US-Post setzt 2600 E-Transporter ein

US-Post setzt 2600 E-Transporter ein
Copyright:

Jonathan Weiss / shutterstock / 1114755620

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die US-Post setzt ihre Pläne für eine modernisierte Auslieferungsflotte weiter um und baut dabei zunehmend auf batterieelektrische Transporter. Ein Schreiben der Behörde an den Kongress, das Reuters einsehen konnte, zeigt, wie weit die Umsetzung bereits reicht und welche finanziellen Entscheidungen hinter dem Kurs stehen. Mehr als 2600 E-Fahrzeuge sind demnach im täglichen Einsatz, ein Teil eines größeren Programms, das 2023 vom Kongress mit drei Milliarden US-Dollar (rund 2,55 Mrd. Euro) unterstützt wurde. Davon entfielen 1,2 Milliarden US-Dollar – etwa 1 Milliarde Euro – allein auf den Kauf elektrischer Modelle.

Die Behörde erläutert in dem Brief, dass der Einsatz elektrischer Lieferwagen gezielt dort erfolge, wo sich im Vergleich zu Verbrennern finanzielle Vorteile ergeben. Peter Pastre, Leiter der Regierungsbeziehungen der US-Post, betonte, dass das zugewiesene Budget vollständig verplant sei. Für die Einsätze nutzt die Post vor allem zwei Modellreihen, die in den vergangenen Monaten in großen Stückzahlen beschafft wurden. Dazu gehören 8700 Ford E-Transit, von denen 2010 bereits Postsendungen von 65 Standorten aus transportieren. Ergänzt wird die Flotte durch 612 speziell entwickelte Elektroautos der Next Generation Delivery Vehicle Serie von Oshkosh Defense, die an 15 Standorten eingesetzt werden.

Parallel dazu wächst die Ladeinfrastruktur, auf die der Umbau der Flotte angewiesen ist. Laut dem Schreiben sind inzwischen 6650 Ladepunkte an 75 Standorten installiert, weitere sind geplant. Die Behörde verweist darauf, dass jede Woche zusätzliche E-Fahrzeuge in den Dienst gehen und damit der Übergang zu einer moderneren Zustellflotte sichtbar voranschreite. Diese Entwicklung ist auch im politischen Umfeld relevant, da der US-Senat im Juni einen Vorstoß von Republikanern stoppte, der das Programm erheblich zurückgeworfen hätte. Vorgesehen war, Tausende E-Fahrzeuge und Ladepunkte im Rahmen eines großen Steuer- und Haushaltsgesetzes wieder zu streichen.

Die US Post hatte zuvor gewarnt, dass eine solche Entscheidung erhebliche Kosten verursachen würde. Rund 1,5 Milliarden US Dollar – etwa 1,28 Milliarden Euro – wären nötig gewesen, um die elektrischen Modelle zu ersetzen und die ungenutzte Ladeinfrastruktur abzuschreiben. Die Behörde argumentierte, dass der Rückbau bereits angeschaffter Technik den finanziellen Spielraum zusätzlich belasten würde.

Auch wenn der Fokus derzeit auf dem Ausbau der elektrischen Zustellflotte liegt, setzt die US Post ihre Erneuerungsstrategie nicht ausschließlich elektrisch um. Nach Angaben im Brief wurden 26.000 Autos mit Verbrennungsmotor beschafft, darunter 2600 Exemplare der neuen, benzinbetriebenen Oshkosh Generation. Diese Modelle ersetzen schrittweise die betagten Lieferwagen, die teilweise seit den späten 1980er Jahren genutzt werden und im Durchschnitt pro Fahrzeug mehr als 8000 US-Dollar pro Jahr – etwa 6800 Euro – allein an Wartungskosten verursachen.

Die Modernisierung der Flotte fällt in eine Zeit, in der die US Post umfassende strukturelle Veränderungen durchläuft. Seit 2007 hat die Behörde mehr als 100 Milliarden US-Dollar Verlust angehäuft, umgerechnet rund 85 Milliarden Euro. Im März wurde Postmaster General Louis DeJoy auf Druck des Weißen Hauses abgelöst. Er hatte fast fünf Jahre lang die Neuorganisation der Behörde verantwortet, die regelmäßig über strukturelle Defizite, ausbleibende Einnahmen und steigende operative Kosten berichtete.

Politische Spannungen begleiten den Umbau weiterhin. Im Februar erklärte der damalige Präsident Donald Trump, er erwäge, die US Post in das Handelsministerium einzugliedern. Vertreter der Demokraten wiesen darauf hin, dass ein solcher Schritt nach ihrer Auffassung gegen geltendes Bundesrecht verstoßen würde. Obwohl dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt wurde, machte er deutlich, wie stark die Zukunft der Bundesbehörde von politischen Entscheidungen geprägt bleibt.

Quelle: Reuters – US Postal Service using 2,600 EVs for mail deliveries

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

408.000 Teslas produziert – 50.000 Autos auf Halde?

408.000 Teslas produziert – 50.000 Autos auf Halde?

Sebastian Henßler  —  

Tesla hat im ersten Quartal 2026 über 408.000 Autos produziert und rund 358.000 ausgeliefert. Die Lücke von 50.000 Einheiten fällt dabei auf.

BYD wächst auf deutschem Markt um mehr als 600 Prozent

BYD wächst auf deutschem Markt um mehr als 600 Prozent

Sebastian Henßler  —  

BYD hat im März erstmals mehr als 1000 Autos an Privatkunden in Deutschland ausgeliefert. Im ersten Quartal stiegen die Neuzulassungen um 644 Prozent.

171 kg CO₂ weniger pro Tag: Haribo fährt elektrisch

171 kg CO₂ weniger pro Tag: Haribo fährt elektrisch

Sebastian Henßler  —  

Der Süßwarenhersteller Haribo setzt auf einen E-Lkw für planbare Routen zwischen seinen Werken und spart damit täglich rund 171 Kilogramm CO₂ gegenüber Diesel.

Volkswagen und Rivian: Milliardenrisiko bei Elektroauto-Allianz

Volkswagen und Rivian: Milliardenrisiko bei Elektroauto-Allianz

Daniel Krenzer  —  

VW und Rivian überwinden eine erste Hürde für die Allianz. Neben Chancen für bessere E-Autos birgt die Partnerschaft aber große Risiken für die VW-Bilanzen.

Volvo bringt Lynk & Co künftig exklusiv nach Europa

Volvo bringt Lynk & Co künftig exklusiv nach Europa

Maria Glaser  —  

Volvo wird künftig die Modelle Lynk & Co 01, 02 und 08 der chinesischen Premiummarke nach Europa importieren und verkaufen.

BYD Deutschland: Kritik an Händlerverträgen

BYD Deutschland: Kritik an Händlerverträgen

Laura Horst  —  

BYD steht für seine Händlerverträge in der Kritik, in denen es sich weitgehende Rechte sichert und die Händler kaum Spielraum erhalten.

Opel Corsa GSE: Finaler Feinschliff auf dem Nürburgring

Opel Corsa GSE: Finaler Feinschliff auf dem Nürburgring

Sebastian Henßler  —  

Opel erweitert die GSE-Linie um den Corsa GSE. Finale Fahrwerkstests auf dem Nürburgring sind abgeschlossen, der Bestellstart soll noch 2026 folgen.