USA: Bald 1 Megawatt induktive Ladeleistung für Lkw?

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Wolfgang Plank
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Das US-Unternehmen Wave (Wireless Advanced Vehicle Electrification), eine Tochter von Ideanomics, plant bei seinen induktiven Ladesystemen für elektrische Nutzfahrzeuge offenbar mit 500 und 1000 kW Ladeleistung. Das berichtet „electrive.net“ unter Berufung auf verschiedene Quellen. Explizit Bezug genommen werde dabei auf den Tesla Semi.

Das System von Wave werde schon von mehreren Elektrobus-Betrieben in den USA genutzt, heißt es, und biete derzeit eine Ladeleistung von bis zu 250 kW. Nach Angaben aus einem kürzlich veröffentlichten Dokument sollen daraus künftig 500 kW und dann 1000 kW werden. Das Dokument einer Ausschreibung des US-Energieministeriums wurde bei Twitter veröffentlicht. Ein Zeitrahmen, bis wann die 500 kW oder die 1000 kW Ladeleistung erreicht werden sollen, ist nicht bekannt.

Damit entsprechen die von Wave geplanten Ausbaustufen relativ genau der Größenordnung, die Tesla für die Megacharger anpeilt. Viel mehr als die maximale Ladeleistung von 1 MW ist für die geplanten Tesla-Ladestationen für den Semi aber nicht bekannt – sie werden aber wohl kabelgebunden sein.

Wave will die Erhöhung der Ladeleistung seines 250-kW-Systems durch eine neue Elektronik und ein neues Design der Spule erreichen. Infrastrukturseitig soll eine große Primärspule in den Boden eingelassen werden, die Empfänger-Platte am Unterboden des Fahrzeugs soll bis zu 25 Zentimeter entfernt sein. Angaben zum Wirkungsgrad bei diesem Luftspalt sind nicht bekannt.

Dass die Ladeleistungen für Langstrecken-E-Lkw in diese Größenordnung vorstoßen werden, ist laut Wave klar. Dazu beruft sich das Unternehmen auf Angaben, die Tesla zu dem Semi gemacht hat. „Das Tesla Semi-Konzeptdesign hat die größte angekündigte Reichweite von 500 Meilen (805 Kilometer) mit einer Zielladung von 80 Prozent in 30 Minuten“, wird Wave zitiert:  Das Batteriepaket werde auf mindestens 800 kWh geschätzt (wahrscheinlich höher) und müsse eine Zielladerate von etwa 1,5 MW haben.

In der Mobilitätsbranche arbeiten einige Unternehmen an induktiven Ladelösungen, heißt es. Meist lägen die Ladeleistungen aber eher im Bereich eines AC-Ladevorgangs – in der Masse durchgesetzt hat sich die induktive Ladetechnik noch nicht. Tesvolt hatte Anfang Juli nach dem Einstieg bei dem Spezialisten Stercom angekündigt, mittelfristig „induktives Supercharging mit bis zu 200 Kilowatt Ladeleistung“ ermöglichen zu wollen.

Quelle: electrive.net – Wave plant induktives Ladesystem im Megawatt-Bereich

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Juergen:

So kann die Ladestation der Zukunft durchaus aussehen. Als Laie denke ich aber, dass man die hohen Ladeverluste beim induktiven Laden aus Gründen der Physik nicht in dern Griff bekommen wird.

Anonymous:

Schön das auch hier FUDL David wieder mehr weiß als die Firmen, die da miteinander gesprochen haben ;-)
Teslaphobiker eben
David – Du wirst mit dem Semi leben müssen – wenn nicht früher, dann eben später ;-)

Daniel W.:

Für mich ist die Fahrzeugzukunft batterie-elektrisch und wenn der Stecker wegfällt, dann umso besser.

Beispiel Ladestation in Zukunft:

Kein Einstecken, nur über der Primärspule im Boden parken. Das Auto oder der Lkw erkennt die Lademöglichkeit und gibt sich zu erkennen, dann werden die Zahlungsmodalitäten geprüft und mit dem Laden begonnen.

Da können Benzin, Diesel, Wasserstoff und E-Fuels nicht mithalten, bei denen geht „induktiv“ tanken eben nicht und man braucht dort große Tanks sowie bei H2 aufwändige Kompressoren und Kühlung.

neumes:

ja, schon klar…da ist es aber auch ein ganz kleines Magnetfeld was den Strom an den Kupferstreifen in der Hülle weitergibt. Ich gehe mal davon aus dass das Magnetfeld in diesen Dimensionen geringfügig größer sein sollte, und das Fahrzeug wird nicht direkt auf der Straße liegen wie mein Handy auf der Ladestation.

Selbst wenn das Magnetfeld nur bis zum Unterboden des Fahrzeugs reicht, was passiert wenn das Handy runterfällt und unterm Auto liegt eben in genau diesem Magnetfeld….

David:

Wenn dein Handy induktiv lädt, werden auch nicht alle Einträge im Kalender gelöscht.

neumes:

ich finde das Induktive Laden schon spannend…

bin da leider zu wenig im Thema…
Das läuft doch über ein Magnetfeld, oder?
Hat das nicht Auswirkungen auf Alle Materialien die in diesem Magnetfeld sind…

also Wärme, Magnetfeldstrahlung usw

nicht dass einem während der Fahrt die Reifen schmelzen wenn man da drüber fährt oder der Laptop gelöscht wird ;-)

David:

Mit dem Semi hat das alles nichts zu tun. Den gibt es weiterhin nicht auf dem Markt während alle Mitbewerber präsent sind. Vielmehr ist offiziell geworden, dass er auch dieses Jahr nicht kommt.

Es gibt weltweite Standards für das induktive Laden. Das bedeutet, die rechtlichen und technischen Grundlagen sind lange geschaffen. Rein theoretisch sind auch höhere Ladeleistungen kein Problem. Die Schwierigkeit scheint zu sein, das in der Praxis zuverlässig und mit akzeptabler Performance einsetzbar zu machen. Mercedes hatte ja schon eine Ladestation für zu Hause nach diesem Prinzip fast serienreif, hat sie dann aber zurückgezogen:
https://mbpassion.de/2018/09/daimler-verzichtet-vorerst-auf-induktive-ladenfunktion/

Das wird aber in wenigen Jahren kommen, weil das Hantieren mit Kabeln lästig ist. Bei den Ladeleistungen für Lkw dürfte es so sein, dass es sinnvoller ist, den Akku in mehrere Segmente zu teilen, die separat schnellgeladen werden. Denn ansonsten ist das Bottleneck der eine Stecker. Da wäre Induktion mit z.B. sechs Flächen statt sechs Kabeln eine deutliche Erleichterung für den Benutzer. Ich glaube also schon an die Induktion.

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