VDA-Chefin: Mobilität darf kein Privileg für Reiche sein

VDA-Chefin: Mobilität darf kein Privileg für Reiche sein
Copyright:

shutterstock / 230649667

Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
  —  Lesedauer 2 min

VDA-Präsidentin Hildegard Müller hat vor den Folgen steigender Spritpreise und einem zögerlichen Ausbau bei der E-Mobilität gewarnt. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte Deutschlands oberste Auto-Lobbyistin, die Hersteller wollten beweisen, dass sich Wachstum, Wohlstand, Arbeitsplätze und Klimaschutz nicht widersprechen. Die Konzerne würden massiv in den Umbau ihrer Werke und alternative Antriebe investieren. „Ich erwarte, dass die anderen auch ihre Hausaufgaben machen.

Müller beklagte in dem Interview, die Verkehrsdebatte sei in Deutschland „extrem aufgeheizt“. Es gebe Nichtregierungsorganisationen, die für sich in Anspruch nähmen, für die Gesamtgesellschaft zu sprechen. Tatsächlich argumentierten sie aber häufig aus einer sehr privilegierten Perspektive heraus. „Da ist etwas aus der Balance geraten – und davor kann ich nur warnen“, wird Müller zitiert. „Der Klimaschutz darf unsere Gesellschaft nicht spalten.

Es fehle leider oftmals an der Bereitschaft, die unterschiedlichen Lebensumstände der Menschen anzuerkennen, so die Verbandschefin. Stadtbewohner dürften den Menschen auf dem Land nicht diktieren, wie sie zu leben haben. Gerade diese hätten ein Recht auf die Fahrt im eigenen Auto – insbesondere dort, wo es kein ausreichendes Angebot im öffentlichen Nahverkehr gebe. Mobilität dürfe kein Privileg für Reiche werden.

Beim Benzinpreis kämen viele Menschen an eine Belastungsgrenze. Auch der Strompreis sei zuletzt auf immer neue Höchststände geklettert. Dieser Trend verteuere auch die Mobilität und belaste vor allem Menschen mit kleinen Einkommen. Die Bundesregierung sollte daher ihr Steuermodell überprüfen. Es seien schließlich Steuern und Abgaben, die den Großteil der Sprit- und Energiepreise ausmachten, so Müller. Die hohen Preise würden auch für die deutsche Autoindustrie einen großen Wettbewerbsnachteil bedeuten. Wer die 800.000 Jobs dort gefährde, setze den Wohlstand des Landes aufs Spiel.

Die VDA-Präsidentin beklagte zum widerholten Male den schleppenden Ausbau des Ladenetzes. Statt der benötigten 2000 neuen Ladepunkte pro Woche würden aktuell nur etwa 300 aufgestellt. Für den Energie-Wandel müssten jetzt alle „die Ärmel hochkrempeln„. Mit Blick auf Lieferengpässe als Folge von Corona mahnte Müller zudem eine aktivere Außenpolitik an. Diese müsse sich für Rohstoff- und Handelsabkommen einsetzen, um die Versorgung für die Zukunft zu sichern.

Quelle: Bild – „Klimaschutz darf unsere Gesellschaft nicht spalten

worthy pixel img
Wolfgang Plank

Wolfgang Plank

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Sebastian Henßler  —  

25 Forschungs- und Industriepartner bündeln ihre Kompetenz: SIB:DE Entwicklung soll eine wettbewerbsfähige Natrium-Ionen-Fertigung in Europa aufbauen.

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

Sebastian Henßler  —  

Die Autoindustrie baut massiv Stellen ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärt, was sie von EU, Bundesregierung und Unternehmen erwartet.

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

Sebastian Henßler  —  

Tech-Konzerne kaufen den Chipmarkt leer, die Autobranche zahlt drauf. Einzelne Speicherbausteine sind bis zu 400 Prozent teurer geworden.

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Sebastian Henßler  —  

Tozero verarbeitet jährlich 1500 Tonnen Batterieabfälle und gewinnt daraus Lithium, Graphit und Nickel-Kobalt zurück. Die Kosten liegen unter Bergbauniveau.

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Befragung zeigt: Die Deutschen wechseln verstärkt vom Verbrenner zum Elektroauto – und fordern von der Politik mehr Initiative für E-Mobilität.

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

Sebastian Henßler  —  

MG will als erster Automobilhersteller eine Semi-Solid-State-Batterie in Großserie nach Europa bringen. Der Hochlauf läuft, doch manche Fragen bleiben offen.