VW will derzeit wohl gar nicht mehr E-Autos verkaufen

VW will derzeit wohl gar nicht mehr E-Autos verkaufen
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Dass einige europäische und vor allem auch deutsche Hersteller aktuell gar nicht allzu viele Elektroautos verkaufen, ist einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge mitunter hausgemacht. Weil beispielsweise Volkswagen seine CO2-Flottenwerte mit den bislang angebotenen Elektroautos erreicht, mit Verbrennern aber mehr Marge erzielt, würden derzeit bevorzugt Verbrenner an den Kunden gebracht. „Die Flaute ist nicht nur Schicksal, sie folgt auch einem Drehbuch – das Hersteller geschrieben haben“; heißt es im Artikel.

In den kommenden Jahren wird dieser CO2-Wert für die Flotte jedoch immer strenger, sodass die Hersteller zunehmend gezwungen sein dürften, Elektroautos zu verkaufen. Solange sich mit Verbrennern aber mehr Geld erwirtschaften lässt, ist es rein wirtschaftlich nachvollziehbar, dass die Hersteller diese Möglichkeit auch nutzen wollen, die Verbrenner-Kuh zu melken, solange der Euter noch etwas hergibt. „Und der Klimaschutz? Kommt später. Erst wenn die CO2-Zielwerte der EU in den kommenden Jahren weiter absinken, sind die Hersteller tatsächlich dazu gezwungen, deutlich mehr E-Autos abzusetzen“, schreibt die Wirtschaftswoche.

Dem Bericht zufolge tut Volkswagen sich aktuell schwer, die eigenen Renditeziele zu erreichen. Da ist es natürlich verlockend, die Zahlen mit dem einfachen, wenn auch rückwärtsgewandten Geschäft aufzubessern. „Der Spielraum der Autohersteller hat sich dadurch ergeben, dass sie in den vergangenen Jahren mehr rein elektrische Autos absetzen konnten, als von Brüssel ursprünglich angenommen wurde“, erläutert die Wirtschaftswoche das Phänomen. Elektroautos können mit einem Null-CO2-Ausstoß verrechnet werden und senken daher den durchschnittlichen Klimagasausstoß eines Herstellers stark. In diesem Jahr reicht das bei den meisten Herstellern locker aus, um die EU-Vorgaben einzuhalten. Spannender wird es dann ab 2025.

Eine Taktik, die sich später rächt?

Doch auch das heißt nicht zwangsläufig, dass die Hersteller im kommenden Jahr stärker auf Elektromobilität setzen. Denn es gibt die Möglichkeit, in einem Pooling-Verfahren die CO2-Bilanzen mit anderen Herstellern zu verrechnen. Reine Elektroauto-Hersteller sind hierfür besonders beliebte Partner. Zuletzt hatten nur noch wenige Hersteller diese Möglichkeit genutzt, doch es jönnten natürlich auch wieder mehr werden. Solange es sich finanziell lohnt, könnte dies also weiterhin begünstigen, dass Hersteller erst einmal weiter auf ihre Verbrennerflotte setzen – schließlich wird genau das ja aktuell auch von mehreren politischen Parteien offensiv gefordert. „Hier fällt auf: Je weiter die Hersteller von ihren Renditezielen entfernt sind, umso mehr fördern sie den Absatz von Verbrennern“, stellt die Wirtschaftswoche zudem fest.

Positiv sei dabei, dass der Absatz von Elektroautos in Deutschland wohl durchaus wieder deutlich steigen könnte, wenn die Hersteller dies denn forcieren würden. Allerdings benennt der Artikel auch Risiken: „Die Taktik der Autobauer ist nicht ungefährlich. Gut möglich, dass sie sich rückblickend ärgern, weil andere den Markt unter sich aufgeteilt haben“, heißt es in der Wirtschaftswoche.

Quelle: Wirtschaftswoche – „Warum VW seine E-Auto-Verkäufe selbst ausbremst“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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