Vier Gründe für den Absatzeinbruch von Neuwagen in Europa

Vier Gründe für den Absatzeinbruch von Neuwagen in Europa
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die Lage bei den europäischen und vor allem deutschen Autoherstellern ist angespannt. Über die Krise bei Volkswagen ist seit Wochen reichlich zu lesen, auch die Stellantis-Gruppe hat jüngst ihre Prognosen für das laufende Jahr spürbar gesenkt. Gut zwei Millionen Neuwagen pro Jahr weniger werden aktuell in Europa abgesetzt als noch zu den Hochzeiten vor der Corona-Pandemie. Die Automobilwoche macht dafür vier Gründe aus: die generell schwierige wirtschaftliche Situation in Europa, Preiserhöhungen der Hersteller, ein gesättigter Markt – auch aufgrund einer gestiegenen Lebensdauer der Autos – sowie Veränderungen in der Arbeits- und Lebenswelt vieler Menschen.

Zur wirtschaftlichen Situation tragen letztendlich immer noch die Folgen der Pandemie bei. Lieferketten gerieten aus den Fugen, Preise und damit die Inflation stiegen, das real verfügbare Geld wurde für viele Menschen weniger. Der Krieg in der Ukraine mit den daraus resultierenden Unsicherheiten auf dem Energiemarkt taten dazu ihr Übriges. In Europa stagniert die Wirtschaft zuletzt oder wächst nur sehr leicht, und die Konsumausgaben halten sich weiterhin auf eher niedrigem Niveau. Und die Automobilbranche ist eben nicht nur eine der wirtschaftlich entscheidendsten Branchen in Europa, ein Autokauf ist für die Bürger auch eine der teuersten Anschaffungen.

Autos werden immer älter

Durch die mitunter langen Lieferzeiten in der Pandemie wegen der gestörten Lieferketten entstand zwischenzeitlich ein geringes Angebot bei zunächst ähnlicher Nachfrage. Dementsprechend konnten die Autohersteller ihre Preise erhöhen, Rabatte wurden immer seltener. Aber auch die Ausgaben für Energie und zugelieferte Teile stieg in den vergangenen Jahren, zudem stiegen die technischen Anforderungen an Neufahrzeuge seitens der Europäischen Union. Alles in Summe sorgte für überdurchschnittlich stark steigende Preise – und das vor allem bei kleineren Verbrenner-Modellen.

Fast 600 Autos sind statistisch betrachtet inzwischen im Besitz von nur jeweils etwa 1000 Deutschen, und in den anderen europäischen Ländern ist der Schnitt nur wenig geringer. Außerdem sind Autos zuletzt immer zuverlässiger geworden und werden immer länger gefahren. Deutschland gehört noch zu den EU-Ländern mit dem jüngsten Durchschnittsalter von Autos, doch auch hier sind es inzwischen zehn Jahre. „1980 waren es im Schnitt noch 5,3 Jahre“, schreibt die Automobilwoche. In Griechenland sind Autos durchschnittlich sogar älter als 17 Jahre, besonders herstellerfreundlich niedrig hingegen in Luxemburg mit 7,9 Jahren. Der EU-Schnitt liegt bei 12,3 Jahren.

Immer mehr Menschen müssen zudem nicht mehr jeden Arbeitstag zu ihrer Arbeitsstätte fahren, sondern können von zuhause aus oder wo immer sie wollen arbeiten, womit das Auto weniger wichtig wird. Außerdem ist die Anzahl an Alternativangeboten wie Elektroauto-Carsharing und Angebote wie das Deutschland-Ticket gestiegen. Das führt dazu, dass eher weniger Deutsche und Europäer auf ein eigenes Auto angewiesen sind – vor allem in den größeren Städten. Das ist eine gute Nachricht für die dortige Aufenthaltsqualität, für die Absatzzahlen der Autohersteller hingegen sind diese Umstände weniger dienlich.

Quelle: Automobilwoche – Wenig Lust auf Neuwagen: Warum Europas Automarkt zwei Millionen Fahrzeuge „fehlen“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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