische Partner Navistar in den Vereinigten Staaten wird darauf zurückgreifen und ab Ende 2019 oder Anfang 2020 einen elektrischen Verteiler-Lkw anbieten. Schon heute ist MAN mit einem Elektro-Lkw im Verteilerverkehr aktiv.

Weltpremiere in Hamburg für den elektrischen Verteiler-Lkw e-Delivery

Mit Blick auf die schnell wachsenden Schwellenländer ist ein weiterer elektrisch angetriebener Verteiler-Lkw entwickelt worden, der unter der Modellbezeichnung e-Delivery auf dem Innovation Day seine Weltpremiere hat. Der e-Delivery ist ein Lkw für die urbane Logistik, der den Verteilerverkehr in städtischen Regionen nachhaltiger machen soll. Er soll ab 2020 bei Volkswagen Caminhões e Ônibus in Brasilien gebaut werden.

Sowohl MAN als auch Scania werden vom kommenden Jahr an Vorserienversionen eines batterieelektrischen Stadtbusses in mehreren europäischen Städten unter Alltagsbedingungen testen. Die Serienproduktion dieser elektrischen Busse soll noch vor 2020 gestartet werden

In der schweren Klasse und im Fernverkehrseinsatz kämpft die aktuelle batterieelektrische Technik derzeit noch mit einem gravierenden Handikap: Beim erforderlichen Energiebedarf würde die Nutzlast unverhältnismäßig reduziert. Doch es gibt umweltschonende Alternativen zum Dieselmotor. Dazu zählen Verbrennungsmotoren, die mit Gas oder Biodiesel betrieben werden. Eine Lösung mit großem Zukunftspotenzial für den Fernverkehr ist der Betrieb mit verflüssigtem Erdgas (LNG = Liquefied Natural Gas). Aufgrund der hohen Energiedichte von LNG und der damit verbundenen hohen Reichweite von bis 1000 km sind die Perspektiven dieser Technologie für den Fernverkehr gut. Scania hat schon im Jahr 2014 den ersten LNG-Truck in EURO VI vorgestellt. Im September 2017 wurde gemeinsam mit der Konzernlogistik von Volkswagen eine LNG-Kampagne gestartet.

Ebenfalls erprobt werden Lösungen, den schweren Lkw auf andere Weise zu elektrifizieren, damit seine Reichweite und Nutzlast fernverkehrstauglich werden. „e-Road“ heißt das Schlagwort für diese Entwicklung, die analog zum Schienenverkehr auf Oberleitungen setzt. Im Oberleitungsbetrieb kann sich der Lkw emissionsfrei fortbewegen und darüber hinaus seine Batterien für eine bestimmte Anzahl an weiteren emissionsfreien Kilometern aufladen. Eine Teststrecke für elektrische Scania-Lkw existiert bereits in Schweden. In Deutschland sind Teststrecken ebenfalls angekündigt.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 11.10.2017

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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